On Tours in Down Under

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On Tours in Down Under
Ans andere Ende der Welt sollte es über den Jahreswechsel gehen. Das geht natürlich nicht mehr mit dem eigenen Motorrad, also buchten wir über MoveMotorradreisen eine 15-tägige Motorradtour samt zwei 700-er BMWs und reservierten Übernachtungen von Sydney bis Adelaide. Daran sollte sich eine 10-tägige Campertour bis Melbourne anschließen.
Gesagt getan. Nach langer Vorbereitungszeit fanden wir uns Mitte Dezember im Flieger zunächst nach Hongkong wieder. Die Aussicht auf eindrucksvolle Ausblicke auf die Skyline von Hongkong ließen uns die ersten 10 Stunden sozusagen wie im Fluge vergehen. Und Hongkong hielt, was es versprochen hatte, vor allem Abends, als die Hochhäuser hell erleuchteten und die weihnachtliche Leuchtreklame unsere an Energie sparen gewöhnten Augen staunen ließen. Bei solchen Anblicken vom Hotelzimmer aus, wurde jedes weitere Entertainmentprogramm überflüssig.
Nach dieser Nacht ging es auch schon weiter bis Sydney. Nach früheren Australien-Besuchen fehlte uns noch der wirklich beeindruckende Ausblick von oben. In nostalgischer Stimmung statteten wir dem Hyde-Park und auch dem Queen-Victoria-Building noch einen Besuch ab, bevor wir dann am nächsten Tag endlich unsere BMWs in Empfang nahmen.
Die sorgfältig vorbereitete Gepäckauswahl stellte sich als sehr effizient heraus. Mit jeweils zwei Seitenkoffern und einem Topcase waren wir eigentlich gut gerüstet. Doch staunten wir nicht schlecht, als uns die Vermieterin als erstes zwei gut bestückte - heißt schwere - Werkzeugtaschen und zusätzlich noch zwei Reifenreparatursets in die Hände drückte. Nun, damit waren zwei halbe Koffer bereits gefüllt. Tja, da konnten wir ja froh sein, dass die mitgeführten Regensachen nicht auch noch eingepackt werden mussten sondern gleich angezogen werden konnten. Hurra, diese hatten wir also nicht umsonst mitgenommen. Ganz im Gegenteil. Die ersten beiden Tage durch die Blue Mountains waren ziemlich nass. Trotzdem konnte das dem Fahrvergnügen durch wahre Kurvenorgien keinen Abbruch tun. Bis dann ein gewaltiger Sturm aufzog. Zunächst wollten wir uns von den zunehmend dunkleren Wolken nicht beeindrucken lassen. Mehrmalige Warnungen seitens australischer „Naturburschen“ – jedenfalls ließ das bärtige Aussehen darauf schließen – liessen dann aber doch allmählich leichte Bedenken aufkommen.
So angenehm die Vorreservierungen auch waren – ersparten sie uns doch die tägliche Übernachtungssuche – so hinderlich erwiesen sie sich jedoch bei schlechtem Wetter, denn nun mussten wir ankommen. Schließlich war unser Hotel gebucht. Alle hatten uns von Fahrten im Dunkeln dringend abgeraten. Berechtigterweise, denn ohne Beleuchtung wollten wir umherhüpfenden Tieren im Wald nicht unbedingt begegnen. So langsam wurde uns mulmig, zumal wir für beispielsweise 100 km etwa doppelt so lange benötigten, als das Navi uns anwies. Dies war der kurvigen, windigen, nassen Strecke geschuldet und auch dem ein oder andern Umweg, der durch verlorengeglaubtes Equipment nötig wurde. So fuhren wir an einem Tag 130 km kurvenreiche Strecke wieder zurück zum letzten Haltepunkt, weil Birgit ihr Handy vermisste. Und dann natürlich wieder die 130 km in die richtige Richtung. Diese 260 km Umweg kosteten uns locker 4 Stunden. Das Handy befand sich übrigens da wo es hin gehörte: in