„Abicatraz - die letzte 13 auf der Flucht“

Das ist der Abschlussjahrgang G9 des Willibrord-Gymnasiums. Foto: WachterStorm
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Auf diesen Tag haben sie jahrelang hingearbeitet, unzählige Stunden über Büchern verbracht und zahlreiche Arbeiten und Klausuren geschrieben. Nun endlich hatten sie ihr Abitur in der Tasche und am gestrigen Samstag konnten die Zeugnisse im PZ des Willibrord-Gymnasiums entgegen nehmen.

Bürgermeister Johannes Diks hatte es einmal ganz genau ausgerechnet. 12.000 Unterrichtsstunden hätten sie in der Schule verbracht, 375 Tage insgesamt dem Gymnasium gewidmet. „Mit diesem Abschluss stehen ihnen nun aber alle Möglichkeiten offen“, so Diks. „Sie haben in dieser Zeit gelernt, nicht nur Antworten zu finden, sie haben auch gelernt Fragen zu stellen. Die Neugierde ist die beste Triebfeder für ihr weiteres Leben. Bleiben Sie neugierig und mischen sie sich ein.“
Als Elternvertreterin sprach Karin Rempe über die letzten Jahre. Vor allem der jahrelange Zusammenhalt sei fantastisch gewesen und von tiefer Freundschaft geprägt. „Der Weg ist das Ziel, haltet es immer im Blick“, riet sie den Abiturienten. Für die Schüler sprachen Julia Rempe und Marie Singendonk. „Zunächst möchten wir erklären, warum wir uns für das Motto „Abicatraz - die letzte 13 auf der Flucht“ entschieden haben.“ Es gebe schon einige Ähnlichkeiten zwischen der Schule und einem Gefängnis. Da wäre die Bauweise oder die Hierarchie. „Wir haben ein paar Dinge kennengelernt, vor denen wir auf der Flucht waren, zum Beispiel Hausaufgaben, dreckige Toiletten, Referate, Hofdienst und die Pausen in der Kälte. Doch am meisten sind wir anfangs davor geflüchtet, die Kleisten auf der Schule zu sein.“

Rückblick auf die Klassen

Die beiden Schülerinnen blickten auf die getrennten Jahre zurück, redeten über die Vorzeigeklasse, die friedliche Klasse, die am Ende des Jahres durch den schlechtesten Notendurchschnitt auffiel, und die Klasse, die Ärger machte (Kaputte Türen, Tafeln und Wasserschäden). Dann, in Klasse 7, begann die Hochphase der Pubertät. „Liebespaare fanden und trennten sich innerhalb weniger Tage, und durch die vielen Lehrerwechsel entstand eine allgemeine Unruhe. Man wusste nicht mehr recht mit uns umzugehen, sodass mancher Lehrer im Englischunterricht mit uns Volleyball spielen ging, um uns ruhig zu stellen.“
In der zehnten Klasse fand man wieder zusammen, musste jedoch am Ende des Schuljahres einige Häftlinge entlassen. „Viele flüchteten ein Jahr ins Exil (von China über Australien bis Nordamerika). „Jedoch wurden alle Häftlinge am Ende des Schuljahres wieder eingegliedert.“

Schüler genossen Privilegien

Die Lehrer seien immer strenger geworden und die Schüler hätten es genossen, die Privilegien junger Erwachsener auszukosten. Im vorletzten Haftjahr kam es nicht nur durch den zusammengelegten Unterricht zunächst zu Konflikten, sondern auch durch die Facharbeit. „Als wir dachten, dass wir kurz vor der Freilassung stünden, nutzten wir unsere letzte Woche und stellten mit unserem teilweise renitenten Verhalten unter Beweis, dass wir in den schriftlichen Prüfungen noch ein letztes Mal unter die Lupe genommen werden mussten. Hinzu kam für jeden ein Einzelverhör und für manche auch mehrere. Doch dann hatte die Gefängnisleitung nichts mehr gagen uns in der Hand, sodass wir letzten Endes in die Freiheit entlassen werden konnten.“

Autor:

Jörg Terbrüggen aus Emmerich am Rhein

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