Fachtagung Kinderschutz leistet Netzwerkarbeit zur Vorbeugung von Kindesmisshandlungen
„Wir wollen Opferschutz und keinen Täterschutz“

Die jetzt unter großer Beteiligung durchgeführte, inzwischen dritte Duisburger Fachtagung Kinderschutz, leistete wiederum beste „Netzwerk-Arbeit“ zum nachhaltigen Schutz von Kindern gegen Gewalt, Misshandlung und Missbrauch.
Fotos: Reiner Terhorst
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„Um Kinder bestmöglich schützen zu können, bedarf es der Vernetzung von Fachkräften aus verschiedenen Bereichen wie den niedergelassenen Kinderärzten, Kinderkliniken, Jugendämtern, Pädagogen, Justiz und Polizei“, so Dr. Peter Seiffert, gemeinsam mit Dr. Ralf Kownatzki einer der Wegbereiter der „Fachtagung Kinderschutz Duisburg“.

Die fand jetzt zum dritten Mal im Hamborner Abteizentrum statt, wiederum durchgeführt vom Helios Klinikum Duisburg und RIKID e.V., und leistete erneut einen richtungsweisenden Beitrag zu dieser Netzwerkarbeit. Fast 300 Teilnehmer, die aus unterschiedlichen Berufserfahrungen und Blickwinkeln das Kindeswohl im Auge haben, lernten sich kennen, tauschten sich aus und erarbeiteten vor allem Vorschläge, wie man den Schutz von Kindern verbessern kann.

Und wie wichtig diese Zusammenarbeit ist, zeigen alarmierende Zahlen. Zwei bis drei Kinder sterben in Deutschland pro Woche infolge von Gewalt. In der von Dr. Seiffert geleiteten Kinderklink des Hamborner Helios St. Johannes Klinikums hat die dort eingerichtete Kinderschutzgruppe im vergangenen Jahr über 70 Kinder wegen des Verdachts auf Gewalttaten registriert. Im ersten Monat dieses Jahres sind bereits sechs solcher Fälle aufgetreten. Neben der medizinischen Akutversorgung und Behandlung ist da auch „psychologische Familienbetreuung“ angesagt, ebenso auch der Informationsaustausch mit der Polizei, städtischen Ämtern sowie Haus- und Kinderärzten.

Ein Problem dabei sei es, dass sich Mediziner nach geltender Rechtslage eigentlich strafbar machen, wenn sie sich über einen aktuellen Fall an Kindermisshandlung oder -missbrauch austauschen, ohne die Erlaubnis der Eltern einzuholen. Nicht selten sei aber leider in den Familien der „Ursprungsherd“ der Vorfälle zu suchen und zu finden. Schon die Fachtagung Kinderschutz im letzten Jahr hatte da den Finger in die „Gesetzeswunde“ gelegt.

„Handeln, bevor
es zu spät ist“

Jetzt scheint nicht zuletzt durch die Duisburger Impulse Bewegung die Sache geraten. Derzeit wird das Bundesfamiliengesetz überarbeitet, und die Chancen, dass die Problematik darin eingearbeitet wird, seien gut. Vorreiter war und ist da das Land Nordrhein-Westfalen, das wichtige Anregungen nach Berlin weitergab. Auch der Bundesgesundheitsminister will zu einer Klarstellung und nachhaltigen Regelung im Umgang mit dem „Schweigepflichtparagrafen“ beitragen.

Wichtig ist nach Auffassung von Klinikarzt Dr. Seiffert und dem niedergelassenen Kinderarzt Dr. Kownatzki, dass die ärztliche Schweigepflicht nicht dem notwendigen und zielführenden Austausch der Ärzte im Wege im steht: „Wir wollen Kinder schützen und keine Täter.“ Die diesjährige Fachtagung, an der erstmals Jugendrichter teilnahmen, hat da Akzente gesetzt. Sara Watermann und Dr. Jens Temme, Familienrichter am Amtsgericht Duisburg-Hamborn, informierten die Tagungsteilnehmer über ihre Tätigkeit zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Erfolge durch
Frühwarnsysteme 

RISKID, der von Kownatzki und Seiffert geleitete Verein für ein innerärztliches Informationssystem in Deutschland, setzt sich für effiziente Frühwarnsysteme ein. Um diese installieren und nutzen zu können, brauchen Mediziner die angeforderte rechtliche Sicherheit. Zahlreiche Referenten der Fachtagung haben zudem nachhaltige Erfolge durch Frühwarnsysteme aufgezeigt und verdeutlicht.

Auch die diesjährige Fachtagung, so die RIKID-Verantwortlichen, sei ein weiterer sinnvoller Schritt zur bundesweiten Vernetzung gewesen, der sich immer mehr Menschen und Institutionen getreu dem Leitmotiv „Handeln, bevor es zu spät ist“ anschließen. Die Multiplikatoren leisten wertvolle Arbeit.

Und genau das hat auch Rainer Becker getan. Ein Höhepunkt der diesjährigen Tagung war deshalb auch die Verleihung des Gerd-Unterberg-Preises an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Kinderhilfe. Kownatzki, Seiffert und Michael Reichelt vom RISKID-Vorstand ehrten den Polizeidirektor a.D. als engagierten und langjährigen Verfechter der Kinderrechte, der unter anderem für die Einführung der Kinderschutzhotline verantwortlich zeichnet. Zudem hat er stets an den Institutionen gerüttelt und weitere Verbesserungen gefordert, die inzwischen zumindest teilweise auf den Weg gebracht wurden. 

HINTERGRUND 

RISKID (RisikoKinderInformationssystem Deutschland) wurde 2005 in Duisburg intitiert. Seit zehn ist die Organisation ein eingetragener Verein., dem in Duisburg mittlerweile alle Kinder- und Jugendärzte sowie die Fachkliniken angeschlossen sind. Ziel ist es nach wie vor, den Informationsaustausch von Ärzten zum Wohl der Kinder gesetzlich zu erleichtern.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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