Klimaneutraler Stahl ist das Ziel
Thyssenkrupp will mit neuer Wasserstoff-Technologie CO²-Emissionen vermeiden

Der Ort des Geschehens: Im Hochofen 9 wird der Stahl gekocht. Foto: Bartosz Galus
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Der Stahlkonzern Thyssenkrupp lud auf sein Werksgelände in Bruckhausen ein, um einen großen Schritt in Richtung Energiewende vorzustellen: Im Oktober soll erstmals Wasserstoff anstelle des bisher verwendeten Kohlenstoffs bei der Stahlproduktion verwendet werden, um damit den klimaschädlichen CO²-Ausstoß einzudämmen. Von dieser Technologie überzeugte sich auch der Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Oliver Wittke.

„engineering. tomorrow. together“, frei übersetzt: „Entwickeln. Morgen. Gemeinsam“, lautet das Motto, das die Logos des Stahlriesen ziert. Und in der Tat hat Thyssenkrupp-Steel dem Konzern-Motto nun in Sachen klimafreundlicher Produktionswege alle Ehre gemacht. Die fast 20.000.000 Millionen Tonnen Gase, die derzeit als klimaschädliches Nebenprodukt der Stahlherstellung entstehen, sollen Schritt für Schritt durch den Ersatz von Kohlenstoff durch Wasserstoff gesenkt werden. Das große Ziel, so Dr. Jens Reichel, Leiter der Anlagenentwicklung, sei sogar, im Jahre 2050 völlig klimaneutral Stahl zu produzieren.

Um dieses Langzeitziel zu erreichen, setzt Thyssenkrupp gleich auf zwei Strategien: Die erste ist die Carbon2Chem-Technologie, wobei die aktuell ausgestoßenen Prozessgase gereinigt und in ihre wiederverwendbaren Stoffe zerlegt werden. Dadurch sollen die Emissionen, solange noch Kohlenstoff in den Hochöfen verbrannt wird, genutzt und erstmals reduziert werden. Diese Methode wird bereits seit einiger Zeit erfolgreich auf dem Thyssenkrupp-Gelände angewandt. Die zweite Strategie, nämlich die schrittweise Umstellung der Reduktionsmittel von Kohlenstoff auf Wasserstoff, soll einen CO²-Ausstoß auf lange Sicht schließlich komplett vermeiden.

Erster Schritt auf einem langen Weg

Der erste Schritt auf einem langen Weg in Richtung Klimaneutralität soll bereits im Oktober gemacht werden, erklärte Jens Reichel. Dabei werde erstmals, anstelle des Kohlenstoffs, Wasserstoff bei der Stahlproduktion in den Hochofen 9 eingeblasen. Insofern diese Generalprobe gelingt, könne man den folgenden Schritten optimistisch entgegensehen. Schließlich würde der ganzheitliche Verzicht auf Kohlenstoffe den Bau einer neuen Anlagentechnik bedürfen, wobei sich allein die technische Umrüstung auf Kosten von knapp 10 Milliarden Euro belaufen würde, ergänzte Jens Reichel. Der Bau einer ersten Direkt-Reduktionssanlage sei bis zum Jahr 2024 realisierbar, so Jens Reichel abschließend.

Auch Oliver Wittke, der an diesem Tag neugierig den technischen Erläuterungen der Stahlspezialisten folgte, war überzeugt von den Strategien in Sachen Klimaschutz: „Die Industrie ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende, und Thyssenkrupp ist ein gutes Beispiel dafür.
Er bekräftigte: „ Obwohl wir in Deutschland nur für etwa zwei Prozent der weltweiten CO²-Emissionen verantwortlich sind, wollen wir mit unseren Technologien 80% der Lösungen zur Emissionssenkung beitragen.“ Die Bundesregierung werde dazu, wie beispielsweise in der anstehenden Tagung des Klimakabinettes, über Möglichkeiten beraten, um Konzerne wie Thyssenkrupp bei der Entwicklung und Umsetzung klimafreundlicher Methoden bestmöglich zu fördern, fügte Oliver Wittke hinzu.

Und neben der angestrebten Klimaneutralität konnte Jens Reichel noch eine erfreuliche Nachricht mitteilen, die bei Umbrüchen in Großkonzernen nicht selbstverständlich ist: Da der personelle Arbeitsaufwand sich zwischen der bisherigen Kohlenstoffzufuhr und dem geplanten Betrieb mit Wasserstoff kaum unterscheide, werden alle Arbeitsplätze rund um die Hochöfen erhalten bleiben.

Autor:

Sascha Mangliers aus Duisburg

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