der Jacke. Sich jeglichen Kommentar verbeißend kämpften wir uns dann doch noch im Dunkeln durch Regen und Sturm und Angst vor Tieren bis zum Hotel. Und das war erst der zweite Tag unseres Abenteuers. Der nächste Tag erinnerte an einen Riesenslalom um umgestürzte Bäume und herumliegende Äste. Hier zeigte sich die Umsicht der australischen Autofahrer. Man wurde vor Kurven gewarnt und an Tankstellen auf Hindernisse hingewiesen. Trotzdem war diese Etappe die längste der ganzen Reise, zumal wir auch noch einen Navigationsfehler begangen, der uns wiederum einige Stunden Fahrzeit zusätzlich bescherte. Doch wir nahmen es mit Humor, schließlich fuhren wir einige der schönsten Strecken, die man unter zwei Räder nehmen kann. Mitten durch die Blue Mountains, durch Eukalyptuswälder mit atemberaubenden Aussichten, durch das Hunter Valley, ein Weinanbaugebiet und das alles bei Null Verkehr. Wir fuhren 200 km ohne einzige Gerade, ohne ein Haus, ein Fahrzeug oder einen Menschen zu treffen. Trotzdem waren wir mehr als froh, als wir unser Hotel erreichten, was wir – da es bereits wieder dunkel war – zunächst gar nicht fanden. Ein vollkommen unbeleuchteter kleiner Schotterweg führte hinauf zur Unterkunft. Hier wurden wir bereits erleichtert erwartet und dann bestens umsorgt.
Die weitere Tour führte über die Alpine Road durch die australischen Alpen, die Snowy Mountains. Tatsächlich waren einige der zweitausender Gipfel mit Schnee bedeckt. Wir genossen geniale Motorradstrecken, wenige Serpentinen, dafür mehr geschwungenes Hin und Her ohne Ende. Zwei einheimische Ducati-Fahrer nahmen uns mit auf ihre Hausstrecke. Ja, da waren wir froh über das letztjährige Alpen-Training. Mit einem Schild „motorcycles plan your corners“ wurde auf die herausfordernde Streckenführung und die manchmal unerwartet aufeinander folgenden Kurven hingewiesen. Danach kam der erste Ruhetag in den Bergen genau richtig, zum Glück in einem super ausgestatten Hotel mit dringend benötigter Waschgelegenheit.
Je höher wir fuhren, um so heisser wurde es. Nachdem wir die 40-Grad-Marke geknackt hatten, freuten wir uns über die Abfahrt runter zur Küste, wo uns eine kühlende Meeresbrise in Lakes Entrance samt Pelikanen und Rochen erwartete. Den Abend verbrachten wir mit zwei deutschen Urlaubern und australischem Bier bei 30 Grad um Mitternacht.
Trotzdem fuhren wir früh morgens los Richtung Wilson-Promontory-Nationalpark, wo Urwald mit Wombats auf Ozean mit Surfern trifft.
Am nächsten Tag war nur eine kurze Strecke vorgesehen, so dass wir mittags bereits auf Phillip Island ankamen, rechtzeitig zu einer Führung über den GrandPrix-Kurs. Dank australischer Lockerheit und Offenheit konnten wir alle wichtigen Bereiche, einschließlich Paddock, Siegerpodest und sogar den Kontrollraum aus nächster Nähe erleben. Nach diesem informativen und unvergesslichem Highlight ging es am nächsten Tag endlich auf die Great Oceon Road. Spektakuläre Ausblicke und tolle Streckenführung über hunderte von Kilometern ließen unsere Motorradherzen höher schlagen. Beim Pflichtstopp unter dem „Eingangsschild“ trafen wir auf zwei enthusiastische australische Bikerinnen. Sie waren so stolz auf sich, diesen Punkt erreicht zu haben, dass sie uns stürmisch umarmten, als würden wir uns nach Jahren wiedertreffen. Australier haben halt ihr Herz am rechten Fleck und teilen ihre Begeisterung gerne mit Gleichgesinnten.
