Der Moped-Club Neumühl hat trotz Corona wieder „Gas gegeben“
„Frankensteins Tochter“ hat auch eine Tochter

Der Moped-Club Neumühl hat stets Schulen und Vereine unterstützt. Auf dem Foto überreichten einige Aktive vor einigen Jahren eine Spende an den Schulleiter der Gesamtschule Emschertal. Die Benefiz-Aktionen sollen bald weitergehen. Jetzt hat Club die Corona-Zeit genutzt, um die „Tochter von Frankensteins Tochter“ in sein imposantes Moped-Museum zu locken.
Fotos: Reiner Terhorst
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  • Der Moped-Club Neumühl hat stets Schulen und Vereine unterstützt. Auf dem Foto überreichten einige Aktive vor einigen Jahren eine Spende an den Schulleiter der Gesamtschule Emschertal. Die Benefiz-Aktionen sollen bald weitergehen. Jetzt hat Club die Corona-Zeit genutzt, um die „Tochter von Frankensteins Tochter“ in sein imposantes Moped-Museum zu locken.
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„Mit den alten Mopeds ist es wie mit Hunden. Die müssen öfter mal Gassi gehen.“ Peter Wedig, der Vorsitzende des in ganz Duisburg, aber auch in Oberhausen dem Ruhrgebiet und dem benachbarten Ausland anerkannten Moped-Clubs Neumühl, lacht laut, wischt sich den Schweiß von der Stirn und streicht mit einen sauberen Tuch fast liebevoll über die historische Kreidler. Seine Hände sind schmutzig, denn gerade noch hat er an dem alten Schätzchen rumgeschraubt.

Jetzt geht es mit der Maschine Gassi. Von seiner Garage in Neumühl aus führt ihn der Weg über die Innenstadt und Hochfeld nach Rheinhausen. Von dort geht es über Homberg, Ruhrort, Beeck, Marxloh und Neumühl dann gemütlich nach Oberhausen-Holten. Dort in „Riechweite“ der Duisburger Stadtgrenze ist das bei den Moped- und Motorrad-Fans in ganz Europa bekannte Moped-Museum des Clubs beheimatet. Die Kreidler findet da wieder einen Stammplatz neben jetzt wieder gut 130 Mopeds, Motorrädern und Rollern, von denen die meisten ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben.

Vor kurzem war das Museum auf einmal ganz leer, berichtet Wedigs Stellvertreter Frank Müller im Gespräch mit dem Wochen-Anzeiger: „Wir haben in der letzten Zeit alle Maschinen für die Versicherung einmal von allen Seiten fotografiert und mussten sie deshalb komplett aus den Museum rausholen.“ Im Anschluss wurden auch notwendige Wartungs- und Reparaturarbeiten vorgenommen, sowohl an den „Golden Oldies auf zwei Rädern“ als auch im Museum selbst. Alle Maschinen, auch die, die keinen Platz im Museum haben, sondern in den Mitgliedergaragen in Duisburg und Oberhausen auf ihren Fahr- oder Präsentationseinsatz warten, wurden jetzt dokumentiert und katalogisiert.

Mit Mopeds
"Gassi gehen"

Während des Lockdowns habe man halt Zeit für Dinge, die sonst möglicherweise weit nach hinten geschoben würden. Aber alles wurde natürlich mit Abstand und unter Einhaltung der Corona-Schutzverordnungen auf den Weg gebracht. „Dass, wie üblich, 20 oder oder 30 helfende Hände zusammen anpacken und man schnell fertig ist, konnten wir uns abschminken“, so Müller. Präzise Zeit- und Arbeitseinteilungen waren gefragt. Alle Aktiven mussten alleine oder zu zweit alles tun. „So viel gefegt habe ich zuhause noch nie“, lacht Ralf Hebestadt, den alle in der Internationalen Moped-Szene respektvoll-anerkennend Mr. Kreidler nennen, denn er hat so manches dem Schrottplatz geweihte alte Schätzchen wieder „fahrtüchtiges Leben“ eingehaucht.

Aber auch sonst waren die Moped-Enthusiasten rege, allen voran Frontmann Peter Wedig. „Wir haben durch weitere Ankäufe unseren Bestand gezielt erweitert. Und jetzt hat Frankensteins Tochter selbst eine junge Tochter bekommen.“ Bei diesen Worten muss er wieder laut lachen. Er zeigt auf eine alte, aber wie neu glänzende Kawasaki Z 900, ein Kult-Motorrad, das vor fast fünf Jahrzehnten auf den Markt kam und schnell den Spitznamen Frankensteins Tochter erhielt.

"Heizern" wurde
Angst und Bange

Die ersten Exemplare des Feuerstuhls wackelten nämlich so furchtbar, dass selbst den abgebrühtesten Heizern Angst und Bange werden konnte. So sehr, dass das Motorrad halt besagten Spitznamen erhielt, der weltweit die Runde machte. Nun hat der Hersteller dieses Modell „Eins zu eins“ neugebaut, und auch der Moped-Club Neumühl hat da sofort zugegriffen. „Eigentlich“, so ergänzt Frank Müller, „sehen die ja aus wie eineiige Zwillinge.

Den Bestand aufgefüllt haben zudem eine MV Augusta, Laverda 125 ccm, Honda 450 ccm und Suzuki 200 CC, bei deren Auflistung Moped- und Motorrad-Freaks leuchtende Augen und heiße Ohren bekämen, meinen die Club-Verantwortlichen. Um den hoffentlich baldigen Museums-Besuchern nicht immer dasselbe zu präsentieren, wird mit den Neuanschaffungen und den „Garagen-Hütern“ die Ausstellung an der Waldteichstraße 93 in Oberhausen-Holten immer mal verändert.

Sicherheitskonzept
wurde überarbeitet

„Unsere Sicherheitskonzepte sind überarbeitet und modifiziert, unzählige Anwesenheitslisten gedruckt, Masken und Desinfektionsspender angeschafft“, sagen Wedig und Müller. Sie hoffen, dass unter diesen Voraussetzungen und die jetzt vorgesehenen stufenweisen Lockdown-Lockerungen auch ein Besuch im in der näheren und weiteren Umgebung „einmaligen“ Moped-Museum wieder möglich sein wird, vielleicht sogar schon im April.

Bis dahin können die Maschinen wohl nur beim „Gassi gehen“ ins Rampenlicht einer eingeschränkten Öffentlichkeit kommen. Auch wünschen sich die Moped-Mannen aus dem Club, mal wieder sozial aktiv zu werden. Durch Benefiz-Aktionen hat der Moped-Club Neumühl seit seinem Bestehen schon Schulen, Vereine und Behinderteneinrichtungen finanziell unterstützt. Das wolle man künftig sowohl in Duisburg als auch in Oberhausen wieder gerne tun. „Obwohl wir in der Corona-Zeit viel auf den Weg gebracht haben, freuen wir uns auf eine Zeit nach Corona“, meint Peter Wedig abschließend.

Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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