Streikwoche steht bevor: Infrastruktur und Automobilindustrie betroffen

Ulrike Laux, Mitglied des Bundesvorstandes IG BAU
  • Ulrike Laux, Mitglied des Bundesvorstandes IG BAU
  • Foto: IG BAU Alexander Paul Englert
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IG BAU ruft Arbeitgeber auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren

Der Tarifstreit in der Gebäudereinigung beschert Deutschland eine neue Streikwoche: Ab Wochenbeginn wird es bundesweit zu weiteren Warnstreiks kommen. Das kündigte die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am Freitag an. Insbesondere „sensible Bereiche der Infrastruktur“ sollen von Arbeitsniederlegungen im Reinigungssektor betroffen sein, so die Gebäudereiniger-Gewerkschaft.

„Ebenso die Autoindustrie sowie deren Zulieferer. Die Warnstreiks werden sich über mehrere Tage erstrecken und jeweils mehrere Stunden andauern. Gestreikt wird bundesweit an unterschiedlichen Orten“, sagte Ulrike Laux vom Bundesvorstand der IG BAU.

Grund für die erneute Warnstreikphase sind festgefahrene Tarifverhandlungen für das Gebäudereiniger-Handwerk. Die IG BAU und der Bundesinnungsverband hatten in dieser Woche ihre 6. Verhandlungsrunde über einen neuen Rahmentarifvertrag ergebnislos beendet.

Die Gebäudereiniger-Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, durch „Tarif-Trickserei Gebäudereinigerinnen sowie Glas- und Industriereiniger bei Lohnzuschlägen beschneiden“ zu wollen. „Die Arbeitgeber scheuen sich nicht, neue Mogelpackungen zu präsentieren und damit öffentlich Augenwischerei zu betreiben“, sagte Ulrike Laux. Die Verhandlungsführerin der IG BAU nannte dazu drei konkrete Punkte:

„Null Chance auf Überstunden-Zuschläge für Teilzeitkräfte“
Der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) habe es nach wie vor darauf abgesehen, dem Großteil der Teilzeitkräfte Zuschläge bei Überstunden vorzuenthalten. „Wer Reinigungskräften erst ab der achten Arbeitsstunde einen Zuschlag geben will, der kalkuliert eiskalt damit, dass nahezu alle Teilzeitkräfte und erst recht Mini-Jobber leer ausgehen“, kritisierte Ulrike Laux.

Dass die Arbeitgeber dies großzügig als Angebot für Mehrarbeitszuschläge verkauften, sei eine Farce. „Über die achte Arbeitsstunde hinaus arbeiten in der Regel nur Vollzeitkräfte. Genau die sind bei der hohen Teilzeitquote der Branche aber in der Minderheit. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten in der Gebäudereinigung liegt bei rund 17 Stunden. Für sie ist die Chance, diesen Überstundenzuschlag zu bekommen, nahezu gleich Null“, so Laux.

Die Arbeitgeber versuchten mit ihrer „8-Stunden-plus-Lösung“ weiterhin, das aktuelle Urteil des Bundesarbeitsgerichts zur Überstundenbezahlung zu umschiffen. Laux erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Arbeitgeber den Rahmentarifvertrag zum 31. Juli gekündigt hatten, nachdem das Bundesarbeitsgericht entschieden hatte, dass auch Teilzeitbeschäftigte Anspruch auf einen Zuschlag für Überstunden haben.

"Dürftiger Cent-Zuschlag für Industriereiniger“
„Industriereinigern einen Zuschlag von lediglich 75 Cent pro Stunde bei einer ausgesprochen harten und in der Regel hoch professionellen Arbeit anzubieten, ist dreist“, so Ulrike Laux. Für die anspruchsvolle und schwere Arbeit – beispielsweise bei der Profi-Reinigung in der Autoindustrie oder von Atomkraftwerken – fordert die IG BAU einen Lohnzuschlag von drei Euro pro Stunde. Hiervon sei das Arbeitgeberangebot weit entfernt.

"Deutliche Abstriche bei Nacht- und Feiertagszuschlägen"
Bei extra geleisteter Nachtarbeit wollen die Arbeitgeber nach Angaben der IG BAU Sonderzuschläge streichen. Auch bei der Arbeit an Feiertagen seien sie nicht länger bereit, bislang vereinbarte, höhere Zuschläge zu bezahlen. Dies betreffe den Neujahrstag, Ostern, Pfingsten, die Weihnachtsfeiertage sowie alle gesetzlichen Feiertage – darunter auch der 1. Mai.

Wenn sich die Arbeitgeber jetzt hinstellen und nach der Verhandlung von einer ‚Erhöhung der Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge‘ sprechen, dann deckt sich das schlichtweg nicht mit der Wahrheit. In der Praxis streben sie deutliche Abstriche bei Nacht- und Feiertagszuschlägen an“, stellte Laux klar.

Als wichtigen Punkt, der bei diesem Rahmentarifvertrag berücksichtigt werden müsse, nannte Laux die Wertschätzung der Reinigungskräfte. Den Gebäudereinigerinnen, Glas- und Industriereinigern ist es nach einer Branchenumfrage der IG BAU zur Jobqualität und Mitarbeiterzufriedenheit wichtig, deutlich mehr Anerkennung für ihre Arbeit zu bekommen.

Diesen „Respekt-Bonus“ wolle die Gewerkschaft durch die Einführung von Weihnachtsgeld oder einer Äquivalenz-Anerkennung erzielen. „Heiligabend und einen weiteren Brückentag als freien und bezahlten Arbeitstag, eine Bonus-Pauschale zum Jahresende, Weihnachtsgeld für Gewerkschaftsmitglieder … – an diesen Punkten und in diese Richtung muss sich was tun“, machte Ulrike Laux deutlich. Beim Verhandlungspunkt „Gebäudereiniger-Weihnachtsbonus“ hätten die Arbeitgeber zuletzt „dicht gemacht“. Die „BIV-Blockade“ hierzu habe letztlich zum Abbruch der 6. Tarifrunde geführt.

„Es ist völlig unverständlich, dass sich das Gebäudereiniger-Handwerk dem Wunsch nach einem Signal der Anerkennung aus den eigenen Reihen verschließt“, sagte Laux.

Die IG BAU-Verhandlungsführerin forderte den Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerk auf, sehr rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren: „Die Arbeitgeber haben es in der Hand, weitere Warnstreiks zu vermeiden.“ Die IG BAU erwarte deren Angebot, die Verhandlungen fortzuführen.

Weitergabe Presseinfo der IG Bauen-Agrar-Umwelt

Autor:

Theodor Groesdonk aus Duisburg

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