"Veränderungen erfordern Mut und Kraft": Ein Gespräch mit Duisburgs OB Sören Link

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2. November 2017: Für Oberbürgermeister Sören Link der erste Arbeitstag in seiner zweiten Amtszeit. Und für den Wochen-Anzeiger / Lokalkompass Anlass für ein ausführliches Gespräch über die drängendsten Themen, die wichtigsten Aufgaben.
 
"Wir haben die Chance, in Sachen Digitalisierung zu einer der Vorreiterstädte zu werden." (Foto: Hannes Kirchner)
 
"Es gibt keinerlei Pläne der Stadt, woanders ein DOC anzupacken."
  Duisburg: Rathaus Duisburg |

Donnerstag, 2. November 2017. Kein offizieller Akt, kein großes Trara. Für Oberbürgermeister Sören Link (41) schlichtweg der erste Arbeitstag in seiner zweiten Amtszeit. Welche dringenden Aufgaben stehen an? Wo ist Duisburg bereits auf einem guten Weg? Wo noch nicht? Im Gespräch mit Wochen-Anzeiger und Lokalkopmass blickt Duisburgs wiedergewähltes Stadtoberhaupt nach vorne.

Bei den OB-Wahlen 2012 hatte Sören Link im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit verfehlt, konnte erst die Stichwahl für sich entscheiden. Am Super-Wahlsonntag 2017 dann der satte, glatte Durchmarsch. Gibt das ein anderes Gefühl für die zweite Amtszeit?
"Ein sehr gutes Gefühl", sagt Sören Link. "Ich habe jetzt eine Bestätigung, dass das, was ich in den letzten Jahren auf den Weg gebracht habe und wofür ich mit meiner Person stehe, von einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert und getragen wird. Das gibt natürlich Rückenwind." Eine "zusätzliche Motivation", so Link, um mit Nachdruck weiterzuarbeiten. Am Thema Finanzen, Haushaltsausgleich. "Die Konsolidierung ist auf einem richtig guten Weg, zum dritten Mal in Folge keinen neuen Schulden."

Am zweiten Thema: die Stadtentwicklung sowohl von Wohnbau-, als auch von Gewerbeflächen. An vielen Stellen sei Baurecht geschaffen worden, an anderen Stellen sei man kurz davor. "Ob Mercator Viertel, Wedau oder Angerbogen, ob Gewerbeflächen Wedau-Nord, Mercatorinsel oder Logport 6: Das sind ganz zentrale Entwicklungen für die Stadt, was neue Arbeitsplätze, was neue, attraktive Wohnraumangebote angeht. Das werden wir weiter vorantreiben." In Duisburg fehle es neben attraktivem Wohnraum vor allem nach wie vor an Arbeitsplätzen. "Für mich kontinuierlich Aufgabe Nummer eins, dafür zu sorgen, dass Menschen in Duisburg in gute Arbeit kommen können." Ansiedlung von Gewerbe bedeute Arbeitsplätze, bedeute Steuereinnahmen.
Drittes Thema: die Sanierung der Infrastruktur, von Straßen, Schulen, öffentlichen Gebäuden. Viel sei bereits auf den Weg gebracht, viele Fördermittel investiert worden. Gerade erst gab's 57 Millionen Euro vom Bund für die Schulsanierung. "Das wird man sehen, das sieht man an einigen Stellen auch jetzt schon", erklärt Sören Link. Doch auch wenn viel Geld im Moment nach Duisburg fließt. "Wir brauchen noch mehr!"
Viertes, "zunehmend wichtiges Zukunftsthema", so Link: die Digitalisierung. "Wir haben die Chance, in Sachen Digitalisierung zu einer der Vorreiterstädte im Land und im Bund zu werden", meint Link. Gemeint sei dabei nicht nur der Ausbau der digitalen Angebote der Stadtverwaltung, "damit die Menschen nicht immer zum Amt müssen, sondern das Amt auch im Smartphone ist". Ein mit Wirtschaft, Gesellschaft und Universität zu entwickelnder Masterplan Digitalisierung soll Duisburg insgesamt zur Smart City werden lassen. Das tue dem Wirtschafts- und Wohnstandort Duisburg, aber auch dem Image gut.