Der Besuch der zwölf Apostel war für den nächsten Tag vorgesehen. Am Aussichtspunkt angekommen wurden wir zum ersten und einzigen Male von – vor allem asiatischen - Touristenmassen begrüßt. Hilfesuchend blickten wir uns nach Alternativen um und entdeckten den Heli, der jede Viertelstunde landete und abhob. Mit inzwischen gewohnter australischer Unkompliziertheit stellten wir uns einfach an und buchten einen Rundflug über diesen berühmten Küstenstreifen. Was soll man sagen: der Hammer! Das Flugerlebnis an sich, die super tollen Ausblicke- einfach genial. Total euphorisch schwangen wir uns danach auf unsere Bikes Richtung Halls Gap. Wie gewohnt hielten wir uns an das Tempolimit von 90 bis 110 Stundenkilometern. Am Zielort erwartete uns das nächste Highlight: Hunderte von Känguruhs und Papageien direkt vor unserer Motelterasse. Erst am nächsten Morgen wurde uns bewusst, was es bedeutet früh morgens durch einen Nationalpark zu fahren. Der erste Weckruf erfolgte durch ein Känguruh, welches vor Ignatz Mopped lief und knapp mit dem Leben davon kam. Klar, wir hatten schon viele tote Känguruhs am Straßenrand liegen. So ein Auto – und alle Australier fahren diese großen Jeeps oder SUVs mit Kuhfänger – oder gar ein Truck steckt eine solche Begegnung locker weg. Wir jedoch waren alarmiert. Da wo wir gestern noch unbedarft das Tempolimit ausgeschöpft hatten, fuhren wir heute angespannt und mit höchster Aufmerksamkeit. Tatsächlich wiederholte sich die tierische Begegnung noch drei Mal. Jedes Mal wurden wir ca. 20 Stundenkilometer langsamer und fuhren inzwischen in der Straßenmitte und mit großem Abstand zueinander, um die Reaktionszeit wenigstens etwas zu vergrößern. Total verspannt, angestrengt und erleichtert erreichten wir unser Etappenziel. Ab jetzt konnten uns die Warnschilder mit den Känguruhs nicht mehr so wirklich erfreuen.
Aber sie begleiteten uns auch die nächsten Tage durch riesiges Weideland. Außer Gras und Rindern, typische australische Windmühlen, ausgetrocknete Seen und Flussbetten gab es nichts in dieser hügeligen und sehr weitläufigen Landschaft. Ja, genauso war unsere Vorstellung von Australien: groß, weit und heiß. So langsam stellte sich bei uns die Vorfreude auf den Komfort eines Wohnmobils ein. Einen Tag durchfuhren wir ein einziges riesiges Weinanbaugebiet mit unvorstellbar großen Feldern und riesigen Bewässungsanlagen. Australien wird wohl zukünftig nicht nur „Bier-Land“ bleiben. Obwohl es das heute noch ist. Bier bekommt man jedoch nicht wie bei uns in jedem Supermarkt. Dafür muss man einen sogenannten Bottleshop ansteuern. Bier gibt es hier nur im Six-Pack. Davon kauft der Australier normalerweise nicht eins sondern einen Karton mit 24. Damit sich die Fahrt lohnt und der große Pickup artgerecht eingesetzt werden kann, kauft man idealerweise gleich die ganze Ladefläche voll Kartons. Und damit man das alles nicht mühsam schleppen muss, fährt man durch den Drive-In. Vorne die Bestellung abgeben und der freundliche Mitarbeiter packt die Sackkarre aus. Zahlen und rausfahren. Klar dass hier zwei deutsche Moppedfahrer mit der Absicht, zwei Dosen (einzelne Dosen!) Bier zu erwerben, nur unverständliches und amüsiertes Kopfschütteln hervorrufen.
Tja, da blieb uns ja nichts anderes übrig, als sich den australischen Gepflogenheiten anzunähern…..
