Marokko - Land der Gegensätze

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Endlich – Mitte März ist es soweit. Die Mallorca-erprobte Truppe, bestehend aus Regina, Wolfgang, Anja, Norbert und uns beiden macht sich auf Richtung Nordafrika. Marokko haben sich die selbst ernannten Wüstenfahrer ausgesucht: Land der Sonne, Wüsten und Kamele. Per „Flughafentaxi“ starten wir mit Jürgen von Weeze aus nach Marrakesch. Vor allem Wolfgang – unser Oberkameltreiber – hat es sich auf den hinteren Rängen „bequem“ eingerichtet. Vier Stunden Flug liegen vor uns. Wir genießen den entspannten Luxus eines Billigfliegers und werden in Marrakesch freundlich – und auf deutsch – empfangen und ins Hotel gefahren. Norbert – ganz Navigator - bereitet sich bereits jetzt auf seine Aufgabe vor und beäugt kritisch die Straßenverhältnisse, - zustand und – verkehr. Und das lässt ihn nicht ohne Grund schon mal über Alternativrouten und Plan B nachdenken!!! Eins ist jetzt schon klar: die Stadt ist zu meiden!
Verkehrschaos pur!
Doch soweit ist es ja noch nicht. Zunächst einmal freuen wir uns über unser schönes, weitläufiges Hotel, die geräumigen Zimmer und freundliches Personal, und wir genießen die Vorzüge einer All-In-Buchung: Schlemmen am marokkanischen Buffet und ein entspannter Ausklang mit leckeren Cocktails.
Am nächsten Morgen kann auch Wolfgang endlich entspannen, denn die 700-er BMWs sind top. Neue Modelle, gute Ausstattung und schnelle Abwicklung der notwendigen Formalitäten. Also wieder mal alles richtig gemacht.
Navigator Norbert muss mit der Entspannung noch etwas warten, bis er es geschafft hat, uns souverän vor dem Verkehrswahnsinn von Marrakesch zu retten.
Ungewohnt ist es, vor 1-PS auszuweichen. Hier ist wirklich alles unterwegs: Pferde, Eselskarren und jede Menge Moppeds, neben denen wir uns wirklich ausgewachsen vorkommen. Kamele sehen wir auch, allerdings mehr als Touristenkarawane. 
Endlich Kurven!
Einmal raus aus dem Stadtgewühl geht es auch schon los mit den „Ah“s und „Oh“s. Wir fahren durch erstaunlich grüne Landschaften und bald schon tun sich die schneebedeckten Gipfel des Atlas-Gebirges in der Ferne auf.
Nach der langen Winterpause sind die ersten Kurven noch hakelig. Aber das legt sich wie immer bald. Jetzt macht sich die gute Vorbereitung unseres Navigators bezahlt. Wirklich erstaunlich, welch tolle, kurvenreiche und verkehrsarme Routen im World-Wide-Web zu finden sind, ohne dass man auch nur einen Fuß im fremden Land hat!
Der erste Fahrtag führt uns entlang eines Stausees hinein ins Gebirge, wo wir nur noch einsamen Schaf- und Ziegenhirten zuwinken. 
Wetterkapriolen
Dennoch: die Landschaft erstaunt und begeistert uns. So grün hatten wir uns Marokko nicht vorgestellt. Und auch nicht so nass: Am Ende der Tour öffneten sich die Schleusen und stellten unsere Wind- und wasserdurchlässige Sommerkleidung vor unüberwindbare Herausforderungen. Nur die Stiefel hielten dicht: Das Wasser blieb drin!
Dieser feucht-fröhliche Abschluss sollte am Abend sinngemäß fortgesetzt werden.
Der zweite Tag ließ trotz eines Föhnmarathons keine weitere Tour zu. Also nichts wie rein ins touristische Treiben von Marrakesch – im strömenden Regen.
In alten Königspalästen und Moscheen war es zum Glück trocken, genauso wie in den berühmten Markthallen am Dschemaa El- Fna – dem Platz der Gehängten. Wie überall beschrieben ist er etwas besonderes, nicht nur wegen der Affen, Schlangenbeschwörer, seltsamen Exponaten, lebendiger und toter Ware, sondern vor allem wegen den Menschenmassen, die sich durch enge, unüberschaubare Gassen drängeln und vor geschäftstüchtigen Touristenjägern flüchten. Diesem Treiben lebendig zu entkommen löst tatsächlich Erleichterung aus. 
Fahrspass pur!
Nach dieser Erfahrung war die Vorfreude auf den nächsten Tag entsprechend groß und wurde auch voll bestätigt. Richtung Atlas-Gebirge führte uns die Tour zu einem der größten Wasserfälle im Land. Die kurvige Berg- und Talfahrt wurde am nächsten Tag noch mal getoppt. Früh morgens (!) starteten wir Richtung Tizi n’Tichka, einem über zweitausend Meter hohem Berg im Atlas-Gebirge. Und was für ein vielfältiger und abwechslungsreicher Tag erwartete uns. Temperaturunterschiede von über 20 Grad, Wind, der uns auf dem Col de Tichka um die Ohren wehte, Sandsteindörfer und ein Einblick in die Wüste. Aber auch moderne Filmstudios und mediterranes Ambiente auf der anderen Seite des Gebirges. Dabei wechselten die Strassen von hypermodern über alt und löchrig bis hin zu offroadartig. Unsere Leih-BMWs hatten ordentlich zu tun und Mühe alle Schrauben beisammen zu halten. Wasserpfützen und Schotterwege sorgten für eine gute Schutzschicht aus Staub und Dreck. Für uns Fahrer gab es da natürlich leckere Gegenmittel an der Cocktailbar, bevor es dann an unserem letzten Fahrtag noch einmal hoch hinaus ging. Endlich Schnee! Verwundert schauten wir zu, wie mit Schiern beladene Esel ihre Reiter schmale Pfade hinauftrugen. Wir bevorzugten allerdings die gut ausgebaute Strecke auf und ab und hin und her.
Über eine kleine schottrige Auffahrt gelangten wir in ein richtig großes Outdoor-Freizeitgelände. Bei einem leckeren Kaffee neben einem Kakteenfeld konnten wir uns mühelos vorstellen, wie Busladungen voll Touristen im Sommer sich hier beim Reiten, Klettern, Bogenschießen etc. vergnügten. Nur: wie kommt der Bus hier hoch??? 
Abwechslung pur!
Ja, einige Fragen blieben unbeantwortet. Wir haben einen kleinen aber sehr schönen Teil Marokkos kennengelernt und können sagen: Marokko ist ein Land der Gegensätze: gelegen in Afrika ist es vor allem arabisch und orientalisch. Die Architektur ist sowohl modern wie traditionell. Die Natur führt durch hohe Gebirge und trockene Wüsten, genauso wie entlang ertragreicher Obst- und Gemüseplantagen. Man fährt mit schicken modernen Autos genauso wie mit Pferd und Eselskarren. Die Menschen begegneten uns neugierig, fröhlich und gastfreundlich, aber auch zudringlich und lästig. Das Wetter ist erwartungsgemäß warm und trocken, hält aber auch kräftigen Regen bereit. Die Männer kleiden sich westlich oder traditionell mit Kapuzenmantel. Frauen tragen Kopftücher und Burkas. Arm und reich leben nebeneinander. Essen und Trinken ist lecker und bekömmlich. Wir sind uns einig: Marokko ist eine Reise wert – vor allem auf zwei Rädern!

Autor:

Birgit und Ignatz Haan aus Emmerich am Rhein

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