Reunion des „Royal Corps of Transport“ weckte Erinnerungen an die Zeit in den „Glamorgan Barracks“

Die Besuchergruppe mit Bürgermeister Manfred Osenger
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Das war schon etwas Ungewöhnliches, als am dritten Septemberwochenende PKW mit britischen Nummernschildern auf dem Burgplatz auffuhren und dort parkten. Dann setzte ein Stimmengewirr in englischer Sprache ein, und jeder wußte, dass hier etwas Besonderes geschah.

Gut 60 ehemalige des „Royal Corps of Transport“, das bis 1992 in der Kaserne in Wanheim stationiert war, waren u.a. auch aus England zu einem Wiedersehen angereist. Einige sind allerdings hier in Duisburg geblieben, haben sie doch in den Diskotheken rund um die Kaserne, in Hochfeld oder in der Stadtmitte ihre Frauen kennen gelernt.

Das Treffen hatten Ron Maley, der selbst 1973 das erste Mal nach Deutschland kam und seine Freude von damals wieder sehen wollte und Stadthistoriker Harald Molder ausgearbeitet und am Morgen des ersten Tages stand eine Einladung in das altehrwürdige Rathaus von Bürgermeister Manfred Osenger auf dem Besuchsplan.

Quarter Master Terry Byrne war ebenfalls mit Ehefrau Eunice gekommen. Er war derjenige, der nach der Schließung die Schlüssel der Kaserne abgegeben hat. Voll Stolz übergab er BM Osenger ein Foto vom Eingangstor der alten Kaserne. Dieses wurde vor dem Abbruch abgebaut und ist jetzt in dem Örtchen Abingdon in Oxfordshire in England vor dem Eingang zu den „Dalton Bararcks“ zu fidnen. Dort steht das Tor von 1937 als Denkmal und zur Erinnerung an die Zeiten in Deutschland.

Nach der Begrüßung durch Manfred Osenger führte dieser die Gruppe gekonnt durch das Rathaus und erklärte zunächst am großen Plan von Sir Norman Foster die Veränderungen in der Stadt, die viele der Gäste erst nach 20 Jahren wieder besucht haben.

„Damals gab es weder Forum noch City Palais, sondern KARSTADT mit dem Heiratsmarkt und die Mercatorhalle. Da fuhren auch noch die Straßenbahnen über die Königstraße. Die U Bahn gab es noch nicht!“ erinnerte sich ein Teilnehmer und war erstaunt. „Die vielen Diskotheken sind nicht mehr. Dafür gibt es jetzt den Innenhafen!“ erwähnt ein Anderer.

Sehr schön erklärte Osenger im Mercatorzimmer die Verdienste eines der großen Söhne der Stadt. Das schmucke Eingangsportal zum großen Ratssaal war ein begehrtes Fotomotiv. Und im Ratssaal selbst fährt Osenger dann zu richtiger Größe auf und erklärt aus dem Stand alles Gemälde und die Rathausfenster mit ihrer Symbolik.

Dagmar Rathbone, in Duisburg geboren, war eine fabelhafte Dolmetscherin und übersetzte gekonnt die Anmerkungen und auch kleinen Pointen zu so manchem Detail, die „Manni“ Osenger erklärte. Schön natürlich die englische Definition des Wortes „Verlörkes!“, das natürlich bei dem Schlachtengemälde an der „Verlörkes Brück“ erklärt werden mußte.

Oder das sich heute kein OB mehr mit rauchenden Schloten im Hintergrund ablichten lassen würde. Und natürlich die süffisante Anmerkungen, daß Karl Lehr in weiser Voraussicht seinen Zylinder mit der Öffnung nach oben hielt, in Voraussicht der prekären Finanzsituation, in der die Stadt heute steckt.

Das war nicht nur „Duisburger“ sondern auch schon „Britischer“ Humor vom Feinsten. Die Lacher der Gäste hatte er auf seiner Seite.