Image bleibt Mega-Thema

Damit ist das "Mega-Thema" der nächsten Amtszeit genannt: Image beziehungsweise der Imagewandel. Den möchte Link nicht nur als OB vorantreiben, sondern auch als Bürger der Stadt. "Ich möchte, dass sich Duisburg so präsentiert, wie es wirklich ist." Als Stadt mit vielen schönen Ecken, mit vielen Stärken. "An den Problemen in weniger schönen Ecken werden wir nach wie vor konsequent arbeiten." Denn die wolle man nicht unter den Teppich kehren, sondern Stück für Stück versuchen, sie zu lösen.

Wo ist Duisburg auf einem guten Weg? Wo noch nicht?
Positiv zählt der alte und neue OB die bereits genannten Stichworte Stadtfinanzen, Stadtentwicklung und Arbeitsplätze auf. 2018 soll zum vierten Mal ein städtischer Haushalt ohne neue Schulden gelingen: ein "mutmachendes Zeichen". Mutmachend sei auch: "Wir werden die Steuern nicht erhöhen." Die Stadt brauche auf diesem Weg allerdings eine Landesregierung, die sie weiterhin so unterstützt, wie es in der Vergangenheit geschehen ist. "Die ersten Zeichen aus Düsseldorf machen mich jedoch ein bisschen skeptisch."
Die Stadtentwicklungsprojekte, die angestoßen wurden, würden "ziehen", manche sogar schon in nächsten Jahr. Sören Link nennt unter anderem als Beispiele The Curve oder die Entwicklung rund um den Hauptbahnhof: "Da wird man sehen, dass da was passiert. Das wird Duisburg gut tun." Trotz Schwierigkeiten des Entwicklers bei der Vermarktung geht Link davon aus, dass auch das Duo am Marientor auf der seit Jahren brachliegenden Fläche an der Steinschen Gasse kommt.
"Höchster Stand seit 1994": Das Thema Arbeitsplätze sieht der OB ebenfalls auf einem guten Weg, auch "wenn da natürlich noch mehr passieren muss". Das Zwischenfazit zeige aber eine Entwicklung nach oben. Deswegen dürften aus gesamtstädtischer Sicht Stadtentwicklungsprojekte wie das Mega-Projekt Wedau mit seinen Wohn- und 30 Hektar Gewerbeflächen nicht kaputt geredet werden. "Elementar wichtig, um zukunftsorientierte Arbeitsplätze zu schaffen."

Mehr Hilfe beim Thema Zuwanderung

Noch nicht so weit, wie der Oberbürgermeister es gern hätte, ist Duisburg beim Thema Zuwanderung aus Südosteuropa. "Da muss noch mehr passieren. Das kann so nicht bleiben!" Die Stadt brauche viel mehr Unterstützung vom Land und vom Bund. "Ich fühle mich da nach wie vor allein gelassen." Link fordert nicht nur finanzielle Hilfe ein, sondern auch rechtliche Hilfe, "damit wir die, die sich in Duisburg nicht an Recht und Gesetz halten, auch entsprechend sanktionieren können". Ein erstes Gespräch mit der neuen Landesregierung steht an.
Auf einem guten Weg, doch noch nicht so gut, wie Link es sich wünscht, sei Duisburg in punkto Sicherheit und Sauberkeit. "Wir werden nachsteuern, um mehr Personal im Bereich des Ordnungsamts, im Sonderaußendienst auf die Straße bringen zu können."

"Wir brauchen mehr Personal"

Er wolle aber keine leeren Versprechungen machen, dass schon im kommenden Jahr weitere 100 Leute im Einsatz sind. Das werde schrittweise im Rahmen der Haushaltsmöglichkeiten geschehen. Mehr Personal für schnellere Leistungen wünscht sich der OB auch bei der Stadtverwaltung insgesamt. "Da fehlt mir an einigen Stellen die Handlungsfähigkeit, sprich das Geld. Wir müssen kontinuierlich mit der Bezirksregierung im Dialog bleiben, um zu gucken, wo wir Personal einstellen, wo wir Personalabbau verändern können."