Ein besonderes Ereignis stellte dann der Silvester-Abend dar, den wir in Robe, einem kleinen Küstenort verbrachten. Wegen der Buschbrandgefahr ist offenes Feuer sehr gefährlich und privates Feuerwerk verboten. In vielen Orten – wovon Sydney das wohl bekannteste Spektakel veranstaltet – findet daher ein öffentliches Feuerwerk statt. So auch in Robe. Hier allerdings – mit Rücksicht auf Kinder – bereits um 22.00 Uhr. Vorher versammelt sich alles an der wunderschönen Strandpromenade. Man feiert, grillt, trifft sich mit Freunden. Alkoholkonsum ist in diesem Bereich stundenweise untersagt – sollte man ja nicht meinen nach unseren kürzlichen Erfahrungen im Bottleshop. So gesellten auch wir uns zu den Zuschauern und genossen einen schönen Sonnenuntergang und einen warmen Abend in netter, familiärer Atmosphäre am Strand, gekrönt von einem klasse Feuerwerk.
Am Neujahrstag ging es dann schließlich nach Adelaide. Hier erwartete uns das beste Hotel der gesamten Reise. Im First-Class-Ambiente verstauten wir Helme und Stiefel und kramten die Badesachen hervor, denn jetzt stand Relaxen mit Wohnmobil bevor. Motorradrückgabe und Camperabholung fanden an einem Tag in Adelaide statt.
Tatsächlich stellte man uns wider Erwarten ein 6-Personen-Mobil zur Verfügung, was zwar sehr viel Platz bot, allerdings auch fahrerische Herausforderungen auf den engen und steilen Strassen befürchten ließ. Die erste Tour führte uns ins nahegelegene Hahndorf (der Name verpflichtete natürlich zu einem Stopp!). Hier haben sich irgendwann mal vorwiegend deutschstämmige Siedler niedergelassen, was auch heute noch deutlich spürbar- und sichtbar ist. Es sieht aus wie bei uns: Bürgersteige, Straßenlaternen, Zäune um Grundstücke, sorgfältig gepflegte Vorgärten, ein sehr ordentlicher Gesamteindruck und deutsche Wurst im Supermarkt. Wirklicht nett und auch bei den Australiern sehr beliebt. Überhaupt sind Deutsche sehr beliebt und willkommen. Man schätzt unsere Kultur und Historie, beneidet uns um geschichtsträchtige Städte und Gebäude und vor allem die deutsche Autobahn ohne Geschwindigkeitsbeschränkung.
Da unser Camper schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, waren ausgedehnte Touren in die Berge nicht möglich, so dass wir ganz ohne Reue uns dem Genuss einfacher Fahrten durchs Flachland und an die Küste hingeben konnten. Mit vollem Kühlschrank, sauberer Wäsche, jeder Menge Platz und Komfort zockelten wir von Campingplatz zu Campingplatz immer weiter Richtung Melbourne. Endlos lange Geraden durch Weide- und Grasland faszinierten uns, ermüdeten aber auch. Da ließen wir uns gerne von großen Tafeln und Warnhinweisen aufmuntern und nutzten ausgiebig die angekündigten Rastplätze. Am Zielort angekommen, wurde gefaulenzt, relaxt, in der Sonne oder im Pool gebadet, mal ein Spaziergang unternommen und die letzten Urlaubstage ausgiebig genossen. Ein Besuch in Melbourne, der südlichsten Millionenstadt der Welt, stand natürlich auch auf dem Programm. Mit einer der berühmten Trams fuhren wir in die Stadt, verschafften uns zunächst Überblick von oben aus dem 88. Stockwerk, dem sogenannten Skydeck.
Wir aßen French Toast in einer der sogenannten „Lanes“, das sind schmale Sträßchen, in denen sich die Cafes aneinanderreihen und unternahmen eine Bootsfahrt auf dem Yarra River.
Die Stadt verfügt über sehenswerte Architektur und ist sehr übersichtlich aufgebaut. Trotzdem gibt es an jeder Straßenecke hilfsbereite „Ranger“, die dem Touristen die nächste Bahnlinie, den Weg zum Victoria Markt oder auch die Uhrzeit erläutern.
Nach vier Wochen nahmen wir dann Abschied vom 5. Kontinent und bestiegen für die nächsten 21 Stunden den Flieger nach good (c)old Germany.

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