IG BAU-Chef Feiger: "'Renten-Experten' haben längst Boden zur Realität verloren"

Robert Feiger, Bundesvorsitzender IG BAU
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  • Foto: IG BAU Alexander Paul Englert
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Zum Vorstoß "Rente 68" des Beirates von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärt der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, IG BAU-Chef Robert Feiger, gegenüber der Funke Mediengruppe:

"Rente mit 68, 69, 70 ... – nach oben ist die Rentenskala wieder offen: Bis zur Bundestagwahl sind es noch genau 109 Tage (Anmerkung: ab Mittwoch, 9. Juni) – genug Zeit also, um die Spirale des Renteneintrittsalters weiter nach oben zu drehen: ungerecht, unsozial, Hauptsache 'Rente 67 plus'. Allen, die sich am Überbietungswettbewerb beteiligen, muss das Renten-Stoppschild gezeigt werden: Peter Altmaier, der Wirtschaftsunion und übereifrigen Liberalen, den Bundesbankern, Arbeitgeberfunktionären und wirtschaftsnahen Institutsleitern. Sie alle müssen jetzt ausgebremst werden, bevor sie versuchen, über die Bundestagswahl hinweg, eine Erhöhung des Renteneintrittsalters politisch salonfähig zu machen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier muss einfach akzeptieren, dass kein Bauarbeiter, kein Dachdecker und keine Gebäudereinigerin bis 68 durchhält. Schon 65 ist bei solchen Knochenjobs zu lang. So ein 'rentenpolitischer Floh', den wissenschaftliche Berater hier dem Bundeswirtschaftsminister ins Ohr gesetzt haben, würde für Bauarbeiter nichts anderes als eine Rentenkürzung bedeuten. Denn sie wären gezwungen, dabei noch höhere Rentenabschläge in Kauf zu nehmen.

Peter Altmaier muss akzeptieren, dass es zwischen dem Job im Bauamt und dem Knochenjob auf der Baustelle enorme Unterschiede gibt. Wer auf dem Bau schuftet, ist schon viel früher körperlich am Ende, fertig und kaputt.

Bundeswirtschaftsminister Altmaier und sein Beraterstab können sich davon selbst überzeugen: Die IG BAU lädt Peter Altmaier und seine 'Renten-Experten' zum Praktikum auf dem Bau ein. Für einen Tag, eine Woche, einen Monat oder gern auch den ganzen Sommer lang ...

Das Arbeiten bis 67 ist zum Beispiel für Dachdecker in ihrem Beruf nahezu unmöglich. Gerade einmal 10  Prozent der Dachdecker arbeiten noch zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr. Kaum ein Dachdecker erreicht den vom Gesetzgeber vorgesehenen Renteneintritt. Das ist die bittere Wahrheit. Und das müssen die Herren Berater berücksichtigen, wenn sie vom grünen Tisch aus über eine Rentenerhöhung philosophieren.

Wer das plant, hat den Boden zur Realität verloren. Was kommen muss, ist eine generelle Rentenreform. Eine Bürgerversicherung, in die alle, die ein Einkommen haben, einzahlen: Arbeiter, Angestellte, Selbständige ... Politiker. Und vor allem eben auch genau die 'Bodenkontakt-distanzierten Experten', die jetzt die Rente 68 fordern. Wer Gebäudereinigerinnen, Gerüstbauern, Dachdeckern, Maurern & Co. die Rente 68 aufbrummen will, der soll auch so fair sein, sich seine eigene Rente gemeinsam mit ihnen aus einem Topf zu teilen. Und die Weichen dazu sollten möglichst gleich nach der nächsten Bundestagswahl gestellt werden."

Weitergabe Presseinfo der IG Bauen-Agrar-Umwelt

Autor:

Theodor Groesdonk aus Duisburg

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