glück - Glück - GLÜCK

Dank der ARD Themenwoche GLÜCK wissen wir jetzt, dass es »sowas wie Glück« gibt und wie/wo man es finden kann.

Manchmal fällt man am Abend zufrieden ins Bett und weiß gar nicht, warum man sich glücklich fühlt. Erst ein gründliches Resümee des Tages zeigt, dass sich die vielen kleinen Glücksmomente zu einem beachtlichen Haufen Glück aufgetürmt haben, unter dem uns aller Ärger und Missmut ganz winzig erscheinen.

Es war damals der erste Tag der Sommerferien. Auch die Kinder hatten frei. Wir konnten endlich einmal länger schlafen.
Doch ich wachte schon gegen sechs Uhr auf, verspürte einen unwiderstehlichen Heißhunger.

Heimlich schlich ich zur Küche, öffnete die Kühlschranktür und blickte direkt auf ein Glas Kirschkonfitüre. Mit ganzen Stücken Schattenmorellen. Und genau danach war‘s mir jetzt. Die Butter nahm ich ebenfalls heraus. Zum Streichen war sie noch zu fest. Im Brotkasten lag ein französisches Landbrot. Perfekt. Ein Glück, dass noch alle schliefen.
Ich schnitt eine Scheibe ab und legte sie in den Toaster. Danach ließ ich sie ein wenig im Brotkörbchen abkühlen, weil sonst die Butter gleich wegfließt. Dann begann ich das Brot bis in die Randbereiche ganz exakt auszustreichen.
Ich öffnete ich das Glas mit der Kirschkonfitüre.
Was ein Glück, kein Schimmel, obwohl das Mindesthaltbarkeitsdatum schon Monate überschritten war.
Ich legte das Brot auf die linke Handfläche, strich gierig mit der rechten die Marmelade darauf. Ein fast akrobatischer Akt. Da läutete das Telefon, ich zuckte zusammen.

Sie meinen, ein Mißgeschick zu erraten? Weil ein belegtes Brot immer den gleichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten gehorcht, wenn es zu Boden fällt. Mit der belegten Seite nach unten.
Die Schnitte fiel nicht zu Boden. Glück gehabt.

Ich dachte, das ist bestimmt wieder Tante Hilde, die nervt oft schon so früh am Morgen. Ich legte die Marmeladenschnitte vorsichtig auf der Anrichte in der Küche ab. Mit strengen Worten auf den Lippen eilte ich ins zum Telefon.
Aber es war meine beste Freundin, die gerade in San Franzisco Urlaub machte. Die Zeitverschiebung kam ihr halt nicht in den Sinn. Wir hatten lange nicht mehr miteinander gesprochen. Ich machte mir schon Sorgen um sie. Nun war ich glücklich, zu hören, dass es ihr gut ging. Das Gespräch dauerte einige Zeit. Es gab viel zu erzählen. Das Verlangen nach meinem Marmeladenbrot schlich sich wieder ein. Ich fand ein freundliches Ende, ging erleichtert in die Küche.
Meine Tochter Sarah stand da. Strahlte mich mit Marmelade verschmiertem Mund an.
„Lecker Brot, Papa!“
„Guten Morgen!“

Das kleine Glück hat viele Facetten. Selbst wenn es einen nur für kurze Augenblicke trifft. Immerhin hat ein Tag 1440 Minuten – da ist genug Zeit, eine Menge davon zu finden.
Bruno Woda, in der Glücks-Woche vom 18. November 2013

Autor:

Bruno Woda aus Emmerich am Rhein

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