Kinderarzt Dr. Erich Lycko geht in den Ruhestand - Beate Lycko übernimmt Patienten
Nach 26 Jahren ist Schluss

Kinderarzt Dr. Erich Lycko geht in den Ruhestand. Um die Praxis kümmert sich seine Frau Beate.
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Es war ein Bauchgefühl, das ihn an den Niederrhein zog und für Emmerich ein Glücksgefühl. Denn Erich Lycko schloss in der Stadt mit dem Eimer nach zwei Jahren die Lücke des damals fehlenden Kinderarztes. Nun, nach über 25 Jahren beruflicher Tätigkeit hängt er sein Stetuskop an den Nagel. Zum 1. April ist Schluss. Die Praxis führt seine Frau Beate Lycko weiter.

Der in Grafenweiler in Ostpreußen geborene Erich Lycko wollte vor seinem Abitur in Rüthen alles werden, nur nicht Arzt. "Ich wollte auch mal Pfarrer werden oder zur Sparkasse gehen", erzählte er. Sein Vater hielt davon wenig und antwortet kurz und knapp: Nö. Doch dann zog es den Abiturienten nach Münster zum Studium der Medizin. Es folgten das Staatsexamen und der Doktortitel. Doch irgendwie hatte Lycko sein Fachgebiet noch nicht gefunden. Das sollte sich nach seinem Praktischen Jahr an einer Kinderklinik in Minden ändern, wo er seinen Facharzt machte.
Seinem Bauchgefühl folgend zog es ihn 1986 an den Niederrhein, genauer gesagt nach Bocholt, wo er als Oberarzt und stellvertretender Chefarzt in der Intensivmedizin tätig war. Dr. Lycko gründete eine Diabetis-Ambulanz, die noch heute existiert. Als die Kassenärztliche Vereinigung im Herbst 1992 eine Zulassungssperre am Niederhein verkündete, nutzte Erich Lycko die Gunst der Stunde, um die Lücke des nicht mehr vorhandenen Kinderarztes zu schließen. "Am 15. Februar 1993 haben wir die Praxis am Neuen Steinweg eröffnet", erzählte der 67-Jährige. Am 1. Juli gesellte sich seine Frau als Ärztin für Allgemeinmedizin dazu. Sie wird auch zunächst die Praxis alleine weiter führen, bis ein Kinderarzt gefunden ist. Und was macht der künftige Rentner mit seiner freien Zeit. "Ich kümmere mich erst mal um die Dinge, die liegen geblieben sind." Und dann gibt es da ja auch noch diverse Fortbildungen, die man als nicht mehr praktizierender Arzt besuchen kann.
Einen Nachfolger gibt es aktuell noch nicht. Bürgermeister Peter Hinze weiß, was dieser Kinderarzt in den vergangenen Jahren geleistet hat. „Er hat vielen kleinen Patienten und ihren Eltern aus Emmerich und Umgebung mit seinem großen medizinischen Fachwissen und seiner enormen Erfahrung zur Seite gestanden. Die Lücke, die er in der kinderärztlichen Versorgung hinterlässt ist, wird groß sein. De facto verlieren wir damit auf einen Schlag eine wichtige Säule in der kinderärztlichen Versorgung.“ Doch Lycko selbst gibt sich optimistisch. "Es werden Gespräche geführt und es gibt auch Interessenten und sehr reelle Chancen auf einen Nachfolger", so Beate Lycko.
Dabei war eigentlich längst alles geregelt. Vor etwa vier Jahren wollte jemand die Praxis kaufen und daraus ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) machen. Allerdings fehlte dazu ein Kinderarzt. "Wir hatten dann zum 1.1.2018 eine Nachfolgerin gefunden und die Papiere waren unterschriftsreif. Doch plötzlich sollte das MVZ nicht mehr in Emmerich, sondern in einer größeren Stadt gegründet werden", beschrieb Beate Lycko das Szenario. Damit begann die Suche wieder von vorne, an der sich neben der Kassenärztlichen Vereinigung auch Bürgermeister Peter Hinze beteiligt. So plant der Bürgermeister für die nächsten Wochen Gespräche mit anderen Akteuren aus der lokalen und regionalen Gesundheitslandschaft, um weitere mögliche Lösungswege auszuloten. „Für die Lebensqualität in unserer Stadt ist eine gute kinderärztliche Betreuung ein sehr wichtiges Element. Auch wenn ich nach der Gesetzeslage keinen direkten Einfluss auf die medizinische Versorgungslage vor Ort habe, werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, dass es Säuglingen, Kindern und Jugendlichen in Emmerich auch in Zukunft nicht an der notwendigen medizinischen Betreuung mangelt“, so Peter Hinze.
Die Patienten werden derweil von Beate Lycko mit behandelt. In einem Brief Dr. Frank Bergmann, den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV NO), wies Hinze auf die schwierige kinderärztliche Versorgungssituation hin. Um punktuell für Entlastungseffekte zu sorgen und eine Zukunftsperspektive zu schaffen, bat er Dr. Bergmann, den mit der Praxis von Dr. Lycko verbundenen Kassensitz auf jeden Fall in Emmerich zu belassen. „Nach der aktuellen Rechtslage bliebe der Kassensitz maximal sechs Monate an den Ort gebunden. Danach könnte er auch an einen anderen Ort im Kreis Kleve vergeben werden. Mir ist aber wichtig, dass etwas mehr Puffer geschaffen wird, um doch noch einen neuen Kinderarzt oder eine Kinderärztin für Emmerich zu finden. Und da ist der mögliche Kassensitz ein ganz entscheidender Faktor“, erläuterte der Bürgermeister.

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