In Hochheide ist der zweite „Weiße Riese“ gesprengt worden und macht Platz für einen neuen Park für die Anwohner
Eine große Wolke aus Rauch und Staub

Monatelang wurde die Sprengung des zweiten weißen Riesen in Homberg vorbereitet. 500 Kilogramm Sprengstoff sorgten dafür, dass das Hochhaus in wenigen Sekunden in sich zusammen fiel. Die Erleichterung war bei den Experten groß, dass alles nach Plan funktionierte.
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  • Monatelang wurde die Sprengung des zweiten weißen Riesen in Homberg vorbereitet. 500 Kilogramm Sprengstoff sorgten dafür, dass das Hochhaus in wenigen Sekunden in sich zusammen fiel. Die Erleichterung war bei den Experten groß, dass alles nach Plan funktionierte.
  • Foto: Bartosz Galus
  • hochgeladen von Marcel Faßbender

Am Sonntag war es soweit: Der zweite „Weiße Riese“ ist gefallen. Aufgrund der Corona-Pandemie hatte sich die ursprünglich für 2020 geplante Sprengung um gut ein Jahr verzögert. Doch nun ist der 23-stöckige Beton-Gigant erfolgreich zum Einsturz gebracht worden. Dafür waren nicht nur 500 Kilo Sprengstoff, sondern auch die Unterstützung zahlreicher Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Ordnungsamtes und ehrenamtlicher Helfer nötig.

Von Sascha Mangliers

Es war 12:10 Uhr. Einige Sirenen-Signale, drei Detonationen und knapp 15 Sekunden Einsturz: Damit war es das mit dem zweiten „Weißen Riesen“. Nach vielen Monaten der Planung und Vorbereitung ist die Sprengung nun geschafft und vom einstigen Riesenhochhaus bleiben nur noch 50.000 Tonnen Schutt übrig. Mit ihm fiel ein weiterer großer Bestandteil der Rheinpreußensiedlung, dessen 320 Wohnungen bereits seit 17 Jahren leer standen. Den damit gewonnenen Platz für das Stadtparkprojekt in Hochheide begrüßte Oberbürgermeister Sören Link als Meilenstein für den Stadtteil.
Als Mitte der 1970er Jahre die sechs „Weißen Riesen“ fertiggestellt wurden, dienten sie als bezahlbare Wohnmöglichkeiten für mehrere tausend Menschen am Standort Homberg-Hochheide. Doch in den letzten wuchsen die Probleme rund um die Hochhaussiedlung, sozial sowie baulich. Wegen starkem Asbestbefall wurde der nun gesprengte „Weiße Riese“ schon vor vielen Jahren geräumt und Sanierungsarbeiten schnell als aussichtslos ausgeschlossen. NRW- Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU), die sich die Sprengung Vorort anschaute, freute sich über diesen weiteren Schritt in Sachen Rückbau des Stadtteils. Die „Weißen Riesen“ seien längst nicht mehr zeitgemäß und müssen somit weichen, so die Ministerin.

Sprengung als großer Kraftakt

Dass die Sprengung des 63 Meter hohen Wohnkolosses letztendlich so planmäßig verlaufen ist, war nicht dem Zufall zu verdanken. Denn über Monate haben die Verantwortlichen daran gearbeitet, dass am Stichtag alles nach Maß laufen würde. Allein wegen der dichten Angrenzung des „Weißen Riesen“ an benachbarte Straßen und Bauten musste dessen Einsturz bis ins kleinste Detail geplant werden, erklärte Marc Sommer, Geschäftsführer der rebuild.ing GmbH: „Wir mussten die Sprengung zeitversetzt planen, sodass der Mittelteil des Riesen zuerst einstürzt und die beiden äußeren Teile nach innen auf den Mittelteil fallen.“ Eine solche Kipp-Kollaps-Sprengung war auch für den erfahrenen Sprengmeister Martin Hopfe eine Herausforderung. Um nämlich das gewünschte Fallbild des Gebäudes herbeizuführen, habe man zuvor zahlreiche Wände einreißen müssen, um die Statik „vorzuschwächen“, so der Sprengmeister. Auf über 1000 Bohrlöcher wurde dann die halbe Tonne Sprengstoff verteilt.
Aber auch was die Vorbereitung der Sprengung betraf, war der organisatorische Aufwand enorm: In dem Evakuierungsbereich rund um die Ottostraße mussten knapp 1750 Anwohner ihre Wohnungen verlassen, von denen manche einen Krankentransport benötigt haben, berichtete Thorsten Bleckmann vom Ordnungsamt. „Wir sind mit der Evakuierung sehr zufrieden, die Bevölkerung hat gut mitgearbeitet“, so Thorsten Bleckmanns Fazit. Insgesamt gab es nur wenige Konflikte mit Schaulustigen und Personen, die den Evakuierungsbereich nicht verlassen wollten. Man habe vereinzelte Autos abschleppen lassen müssen und die rund 250 Schaulustigen an der Kirchstraße seien alle hinter der Absperrung geblieben, bestätigte die Stadt Duisburg abschließend.

Erleichterung bei allen Beteiligten

Oliver Tittmann, Leiter der Feuerwehr, war nach der erfolgreichen Sprengung spürbar erleichtert: „Die Sprengung war ein voller Erfolg. Das Fallbild des „Weißen Riesen“ war wie geplant. Es gab nur eine mäßige Staubwolke und wir konnten in der Umgebung keine Schäden feststellen.“ „Da fällt von uns allen“, so Oliver Tittmann weiter, „eine große Anspannung ab.“ Um die Staubentwicklung des gefallenen Riesen gering zu halten, hatte die Feuerwehr zuvor ein Wasserbecken mit knapp 600 Kubikmetern Wasser angelegt, und das Hochhaus von 20 Abgabestellen mit Wasser beworfen. Für diese Wasserfontänen mussten Oliver Tittmann und seine 200 Kollegen der Feuerwehr insgesamt 4,5 Kilometer Schlauch verlegen.
Auch Oberbürgermeister Sören Link, der die Sprengung gebannt verfolgte, war nach dem positiven Fazit der Einsatzkräfte hoch zufrieden und sprach ihnen seinen Dank aus: „Dass es heute so gut gelaufen ist, ist der Verdienst vieler Menschen. Heute waren über 400 Leute von der Feuerwehr, der Polizei, des Ordnungsamtes und als Ehrenamtler im Einsatz, die den heutigen Tag zum Erfolg gemacht haben. Mit Blick auf die Sprengung des dritten „Weißen Riesen“, die für 2023 geplant ist, ordnete Sören Link den Fall vom „Riesen Nummer 2“ als wichtigen Meilenstein, aber „noch nicht als Finale“ ein.
Nach etwa anderthalbstündigen Aufräumarbeiten durften die evakuierten Anwohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren, die Straßensperrungen wurden aufgehoben und es kehrte allmählich wieder Ruhe ein an einem ereignisreichen Tag in Hochheide.

Autor:

Lokalkompass Duisburg aus Duisburg

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