Jüdischer Friedhof Emmerich
Gräber für die Ewigkeit

Norbert Kohnen und Irene Möllenbeck bestaunen die Arbeiten des Steinmetz Manfred Messing (rechts).
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  • Norbert Kohnen und Irene Möllenbeck bestaunen die Arbeiten des Steinmetz Manfred Messing (rechts).
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Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof restauriert

Auf dem jüdischen Friedhof an der Wassenbergstraße in Emmerich wurden, auf Kosten der Nachfahren, drei Grabsteine restauriert. So eine Aufarbeitung kommt äußerst selten vor und stellte die Beteiligten vor viele Probleme.

Jüdische Gräber werden, im Gegensatz zur heimischen Bestattungskultur für die Ewigkeit geschaffen. Diese Gräber werden auch nicht gepflegt oder mit Blumen dekoriert. Auch die Grabmäler werden normalerweise nicht restauriert oder erneuert, sondern bewusst dem langsamen Verfall preisgegeben. Aus diesem Grund waren vor den Arbeiten umfangreiche Abstimmungen mit der Unteren und Oberen Denkmalbehörde sowie dem jüdischen Landesverband erforderlich.
       George Nathan, dessen Eltern Heinz und Sophie in Emmerich geboren wurden, besuchte 2018 die Rheinstadt und den jüdischen Friedhof. Die Gräber seiner Urgroßeltern Conrad und Sebylla Nathan konnte er nur unter Zuhilfenahme einer Karte von Herbert Schüürmann finden. Die alten Grabsteine waren in einem schlechten Zustand und unlesbar. Damit seine Nachfahren später die Gräber noch finden können, entstand bei George Nathan der Wunsch die vorhandenen Grabsteine zu restaurieren.
       Im Rahmen der Eröffnung des Jüdischen Kulturraums im PAN-Museum sprach Nathan Irene Möllenbeck von der Bürgeraktion Pro Kultur an. Die unterstützte ihn bei seinem Vorhaben. Pro Kultur nahm auch Kontakt zu den Denkmalbehörden und dem jüdischen Landesverband auf.
„Der Friedhof ist ein Denkmal, daher ging vor den Arbeiten erst einmal der Gang durch die Institutionen los“, fasste Möllenbeck zusammen. Erst nach vielen Abstimmungen wurde die Genehmigung zur Reinigung und Restaurierung der Grabsteine erteilt.
       Der Steinmetz Manfred Messing aus Kempen wurde mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt. Dieser hat sich auf die Restaurierung von jüdischen Friedhöfen spezialisiert und bereits 1000 Grabmale denkmalgerecht und mit Rücksicht auf die jüdische Kultur und Religion konserviert.
       Die Grabsteine wurden in enger Abstimmung mit Behörden und Nachfahren gereinigt und aufgearbeitet, die Schriftplatten aus Carrara Marmor sind wieder gut lesbar.
       Der Erfolg der Arbeiten veranlasste John Rohe, ebenfalls aus den USA, auch das Grab seiner Urgroßeltern David und Sophie Nathan restaurieren zu lassen. Bei diesem Grab war die eingelassene Schriftplatte des Grabsteins bis auf ein kleines Fragment nicht mehr vorhanden. Aus Gründen des Denkmalschutzes entschied man sich das Fragment an Ort und Stelle zu lassen und anstatt dessen eine neue Schriftplatte zu erstellen und mittig auf das Grab zu legen. Auch diese Arbeiten konnten zwischenzeitlich abgeschlossen werden.
       Der älteste Grabstein auf dem Friedhof stammt aus dem Jahr 1664, die letzte Beerdigung fand an der Wassenbergstraße im Jahr 1942 statt. Die AG Stolpersteine der Gesamtschule und Schüler des Förderzentrums sollen wahrscheinlich die regelmäßige Pflege der Gräber übernehmen. Norbert Kohnen und Leni Wochnik werden demnächst Führungen über den jüdischen Friedhof anbieten.

Stadtanzeiger Emmerich-Rees-Isselburg / Dirk Kleinwegen

Autor:

Dirk Kleinwegen aus Rees

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