Lehrermangel in Duisburg nimmt dramatische Ausmaße an
„Kurz vor der Katastrophe“

Dieses Foto beim Pressegespräch hat Symbolkraft. Der Lehrermangel mit dramatischem Unterrichtsausfall an Duisburger Schulen bringt Rüdiger Wüllner, Ilka Heipcke und Tanja Junkers (v.l.) regelrecht auf die Palme.
Fotos: Reiner Terhorst
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„Wir sehen kein Licht am Horizont, sondern immer dunklere Wolken am Schulhimmel“. Tanja Junkers, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Duisburg hat bei einem Pressegespräch auf den dramatisch angestiegenen Lehrermangel in Duisburg hinhgewiesen und ergänzt: „Das darf so nicht weitergehen.“

Im kommenden Schuljahr gibt es in unserer Stadt mehr unbesetzte Lehrerstellen als je zuvor. An den 100 Duisburger Grund-, Förder- und Sekundarschulen können im nächsten Schuljahr rund 250 genehmigte und dringend benötigte Stellen nicht besetzt werden. „Insbesondere die Ausschreibungen für Lehrkräfte für Sonderpädagogik bleiben weitestgehend ohne irgendeine Bewerbung“, ergänzt ihr Co-Vorsitzender Rüdiger Wüllner.

Das habe auch damit zu tun, dass sich die Pädagogen die Schulen selber aussuchen können und attraktiveren Regionen und Städten den Vorzug geben. „An einigen Schulen ist die Situation im Grunde genommen untragbar“, stellt die GEW-Vorsitzende fest und schlägt Alarm. Insgesamt, so hat die Lehrergewerkschaft errechnet, fallen an Duisburger Schulen 6.790 Unterrichtsstunden aus, und das pro Woche.

"Negativer Jackpot"

Dadurch hätten die verbleibenden Lehrer ein zusätzliches Arbeitspensum zu leisten, mit dem zweifelhaften Resultat, dass sowohl die Belastungen als auch die Krankmeldungen spürbar stiegen. „Durch die nicht besetzten Stellen spart das Land NRW allein in Duisburg eine Million Euro im Monat ein“, sagt Ilka Heipcke, Vorsitzende der Elternschaft Duisburger Schulen (EDUS). Sie nennt das einen „negativen Jackpot“.

Gewerkschaft und Elternschaft haben klare Vorstellungen, wie man die Situation entschärfen könne. Junglehrer und andere Bewerber sollten sich nicht mehr „ihre“ Schule selbst aussuchen könne. Ihr Einsatzort solle nicht länger durch Sun „Wunschkonzert“ bestimmt werden. Von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) werde erwartet, dass das alte, in den 90er Jahren abgeschaffte „Zuweisungsprinzip“ wieder greifen müsse. „Lehrer müssen nach der Refendarzeit dort eingesetzt werden, wo die Not am größten ist“, bringt es Martin Fey, Sprecher der Duisburger GEW-Schulleitungen auf den Punkt. Zusätzlich seien Gehalts-Boni eine Überlegung wert.

"Das weiß kein Mensch"

Auch die Stadt selbst könne einen Beitrag leisten, dass sich mehr Lehrer für Duisburg entscheiden. Tanja Junkers: „Uns ist gesagt worden, dass sich Lehrer, die hierher kommen und eine Wohnung bei der GEBAG anmieten, drei Monate lang mietfrei wohnen können. Nur weiß das kein Mensch.“ Elternsprecherin Heipcke bringt kostenlose Bus- und Bahntickets ins Spiel oder eine Art „Freizeit- und Kulturpass“.

Die Situation an den Duisburger Schulen werde nicht besser. Eine Entspannung sei frühestens für 2030 prognostiziert, weiß Rüdiger Wüllner. „Das wiederum heißt“, so Martin Fey, „dass eine ganze Schülergeneration in die Röhre guckt.“ Ilka Heipcke thematisiert ein weiteres Problem: „Weil die Bezirksregierung keine Sonderpädagogen findet, leisten die in Duisburg tätigen Lehrkräfte regelrechte Notdienste, da sie sich neben ihrer ursprünglichen Schule um weitere Schulen kümmern müssen.“

"Ein Schuss nach hinten"

Mit Seiteneinsteigern wie Musiker, Künstler oder Sportler sei es auch immer nicht getan, da ihnen oft der pädagogische Hintergrund fehle. Hier seien dauerhafte Nachqualifizierungen unumgänglich, sonst ginge der Schuss nach hinten los. Leidtragende sind in jedem Fall die Schülerinnen und Schüler in den sozial schwächeren Stadtteilen. Und die hätten Bildung und Förderung am nötigsten.

Dieses Foto beim Pressegespräch hat Symbolkraft. Der Lehrermangel mit dramatischem Unterrichtsausfall an Duisburger Schulen bringt Rüdiger Wüllner, Ilka Heipcke und Tanja Junkers (v.l.) regelrecht auf die Palme.
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Martin Fey fordert, Lehrer da einzusetzen, wo die Not am größten ist.
Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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