Der große Gobelin ist gereinigt

Restauratorin Sabine Heitmeyer-Löns vor dem Emmericher Gobelin. Foto: Jörg Terbrüggen
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Der große Gobelinwandteppich hängt wieder im Emmericher Ratsaal. Gut eineinhalb Monate war er von einer Restauratorin im münsterländischen Haviexbeck gesäubert worden.

Die Stühle aus dem Ratssaal standen in Reih und Glied auf dem Nachbargang. Nur der große Ratstisch stand noch an seinem angestammten Platz. Vor der weißen Wand stand ein großes, bis knapp unter die Decke reichendes Gerüst. Mit mehreren Personen wurde der dreieinhalb mal fünf Meter große Wandteppich wieder aufgehängt. Vor gut zwei Monaten hatte man ihn an gleicher Stelle zihamonikaförmig runtergelassen, ihn auf eine große Rolle verfrachtet und in schwebend im Auto abtransportiert.
Nun kann ein Teppich mit solchen Ausmaßen nicht einfach über einen Tisch gelegt werden. „Wir haben ein Ende auf den Tisch gelegt und mit der Trockenreinigung mit einem klassischen Hausstaubsauger begonnen“, erklärte Restauratorin Sabine Heitmeyer-Löns. Mit einer kleinen Düse saugte man über die Oberfläche, die kleinen Rillen wurden mit einem Pinsel ausgepinselt. Ein kleines Mikrofaserschwämmchen erledigte dann den Rest. 30 Jahre soll die Säuberung jetzt halten, ehe der Gobelin, den der Kunstmaler Bernd Terhorst 1941 entwarf und an dem seine Gattin Elisabeth und fünf Weberinnen bis September 1944 arbeiteten, wieder von der Wand kommt.

Ab in den Keller

Gefallen hat Sabine Heitmeyer-Löns der Teppich nicht. „Ich habe nur gedacht, rollt ihn zusammen und bringt ihn in den Keller.“ Doch mit der Zeit entwickelte sich eine kleine Beziehung zwischen dem Restaurationsteam und dem Wandteppich. „Wir hatten bisher noch nie eine Tapesserie aus dieser Zeit in unserem Unternehmen“, erklärte die Restauratorin. Schäden konnte sie an dem Gobelin keine finden, auch ein möglicher Insektenbefall, der bei solchen Teppichen durchaus schon einmal vorkommen kann, war nicht vorhanden.
„Es handelt sich hierbei um einen sehr hochwertigen Teppich, ein Repräsentationsteppich von besonderer Güte.“ Die selbstgesponnene Wolle gaben seinerzeit heimische Schafe her, von denen zwei am Rheinufer grasend dargestellt sind. Übrigens war der Gobelin 1944 nur zu zwei Drittel fertig. Er wurde vor der anrückenden Front versteckt und 1945 wieder zurückgeholt. Am 8. Juni 1948 wurde wieder mit der Arbeit begonnen, die am 24. November 1950 engültig beendet war. Am 21. Juni 1954 erfolgte im Rathaus die feierliche Übergabe an die Stadt.

Unterschied erkennbar

Deren Pressesprecher Herbert Kleipaß war von der Arbeit begeistert. „Ein Unterschied ist schon festzustellen. Der Gobelin war von der Farbe her sehr verblasst, jetzt kommen die Fraben wieder stärker heraus.

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