Wagenknecht gegen geplantes Einwanderungsgesetz für Fachkräfte - Kritik an unterfinanziertem Bildungssystem

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Duisburg: Deutschland | Deutschland müsse seine Fachkräfte selbst ausbilden und sie nicht aus armen Ländern anwerben, wie es die Bundesregierung beabsichtigt, äußert Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dabei legt sie ihren Finger in eine gern kaschierte klaffende Wunde unserer Gesellschaft, in unser unterfinanziertes Bildungssystem. Dort müsse angesetzt werden. Damit wendet sie sich gegen das Einwanderungsgesetz für Fachkräfte, das nach der Sommerpause im Bundestag verabschiedet werden soll. 

Bei aller Umstrittenheit von Sahra Wagenknecht muss man ihr zugutehalten, dass sie eigenständig denkt, dass sie auch Konflikte mit ihrer eigenen Partei nicht scheut, wenn sie von ihren politischen Vorstellungen überzeugt ist. Nebenbei hält sie auch nicht viel davon, den Begriff "offene Gesellschaft" als offenes Scheunentor zu interpretieren, wie es die Mehrheit ihrer Partei tut.  

Deutschland leidet bekanntlich unter einem eklatanten Fachkräftemangel, während der Niedriglohnsektor wächst und wächst. Die Zuwanderung der letzten Jahre hat am Fachkräftemangel nichts geändert. Unter den Flüchtlingen waren kaum Fachkräfte. Der Lücke bei den höher qualifizierten Arbeitskräften steht eine wachsende Menge gering qualifizierter Arbeitskräfte gegenüber, was sich auf unterschiedliche Lebensstandards in unserer Gesellschaft niederschlägt.

Das geplante Einwanderungsgesetz für Fachkräfte ändert tatsächlich nichts an der großen Menge Menschen, die knapp über dem Existenzminimum leben, die von der insgesamt guten wirtschaftlichen Lage unseres Landes kaum oder gar nicht profitieren.

Bildung sei der Schlüssel zum Erfolg, Bildung sei der Schlüssel zur Integration, tragen Politiker wie ein Mantra vor sich her. Dabei machen sie allerdings keine Anstalten, diesen Schlüssel in die Hand zu nehmen und den Menschen die nötigen Türen zu öffnen. Die Masse der gering oder überhaupt nicht für den Arbeitsmarkt Qualifizierten ist in einem so prosperierenden Land wie Deutschland ein Skandal. Wo sind grundsätzlich die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Qualifikation heranwachsender Menschen denn besser als in Deutschland? An Intelligenzdefiziten der Deutschen kann es kaum liegen. Die allenthalben zu hörende Devise "Fordern und Fördern" entpuppt sich mehr und mehr als Schaumschlägerei. Fürs obere Leistungssegment unserer Schulabgänger prangert Wagenknecht es als zynisch an, junge Leute mit Hilfe des Numerus Clausus vom Studium abzuhalten und stattdessen qualifizierte Fachkräfte aus armen Ländern holen zu wollen.

Dabei zieht der Numerus Clausus einen Rattenschwanz nach sich, selektiert er doch oftmals nicht das nötige Leistungspotenzial der Studienbewerber. Er ist zumeist einfach nur der begrenzten Anzahl der Studienplätze geschuldet. Beispiel Lehramtsstudium: Zeitweise lag der NC fürs Lehramtsstudium Grundschule unter 2,0, währenddessen der Lehrermangel schon landauf landab beklagt wurde. Es wurden in der Vergangenheit einfach zu wenig Studienplätze bereitgehalten. Die Folge ist ein personell unzureichend ausgestattetes Bildungssystem, das sich wiederum negativ auswirkt auf die Qualifikation unserer Schüler. Wenn man einmal die tatsächlichen Qualifikationen bzw. Kompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen mit denen vergleicht, die in den Kernlehrplänen unserer Bundesländer festgeschrieben sind, so bekommt man Lachkrämpfe. Den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit hat schon vor Zeiten Deutschlands Haus- und Hofphilosoph Richard David Precht völlig zurecht beklagt.

Die in vielen Bereichen unzureichende Aufstellung unserer Schulen führt dennoch zu recht ordentlichen Noten und Abschlüssen, zumal den meisten Lehrern deren inflationäre Vergabe als Augenwischerei bewusst sein dürfte. Nach außen "hui", aber nach innen?
Ausbildungsfähigkeit auf dem Papier, ob es sich um eine Lehrstelle oder ein Studium handelt, sagt immer weniger aus über die tatsächliche Ausbildungsfähigkeit. Warum finden denn so viele Ausbildungsbetriebe kaum geeignete Bewerberinnen oder Bewerber, warum fehlt es so vielen Studentinnen und Studenten an eigentlich vorauszusetzenden Kenntnissen in der deutschen Sprache und in der Allgemeinbildung?   

Statt mehr Geld in unser Bildungssystem zu pumpen, so hat man den Eindruck, wird gespart, wo man kann. Wenn man allein die Umsetzung der Inklusion betrachtet, sträuben sich einem die Nackenhaare. Aber nicht nur das allein: Unsere Schulen scheinen zumeist den Durchschnitt zu verwalten, der nicht von den Anforderungen vorgegeben wird, sondern von der jeweiligen Schülerschaft. Dabei wird man weder den besonders Leistungsschwachen noch den besonders Leistungsstarken gerecht. Letztendlich setzen sich häufig die gebildeteren Elternhäuser durch. Dabei sollten Bildungserfolge doch nicht von den Elternhäusern abhängen.

Zugegebenermaßen ist es nicht einfach, ein optimales Bildungssystem zu kreieren, aber wenn schon am Geld gespart wird, dann wird alles andere ziemlich gegenstandslos.
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16 Kommentare
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 12.08.2018 | 12:39  
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Stefan Hoffmann aus Düsseldorf | 12.08.2018 | 13:48  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 12.08.2018 | 14:08  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 12.08.2018 | 16:44  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 12.08.2018 | 16:44  
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Uwe Schönberger aus Gelsenkirchen | 12.08.2018 | 22:33  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 12.08.2018 | 23:56  
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Stefan Hoffmann aus Düsseldorf | 13.08.2018 | 07:42  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 13.08.2018 | 09:30  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.08.2018 | 10:47  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 13.08.2018 | 11:15  
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Siegmund Walter aus Wesel | 13.08.2018 | 12:10  
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Andrea Schumann aus Bochum | 13.08.2018 | 14:30  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 13.08.2018 | 20:07  
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Siegmund Walter aus Wesel | 13.08.2018 | 21:37  
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Siegmund Walter aus Wesel | 14.08.2018 | 06:01  
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