Lebensmittelpunkt Straße: Das Streetworkcafé "Pro kids" fängt Betroffene auf

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„Rockige Weihnachten“ verheißt ein Benefizkonzert mit der Duisburger Coverband „Higgins dirty work“ am Samstag, 17. Dezember, um 20 Uhr im Baba Su, Bismarckstraße 120/Tectrum. Im Gepäck: Klassiker der Rock- und Popgeschichte, darunter Police, Queen, U2 und viele andere mehr. Der Erlös (Eintritt fünf Euro) geht an das Streetwork- und Kontaktcafé „Pro kids“, eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, deren Lebensmittelpunkt die Straße ist.

Eine warme Mahlzeit, eine Dusche, etwas Sauberes zum Anziehen, aber auch Hilfe um sein Leben „auf die Reihe zu kriegen“. Etwa 15 Jugendliche kommen hierfür täglich ins „Pro kids“. Sie sind aus dem sozialen Netz gefallen, in soziale Schieflage geraten. „Entkoppelte Jugendliche“ nennt sie der Fachjargon. An der Börsenstraße 13 erhalten diese jungen Leute seit 2003 durch ein ein Team aus acht ehrenamtlichen Helfern neben praktischer auch Überlebenshilfe. „Wir haben bislang etwa 1.000 Jugendliche gesehen“, berichtet Einrichtungsleiter Matthias Beine und fährt fort: „Wir fingen als Kontaktcafé für Straßenkinder an. Inzwischen versorgen wir Jugendliche und junge Erwachsene, die von Wohnungslosigkeit, Schwierigkeiten mit dem SGB II und Sanktionierung durch das Jobcenter betroffen sind.“ Die jungen Leute, die zwischen 16 bis 25 Jahre alt sind, haben zum Teil eine Schuldenproblematik und Schwierigkeiten mit Drogen.

Bei Volljährigkeit endet die Jugendhilfe

Denn die Krux ist: Bei Volljährigkeit endet die Jugendhilfe. Beine berichtet: „Das Jugendamt wird darüber hinaus nicht tätig. Die nächste Hilfe wäre der StGB II-Bezug oder Hartz IV, und wenn es da Schwierigkeiten gibt, landen die Leute schnell auf der Straße.“ Steht ein 18einhalbjähriger auf der Straße, müsste die Wohnungslosenhilfe greifen. Diese wird vom Landschaftsverband Rheinlands (LVR) jedoch erst ab 21 Jahren geleistet. Beine: „Die bekommen keine Hilfeangebote, rennen sich in der deutschen Bürokratie die Hörner ab, sind frustriert, kommen mit Drogen in Kontakt und landen im Loch.“ Eine richtige Lösung dafür müsste von der Politik geschaffen werden, so der Sozialwissenschaftler.

Die „pro kids“-Mitarbeiter begleiten die Betroffenen, die oftmals aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen, zum Jobcenter und unterstützen sie bei bürokratischen Hürden. Matthias Beine: „Nicht selten haben die Leute ihre Sachen verloren, wir helfen ihnen, Passbilder anfertigen zu lassen und einen Übergangsausweis zu besorgen, um sie wieder in den Hilfebezug zu bekommen.“ Hinzu kommt, dass die Jugendlichen zwar offiziell volljährig sind, aber oftmals den Anforderungen nicht gewachsen sind. Beine: „25 ist das neue 18. Viele Jugendliche sind kognitiv wie 14, 15. Sie würden keinen Brief des Jobcenters verstehen.“ Darüber hinaus wird individuell geschaut, wo es Probleme gibt und gegebenenfalls an Spezialisten vermittelt, wie die Schuldenregulierung, den Fachbereich Sozialpsychiatrie oder betreutes Wohnen.

Neben der Problembewältigung haben die jungen Leute im „pro kids“ jedoch auch die Möglichkeit, in angenehmer Atmosphäre gemütlich Kaffee zu trinken oder zu Kickern. Beine: „Wir freuen uns auch, wenn die Jugendlichen länger bei uns bleiben und den Austausch untereinander pflegen.“ Um ein wenig Abstand zu den Problemen zu bekommen, können die jungen Leute einmal jährlich Freizeitangebote, wie Paddeln oder Segeln nutzen, die durch Spenden und Stiftungen finanziert werden. Was Matthias Beine besonders freut, ist: „Wenn Jugendliche reinkommen und sagen, dass es ihnen gut geht und sie eine Ausbildung machen und ihnen bei uns gut geholfen wurde.“

Info:

Das Streetwork- und Kontaktcafé „pro Kids“ ist als Einrichtung des Diakoniewerks Duisburg Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige in Duisburg-Mitte. Sie bietet auch Nachbetreuung für Betroffene nach deren Auszug aus dem Wohnheim „You@tel“ an der Casinostraße, wo diese wohnfähig gemacht oder an eine weiterführende Hilfeeinrichtung vermittelt werden. „Pro kids“ finanziert sich ausschließlich aus Spenden und ist als Mitglied im „Bündnis für Straßenkinder in Deutschland“ mit anderen Hilfe-Einrichtungen vernetzt. Weitere Infos unter www.prokids-duisburg.de

Autor:

Marjana Križnik aus Düsseldorf

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