Nachdem die Führung beendet war, trugen sich die „Ehemaligen“ im Ratssaal sichtlich stolz in das Gästebuch der Stadt Duisburg ein.

„Ich war noch nie hier in dem Gebäude. Heute zum ersten Mal. Und dann trage ich mich hier gleich in das Gästebuch ein!“ so Ron Maley. Zur Erinnerung an den Besuch übergab Bürgermeister Osenger jedem Teilnehmer einen „Pin“ mit dem Duisburger Stadtwappen. Dieser fand voller Stolz seinen Platz gleich neben dem Emblem der Einheit.

Nun ging es bei einer Stadtrundfahrt mit dem Bus zu den Punkten der Vergangenheit und an vielen Stellen machte sich doch ein wenig Nachdenklichkeit breit, hatte sich das Stadtbild doch merklich gewandelt. Zunächst zum Innenhafen ging es über die Unterstraße vorbei am nicht mehr vorhandenen „Goldenen Anker“. Weiter durch das Rotlichtviertel und die Charlottenstraße, wo der „Fat Mexican“ ein über Duisburgs Grenzen hinaus bekannter Punkt war. Die Wanheimer Straße, auf der bekannte Punkte, wie die Gaststätte „Zur Post“ noch Erinnerungen weckte, die Diskothek „Achims Hütte“ allerdings nicht mehr existiert, war für viele Treffpunkt in ihrer aktiven Dienstzeit.

Über die ebenfalls unbekannte Brücke am Kultushafen ging es weiter zum Kasernengelände, wo man im Vorbeifahren die Lage der früheren Wohnblocks auszumachen versuchte! Heute sind hier kleine Gewerbebetriebe.

Natürlich durfte ein Schlenker vorbei an der Düsseldorfer Straße in Buchholz, wo man in der Diskothek „Maxim“, dem „UNIVERSUM“ Kino oder auch in der Bowlingbahn so manche Stunde verbrachte, nicht fehlen.

Dann kam der bewegende Moment für viele, als der Bus einen Stop am heutigen „Haus der Unternehmer“ einlegte, dem früheren Offizierskasino. Da wurde ebenfalls wieder diskutiert, wie früher die Eingangssituation der Kaserne aussah.

Weiter ging es zum Wolfsee und der „Gelben Brücke“. Die Mutproben von früher wollte man allerdings dann doch nicht mehr nachvollziehen.

“Wir waren damals stürmisch und wollten zeigen was wir können. Das machen wir aber schon lange nicht mehr!“ erzählt ein Teilnehmer.

Danach ging es zurück zum Hauptbahnhof, wobei man auch die „Loveparade“ Rampe passierte. Und ein beklemmendes Gefühl über den großen Schicksalsschlag aus dem Jahr 2010 kam auf.

„Wir haben das damals alles im Fernsehen mitbekommen und waren sehr traurig. Wir wussten ja auch nicht, ob Freunde oder deren Kinder betroffen waren!“

Vom Hauptbahnhof ging es dann zu Fuß über die Königstraße zurück zum Rathaus, denn es hieß, sich vorbereiten auf den gemütlichen Abend. Da wurde noch einmal ausgiebig in der Gaststätte „Noy“ an der Fischerstraße in Wanheimerort, die auch schon während der Dienstzeit ein Treffpunkt für die Soldaten der Kaserne war, das Wiedersehen gefeiert.

Auf einer großen Leinwand wurden die Erinnerungen mit alten Fotos wieder aufgefrischt. Und da merkte so mancher, dass man doch „in die Jahre“ gekommen ist. Alles in Allem war es ein wunderbares Wiedersehen und soll auch nicht das letzte Treffen gewesen sein erklärt ein sichtlich zufriedener Ron Maley. Für den Schreiber dieser Zeilen war es eine wunderbare Zeitreise zurück in die Zeit der „Glamorgan Barracks“!

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