Außergewöhnliche Atmosphäre in der Kirche

So hat man den Kirchenraum von Heilig Geist auch noch nicht gesehen. Besucher nahmen auf den verschiedensten Stühlen Platz. Foto: Ralf Beyer
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  • hochgeladen von Jörg Terbrüggen

Emmerich. Was für eine Stimmung in einer Kirche. Statt Holzbänken oder Stuhlreihen gab es Sitzkissen, Sofas, Campingstühle und sogar den Stuhl des Bürgermeisters. „Change places“ lautete das Motto, und davon machten viele Gebrauch.

Der riesige Altar mit dem Schrottkreuz war mit vielen Kerzen versehen, in der Mitte aber stand eine große Leinwand. Der Kirchenraum war leergeräumt, Holzklappstühle, ein quadratischer mit schwarz-weißen Flecken versehener Teppich lag auf dem Boden, direkt daneben ein kleiner Strohballen. Auf einem Stuhl saß eine ältere Dame mit Kopftuch, die viele aus dem REWE-Center kennen. Über allem thronte ein großer, gelber und von Jugendlichen selbst gebauter Stuhl.
Kaplan Christian Olding war selbst überrascht von der tollen Resonanz. Und noch am Abend kamen Besucher mit Stühlen, um an diesem außergewöhnlichen Gottesdienst im Rahmen des veni-weekend teilzunehmen. „Unsere christlichen Inhalte bleiben, aber wir geben ihnen eine neue Form, um sie den Christen neu zugänglich zu machen.“ Noch bevor die Messe überhaupt begann, war dieses Ziel erreicht, denn der Kirchenraum war prall gefüllt mit jungen und älteren Gästen.
Auf einer Hängematte lagen zwei Mädchen, andere hatten auf einer großen Couch Platz gefunden. Doch dort sollten sie nicht lange verweilen, denn das Motto des Abends lautete bekanntlich „Change Places“. Und wann immer diese Aufforderung per Videobotschaft kam, mussten alle die Plätze wechseln. Entweder mit dem Nachbarn oder ganz woanders in der Kirche. Kein Gottesdienst also im herkömmlichen Sinne.
Als sich dann auch noch Nebel unter dem Altar breit machte und die Kerzen mit einem leichten Schleiher umhüllte und Flackerlicht an den Säulen entlang zuckte, nahm ein außergewöhnlicher Abend seinen Lauf. „Kirche kann sich verändern“, so Kaplan Olding. „Das sieht man heute. Aber wie bereit sind wir, etwas zu verändern?“ Immer wierder wurden Videosequenzen aus Filmen eingespielt, unterbrachen Musikstücke die Predigt. „Das Leben als Christ spielt sich nicht hier ab, das eigentliche Christ sein findet da draußen statt“, gab Olding zu bedenken. Christ sein bedeute, allen Christen zu helfen, egal ob sie Freunde oder Fremde seien. „Das ist Gemeinde, das ist Kirche. Überall dort, wo das nicht passiert, können wir einpacken“, ermahnte er die Besucher.
Mittlerweile war es draußen dunkel geworden und über die Leinwand flimmerte eine Sequenz von der Geburt Jesu. „Gott hat seinen Platz gewechaselt, er ist Mensch geworden. Er hat das mit Change Places verdammt ernst genommen.“ Es war still in der Heilig Geist-Kirche und irgendwie hatte man das Gefühl, als würden sich alle in diesem Moment in den Mauern der Kirche geborgen fühlen.
Zu guter letzt konte jeder seine Wünsche auf die vier vor dem Altar stehenden, mit weißem Stoff überzogenen Stühlen verewigen. Davon machten Jung und Alt gleichermaßen gebrauch. Nach gut 75 Minuten war diese nicht alltägliche Messe beendet, doch nach Hause gingen nur die wenigsten. Es folgte noch eine Kinonacht und am gestrigen Samstag stand dann noch jede Menge Musik auf dem Programm des „veni-weekend“.

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