Ist das Thema DOC jetzt endgültig vom Tisch?
"Es gibt ein endgültiges Votum der Bürgerinnen und Bürger gegen die Entwicklung eines DOC an dieser Stelle", betont Link, auch wenn dieses knapp ausgefallen sei und er die Entscheidung in der Sache bedaure. Nun gelte es, andere Möglichkeiten für die Innenstadt zu entwickeln, seien Einzelhändler, IHK, Unternehmerverband und Immobilieneigentümer nach ihrem Beitrag zur Belebung des Standorts gefragt. Die Stadt begreife sich als Motor zur Bewältigung dieser Aufgabe. "Aber wir können und werden das nicht alleine schaffen, das muss eine Gemeinschaftsanstrengung sein!" Ebenso ist Eigentümer Kurt Krieger nach anderen Entwicklungsmöglichkeiten für das alte Güterbahnhofsgelände gefragt. Da stehe man im Austausch.

Ein DOC an anderer Stelle in der Stadt?
"Es gibt keinerlei Pläne der Stadt, woanders ein DOC anzupacken. Es gibt keinen Investor, der ein solches Interesse bekundet hat. Ich gehe nicht davon aus, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert", erklärt Link. Das im Wahlkampf immer wieder ins Rennen geschickte Thema DOC an der Münzstraße wertet er als reine Phantomdiskussion. "Wir haben keinen Investor, der das machen möchte. Wir haben dort eine ausgesprochen schwierige Gebäudeeigentümer-Situation, eine völlig ungeklärte Situation, was Parkflächen und Verkehrsfluss angeht."

Einzelhandelsstandort Münzstraße aufgeben?

Statt einer theoretischen Diskussion über Sinn und Unsinn eines DOC an dieser Stelle, müsse es jetzt konkret um die Innenstadt-Entwicklung gehen. Eine der spannenden Frage in absehbarer Zeit, so Link, sei vielmehr: "Soll, kann und wird die Münzstraße, das Altstadtquartier weiterhin Einzelhandelsstandort in Duisburg sein? Oder haben wir den politischen Mut und die Kraft, gemeinsam mit allen Beteiligten diesen Standort weiterzuentwickeln?" Zu einem Gastronomie-, Kultur-, Büro-, untergeordnet auch Wohnstandort. Eine Frage, die sicherlich auch zu spannenden Diskussionen führen wird, etwa beim 3. Duisburger Innenstadt-Dialog, zu dem die Stadt am 8. November eingeladen hat.

Welche Schlagzeilen möchte der OB denn gerne einmal über Duisburg lesen?
"Ich würde mir wünschen, dass die Menschen außerhalb unserer Stadt, aber erst recht in unserer Stadt, die eingeschlagene positive Entwicklung zur Kenntnis nehmen. Ich würde mich freuen, wenn es der Stadt gelingt, in Sachen Digitalisierung ein Stück weit Vorbild zu sein. Wenn die Wohnbauflächen-, die Finanz- und Arbeitsplatzentwicklung Anerkennung finden würden." Und als Fußballfan würde Sören Link gerne wieder von einem Erst-Liga-Sieg des MSV lesen.

Für acht Jahre ist Link gewählt. Was, hofft er, sollen die Bürger nach dieser außergewöhnlich langen Amtsperiode über ihn sagen?
"Dass ich mich wirklich für Duisburg stark gemacht und an vielen Stellen nach vorne gebracht habe. Dass die gute Entwicklung, die hoffentlich gute Lage der Stadt im Jahr 2025, bei aller Demut, auch ein Stück weit mit mein Verdienst ist. Und dass die Menschen auch 2025 mir noch abnehmen, dass ich das für die Duisburger mache, weil ich Duisburg einfach liebe." 

Alle Fotos: Hannes Kirchner
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