Bistum: Keine Gemeindeversammlung am Donnerstag

Bischof Dr. Felix Genn und Weihbischof Wilfried Theising (r.)
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Das Bistum Münster hat die für Donnerstag geplante Gemeindeversammlung aus Sicherheitsgründen abgesagt. Das geht aus einer Stellungnahme des Bistums zur "Situation in Emmerich" hervor, die wir hier im Wortlaut veröffentlichen:

"Am vergangenen Wochenende ist in den Gottesdiensten in Emmerich bekannt gegeben worden, dass Pfarrer Karsten Weidisch den Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, um seine Entpflichtung von der Tätigkeit als Pfarrer in Emmerich gebeten hatte und dass der Bischof diesem Wunsch mit Ablauf des 20. Januar 2014 entsprochen hatte.

In der Folge kam es in Emmerich zu Protesten, die Bistumsleitung wurde scharf kritisiert, in den Medien wurden ausführlich berichtet, in den Sozialen Netzwerken wurden an verschiedenen Stellen zur Solidarität mit Pfarrer Weidisch aufgerufen. Das Bistum Münster versteht die Enttäuschung und Verärgerung vieler Menschen in Emmerich, weist in diesem Zusammenhang aber auf folgende Gesichtspunkte hin:

+ Pfarrer Weidisch wurde weder vom Bischof von Münster noch von sonstigen Personen in der Bistumsleitung in irgendeiner Weise dazu gedrängt oder gezwungen, um seine Entpflichtung zu bitten. Das tat er aus freien Stücken und aufgrund der Einschätzung der Situation in Emmerich, in der er sich etwa mit dem Personalchef des Bistums, Domkapitular Hans-Bernd Köppen und Regens Hartmut Niehues einig war.

+ Es gibt in Emmerich seit langem unterschiedliche Auffassungen über die konkrete Ausgestaltung des Gemeindelebens. Es gab seitens der Bistumsleitung seit gut anderthalb Jahren immer wieder Gespräche mit Personen und Gremien aus Emmerich, es gab Briefwechsel, es gab den Versuch einer externen Moderation. Alle diese Versuche, die verschiedenen Vorstellungen zusammen zu führen, hatten keinen Erfolg. In der Weihnachtszeit sind die Auseinandersetzungen noch einmal hoch gekocht. Im Gespräch mit Herrn Pfr. Weidisch wurde gemeinsam überlegt, welche Perspektiven es gibt. Herr Pfr. Weidisch hat in dem Gespräch die Situation so eingeschätzt, dass die Gräben in der Gemeinde eher tiefer geworden sind und dass sich das auch nicht kurzfristig beseitigen lassen wird. Er hat nach diesem Gespräch um eine Bedenkzeit gebeten und den Bischof dann um seine Entpflichtung gebeten.

+ Der Bischof hat diesem Wunsch vor allem auch im Blick auf den Gesundheitszustand von Herrn Pfarrer Weidisch und in Wahrnehmung seiner Fürsorgepflicht entsprochen.

+ Es wird an vielen Stellen behauptet, auch Herrn Kaplan Christian Olding müsse Emmerich verlassen. Diese Behauptung ist falsch. Wenn Herr Kaplan Olding das möchte, kann er bis zum Ende seiner Kaplanszeit (im Sommer 2015) in Emmerich bleiben. Herr Kaplan Olding hat aber selbst den Wunsch geäußert, Emmerich im Sommer diesen Jahres zu verlassen. Wenn dieser Wunsch weiter besteht, wird die Bistumsleitung ihm entsprechen, sollte sich sein Wunsch inzwischen geändert haben und er bis zum Sommer 2015 in Emmerich bleiben wollen, würde die Bistumsleitung auch diesem Wunsch entsprechen.

+ Auch wird behauptet, Herrn Kaplan Olding müsse Emmerich verlassen, weil die Bistumsleitung die von ihm initiierten Veni-Gottesdienste sehr kritisch sehe und sozusagen auf diesem Weg beenden möchte. Unabhängig davon, dass Herr Kaplan Olding Emmerich gar nicht verlassen muss (s. 4.), wird hier ein kausaler Zusammenhang hergestellt, der in keiner Weise besteht. Sicherlich gibt es unterschiedliche Auffassungen zu den Veni-Gottesdiensten, aber unzweifelhaft ist das ein Weg, auf dem gerade junge Menschen angesprochen werden. Wenn man nicht gerade auch als Kaplan einmal solche neuen Formen ausprobieren kann und sollte, wann dann? Es gibt keinerlei Überlegungen in der Bistumsleitung, diese Gottesdienste zu beenden.

+ Im Zuge der Berichterstattung wurde nun sogar behauptet, vor einigen Jahren (als Pfarrer Weidisch noch nicht in Emmerich war) habe es einen Fall sexuellen Missbrauchs durch ein Mitglied des Seelsorgeteams in Emmerich gegeben. Weder der Kommission für Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Geistliche noch dem Personalchef des Bistums ist hiervon irgendetwas bekannt. Die Kommission wird den Vorwürfen nun nachgehen und bittet denjenigen, der sie erhebt, sich an die Kommission zu wenden.

Sicherheitsgründe

Bischof Genn hatte in seinem Schreiben, das am vergangenen Wochenende in Emmerich verlesen wurde, geschrieben, dass am kommenden Donnerstag, 23. Januar 2014, um 19 Uhr eine Veranstaltung in Emmerich stattfinden solle, um über die "Emotionen und Fragen", die der Schritt des Pfarrers und die Entscheidung des Bischofs auslösen, ins Gespräch zu kommen. Am 21. Januar 2014 hat die Vorsitzende des Rates der Seelsorgeeinheit, Andrea Schaffeld, sich mit "Organisations- und Sicherheitsfragen" an den Personalchef des Bistums, Herrn Domkapitular Hans-Bernd Köppen, gewandt. Frau Schaffeld fragt , ob die Gesamtverantwortung für die Veranstaltung beim Bischof und dessen Vertreter vor Ort liegt. Sie rechnet nach einer "vorsichtigen Schätzung" mit "1.300+++" Menschen, die zu der Veranstaltung kommen werden. Auch in den Sozialen Netzwerken wird auf verschiedenen Seiten zu dieser Veranstaltung eingeladen. Zahlreiche Menschen haben auch hier ihre Teilnahme angekündigt. Die Aldegundiskirche, in der die Veranstaltung stattfinden sollte, fasst aber nur rund 300 Menschen. Wenn man die Veranstaltung so wie geplant stattfinden lassen würde, wäre die Sicherheit der Teilnehmenden massiv gefährdet. Das Bistum Münster hat daher am 21. Januar entschieden - da es sich der von Frau Schaffeld angefragten Verantwortung für die geplante Veranstaltung bewusst ist – die geplante Veranstaltung am 23. Januar abzusagen. Mit dem Rat der Seelsorgeeinheit wird kurzfristig besprochen werden, wann und in welcher Form eine Veranstaltung in Emmerich stattfinden kann. Denn es ist uns wichtig, dass die Menschen in Emmerich die Möglichkeit haben, ihre Kritik zum Ausdruck zu bringen und gerne auch ihre Verbundenheit mit Pfarrer Weidisch und Kaplan Olding zu bekunden. Und vor allem ist es der Bistumsleitung auch weiterhin wichtig, gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen, wie es in Emmerich auf einem guten Weg weiter gehen kann."

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Lokalkompass Kleve aus Kleve

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