"Meuterei" in Hüthum

Ein einstimmiges Votum gab es auf der Bürgerversammlung in Hüthum für den dort unterbreiteten Vorschlag. Fotos: Jörg Terbrüggen
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Da braut sich etwas zusammen in Hüthum. Eigentlich schien in Sachen Unterführung der Bahn alles geregelt. Doch jetzt haben einige einen Plan vorgelegt, der alles bisherige über den Haufen wirft. Annähernd 200 Bürger votierten dafür, dass die Stadt beauftragt wird, neu zu planen.

Dabei ist die im Konsens zwischen Verwaltung und Bahn erzielte Lösung einer Unterführung am Bahnübergang der B8 vom Tisch. Der damals als Variante 4 von der Verwaltung geprüfte Vorschlag mit einer Unterführung der Felix-von-Lensing-Straße (allerdings ohne deren Anbindung) wurde hingegen zu neuem Leben erweckt. Diese Variante war allerdings seinerzeit an den zu hohen Baukosten (geplant waren knapp 13 Millionen Euro) gescheitert. Nun aber hat sie Diplom-Ingenieur Kurt Reintjes, der sich von Berufs wegen mit dem Straßenbau auskennt, neu gerechnet, und zwar unter Einbindung der Felix-von-Lensing-Straße. „Ich habe ein Höhenmodell gemacht und alles daran in Frage gestellt. Dabei habe ich mit einigen Straßenbüros zusammengearbeitet.“ Reintjes kam zu dem Ergebnis, dass vieles, was in Variante 4 eingerechnet war, nicht nötig sei, wie zum Beispiel das viel zu lange Bauwerk mit seinen zahlreichen Stützwänden. „Was wir brauchen ist Erde.“
Nach seinen Berechnungen käme er, ähnlich der Variante 1 (Unterführung der B8), auf 5,8 Millionen Euro. Die genaue Berechnung der Kosten sei allerdings nicht möglich. „Wir können es nicht.“ Daher wolle man ja auch die Verwaltung beauftragen, den Vorschlag aus Hüthum neu zu berechnen. Gregor Reintjes vom Heimatverein wunderte sich. „Wir beschäftigen uns in Hüthum seit 25 Jahren mit dem Thema Unterführung. Wir haben immer wieder die Lösung Felix-Lensing-Straße angedacht. Daher ist es unverständlich, dass man das nicht mit herangezogen hat.“
Ratsmitglied Johannes Tenbrink fühlte sich von der damals gefassten Entscheidung offensichtlich überrumpelt. „Plötzlich und kurzfristig hat man uns die Unterlagen hingelegt und uns mit Kosten totgeschlagen. Da konnten wir uns nur für die Variante 1 entscheiden. Früher habe die Stadt allerdings anders gedacht, wie alte Unterlagen aus dem Jahr 1980 belegten. Bei den damaligen Planungen sollten die Bahnübergänge durch ein gemeinsames Bauwerk beseitigt werden. Es gab bereits einen Vorentwurf und 1981 hätte das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden können. Dem hätte auch der Landesstraßenbetrieb NRW zugestimmt. Die B8 wäre auf einer Länge von 850 Metern neu trassiert worden und die Felix-Lensing-Straße untergeordnet an die B8 angeschlossen.
„Wir lagen mit unserer Forderung damals nicht falsch“, so Tenbrink. Er ist sich sicher: „Viele werden uns das jetzt hier ankreiden. Aber der Bürger hat ein Recht dazu.“ Landwirt Alexander Bossmann kann sich mit dieser Variante ebenfalls anfreunden. Sein Vorschlag geht allerdings noch in eine ganz andere Richtung. „Ich wäre bereit, der Bahn großzügige Flächen zu schenken, allerdings nur, wenn die Planung dahin geht, wie ich sie mir wünsche. Ich wünsche mir zwei Unterführungen, einmal an der B8 und an der Felix-Lensing-Straße.“ Komme Vorschlag 3 letztendlich zum Tragen, gebe es keine Schenkungen. Dann müsste ihm die Bahn Entschädigungen und Ausgleichzahlungen zahlen für den Verlust der Flächen. „Sie erhalten alles gratis, wenn ich zwei LKW-taugliche Unterführungen bekomme.“
Ute Sickelmann von den Grünen meinte: „Der Vorschlag 3 verbraucht am wenigsten Fläche. Allerdings schafft man mit dieser Querstange einen Ausgleichsweg für LKW zur B8. Diese Wirkung muss man schon mit einplanen.“ Gert Bartels von der BürgerGemeinschaft: „Vielleicht gibt es eine Chance.“ Noch sei die Planfeststellung nicht fertig. Mit einem einstimmigen Votum für einen Bürgerantrag zur Überprüfung des Hüthumer Vorschlags endete die zweistündige Bürgerversammlung im Pfarrzentrum Koppelweg.

Autor:

Jörg Terbrüggen aus Emmerich am Rhein

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