Baltikum: Im Osten viel Neues

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Bevor uns die Fähre von Skandinavien über die Ostsee bringt, besuchen wir Stockholm und sind begeistert vom Flair dieser schönen Stadt. Unsere Motorräder – übrigens mit deutschem Nummernschild von der Maut befreit! – parken auf einem der vielen ausgeschilderten Motorradparkplätze mitten in der Altstadt. Wir genießen unseren Cappuchino mit Blick auf das königliche Schloss und folgen gespannt der Wachablösung.
Sonnenuntergang auf See
Dann müssen wir aber los zum Fährterminal. Nach über einer Stunde in kompletter Motorradkluft in der heißen Sonne kommen wir mit den Lastwagen als Erste aufs Schiff. Freundliches Personal zurrt unsere Motorräder fest und wir begeben uns in unsere Kabine, wo dann exklusives Traumschiff-Feeling aufkommt. Die Überfahrt ist ein Genuss und für uns pure Erholung. Nach 16 Stunden rollen wir direkt in die Altstadt von Estlands Hauptstadt Tallin. Auch hier leistet uns unser Motorrad-Navi unverzichtbare Dienste. Jede noch so kleine Straße ist vermerkt, was uns bei unserer weiteren Reise noch sehr nützlich sein wird. In Motorradstiefeln ist ein Stadtrundgang kein wirkliches Vergnügen und so steuern wir bald unsere nächste Unterkunft an.
Kontraste
Estland präsentiert sich uns als ein Land von Gegensätzen: Als einziger baltischer Staat werden Euros akzeptiert, nur wo? Außerhalb der Städte gibt es kaum Geschäfte oder Restaurants. Überall im Land gibt es Internet, kostenlos und selbstverständlich kabellos. Andererseits erinnern uns manche Orte und Unterkünfte an den Wohnstandard aus unseren Kindheitstagen. Die Menschen dagegen sind modern gekleidet und sind ständig online. Wir folgen der Routenplanung unseres Navis in ein Stadtzentrum und finden nichts vor außer einem kleinen Wohnwagen. Hier erhält man etwas Essbares und natürlich Internet.
Immer geradeaus
Nur vereinzelte Häuser oder aber verlassene Plattenbauten säumen den ansonsten eintönigen Weg durch unberührte Natur. Einzig einige Storchenpaare umfliegen uns neugierig. Unterwegs staunen wir über die dichten Waldgebiete. Die hier beheimateten Elche scheinen jedoch die Motorengeräusche zu scheuen. Die überraschend gut ausgebauten Straßen zeigen allerdings immer in eine Richtung: geradeaus nach vorne durch den Wald. Die Gashand mutiert allmählich zum Tempomat und wir ertappen uns dabei, wie wir einen Betonmischer herbeisehnen oder einen Traktor. Wir wären auch schon mit einem Roller zufrieden, nur irgendwas zum Überholen. Bevor wir Kanaldeckel zum Umfahren halluzinieren und das Slalomfahren um die Mittelstreifen uns in Gefahr bringt, biegen wir ab ins staubige Gelände.
Nasse Füsse
Endlich ist die Grenze zu Lettland erreicht. Wir rollen durch Wiesen und Wälder, vorbei an schmucken Häusern und gepflegten Anlagen. Obwohl die Strassen hier zunächst spürbar schlechter werden, erscheint alles freundlicher und heller und bald schon erreichen wir einen schönen Platz direkt an der Ostsee. Kilometerlange saubere Sandstrände laden zum Verweilen ein. Wir tauschen die Motorradkombi gegen Badekleidung und machen eine Pause. Abgekühlt machen wir uns auf in die Hauptstadt Riga. Die kilometerlange Einfallstraße bewältigen wir auf den Rasten stehend, denn Kopfsteinpflaster und tiefe Schlaglöcher rütteln uns kräftig durch. Die Motoren sind bei Ankunft am Domplatz kurz vorm Kochen und auch wir lassen den Rundgang durch die mittelalterliche Stadt bei 28 Grad kurz ausfallen. Endlich können wir uns wieder Fahrtwind gönnen, die Visiere bleiben oben und wir nutzen die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zur Abkühlung. Eine baltische Besonderheit soll nicht unerwähnt bleiben. Fast kommt es zur Schreckbremsung, als wir auf einer sechsspurigen Autobahn einen Fahrradfahrer überholen! Doch was ist das: Fußgänger wandeln seelenruhig auf dem Grünstreifen neben der linken Fahrspur. Ein Anblick, der für Litauen üblich, mit unserer Verkehrserziehung jedoch nicht vereinbar ist. Wider Erwarten haben wir den angesteuerten Campingplatz unfallfrei erreicht und können direkt am Wasser mit eigenem Badeplatz und Bootsanleger die Natur Lettlands genießen.
Kaum haben wir uns an die lettischen Lats gewöhnt, müssen wir uns in Litauen auf die Litas umstellen. Statt Vilnius besuchen wir die heimliche Hauptstadt Kaunas. Nachdem wir im dichten Stadtverkehr fast den Abgasen erlegen sind, freuen wir uns auf ein gutes und preisgünstiges Abendessen zum Abschluss unseres Besuches im Baltikum. Wir verlassen die Region mit guten Erinnerungen an unberührte Natur und gastfreundliche Menschen.

Autor:

Birgit und Ignatz Haan aus Emmerich am Rhein

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