Loveparade-Prozess startet mit vielen Verzögerungen - weniger Zuschauer als erwartet

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Düsseldorf: CCD - Congress Center Düsseldorf |

Congress Center Ost der Messe Düsseldorf, seit Freitagmorgen, 8. Dezember, aus Platzgründen offizielle Außenstelle des Landgerichts Duisburg. Zum Auftakt des Loveparade-Strafverfahrens vor der 6. Großen Strafkammer haben mehrere Übertragungs-Wagen Stellung bezogen. Groß ist der Medienandrang, um über den Prozess, der so lange auf sich warten ließ, zu berichten.


Warten ist auch zu Prozessbeginn ein Thema. Der sollte eigentlich um 9.30 Uhr starten, "organisatorische Probleme" verursachen jedoch eine fast einstündige Verspätung.

Weniger Zuschauer als erwartet

500 Menschen finden in der zum Gerichtssaal umgebauten Kongresshalle Platz, doch am Freitagmorgen sind nur 45 der rund 235 Zuschauerplätze besetzt.

Zehn Personen sind wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung angeschuldigt: Vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent stehen wegen schwerwiegender Planungsfehler vor Gericht. Dazu drei Bedienstete des Duisburger Bauamtes sowie drei städtische Bedienstete in leitender Funktion, darunter der frühere Duisburger Baudezernent, denen zur Last gelegt wird, die Veranstaltung genehmigt zu haben.

Die zehn Angeklagten werden von über 30 Juristen verteidigt. Über 60 Nebenkläger werden von 38 Anwälten vertreten. 556 Seiten umfasst die Anklageschrift. 

Ob die Anklage am ersten Verhandlungstermin überhaupt verlesen werden kann, ist offen. Mögliche Anträge der Verteidigung könnten das verhindern, dämpfte Gerichtssprecher Matthias Breidenstein vor Verhandlungsbeginn die Erwartungen. Er hätte beinahe Recht behalten.

Der erste Antrag der Verteidigung lässt nicht lange auf sich warten: Es geht um die Tonaufzeichnung im Prozess, gegen die er vorgehen möchte. Dann geht's um die Anwesenheit potenzieller Zeugen im Saal, die mögliche Befangenheit zweier Ersatzschöffen, deren Kinder auf der Loveparade waren, diese aber vor der Katastrophe verließen. Weitere Befangenheitsanträge folgen.

Eine Verzögerungstaktik, die nicht wenige erzürnt, so aber durchaus erwartet wurde. Ergeht bis zum 27. Juli 2020 kein erstinstanzliches Urteil, verjähren die vorgeworfenen Straftaten.

Erst kurz vor Ende des ersten Verhandlungstages kann die Anklageverlesung  beginnen.
 

Bei dem Loveparade-Katastrophe am 24. Juli 2010 waren 21 Menschen gestorben, mindestens 652 Besucher wurden verletzt.

Fotos: Frank Preuß
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Jochen Czekalla aus Duisburg | 08.12.2017 | 20:34  
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