Ein Freund Ennepetals
Roman Kruzycki begeistert sich für seine Heimatstadt

"Ennepetal first!", sagt Roman Kruzycki. Das bezieht der 67-Jährige Heimatfreund auf sein kleines Museum sowie auf seine Führungen und Videos. Mit Monokel guckt "Doc Fuchs" ganz genau auf die Stadtgeschichte.
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"Ich bin hier zuhause. Das ist meine Heimat, mein Ennepetal", sagt Roman Kruzycki (67). Seit mehr als 20 Jahren wohnt er hier, und seit 2019 – pünktlich zum 70-jährigen Stadtjubiläum – betreibt er ein kleines Museum an der Mittelstraße 12 und bietet per Führung oder Video besondere Einblicke in die Stadt und ihre Historie.

Von Vera Demuth

Reich gefüllte Wände und Regale prägen den Ausstellungsraum, den Roman Kruzycki mimuse-EN (Mini-Museum Ennepetal) genannt hat. Neben zahlreichen Büchern über die Stadt zeugen unter anderem Krüge von der Voerder Kirmes, T-Shirts und Einkaufstaschen mit Werbeaufdrucken lokaler Geschäfte und Veranstaltungen sowie Ansteckbuttons, Streichholzschachteln und Ansichtskarten ebenso von den vielfältigen Aktivitäten der Stadt wie von Kruzyckis Sammeleifer.

Historisches und Kurioses

Darüber hinaus findet sich weiteres Historisches und Kurioses in seiner Sammlung: das original Löwen-Fenster der ehemaligen Löwen-Apotheke, das die Künstlerin Elisabeth Altenrichter-Dicke gestaltet hat, die aus den 1920er Jahren stammende Glockensteuerung der evangelischen Kirche in Voerde, eine Urne, bedruckt mit dem Nachtwächter Koch, sowie ein Klappspaten als Werbegeschenk der Firma Frischkorn. Als "meinen Stolz" bezeichnet der 67-Jährige außerdem eine Bierflasche der Brauerei Altenloh aus Altenvoerde.
Begonnen hat die Begeisterung Roman Kruzyckis für seine Heimatstadt, ihre Geschichte und ihre Menschen mit den Ausstellungen, die er in seiner Arztpraxis veranstaltet hat. Nach einer Japanreise zeigte der Chirurg im November 2009 eigene Fotos. Bis Ende 2019, als er seine Praxis aufgab, folgten mehr als 30 weitere Ausstellungen – von ihm selbst und von Künstlern aus Ennepetal und Umgebung. Darunter waren diverse Ausstellungen, die die Stadt zum Thema hatten, seien es Fotografien, die Sicht von Schülern auf Ennepetal, Zeichnungen, Aquarelle und Acrylmalerei oder Bücher über die Stadtgeschichte.
Schon immer hat sich Roman Kruzycki mit seinen Wohnorten beschäftigt. "Es interessiert mich, wo ich wohne, die Geschichte und Umgebung dort." Nachdem er vor 40 Jahren zusammen mit einer Frau aus Polen nach Deutschland kam, lebten sie zunächst einige Jahre in Hagen, dann in Volmarstein, bevor sie nach Ennepetal zogen. "Ich könnte auch Führungen in Volmarstein machen."

Bücher bildeten den Grundstock

Eines der in seiner chirurgischen Praxis ausgestellten Bücher – "Und als der Krieg zu Ende schien" von Dieter Wiethege – war es, das Roman Kruzycki endgültig anregte, sich intensiver mit Ennepetal und seiner Historie auseinanderzusetzen. Ein Teil der Bücher aus der Ausstellung bildete schließlich den Grundstock für die Sammlung seines mimuse-EN, das er am 1. April 2019 eröffnete. Mehr als 500 Bücher und Hefte hat er mittlerweile zusammengetragen.
Bei seinem Museum hat es Roman Kruzycki aber nicht belassen. Anlässlich des 70-jährigen Stadtjubiläums hat der Heimatfreund sieben Führungen organisiert – sechs zu Fuß, eine per Rad, die alle am selben Tag stattfanden. Dies geschah unter dem Namen "Doc Fuchs". Nachdem er in seiner Praxis auch einmal viele Varianten des Ennepetaler Symboltiers präsentiert hatte, erfuhr er, dass er in der Familie eines Patienten nun nur noch "Doc Fuchs" genannt wird. "Als ich die Führungen angefangen habe, habe ich mich dieses Namens bedient", erinnert sich Kruzycki.
"Ich suche mir jemanden, der kompetent ist", erläutert er seine Vorgehensweise. Sachkundige Begleiter führten die Teilnehmer 2019 unter anderem entlang der Mittelstraße, durch die Johanneskirche in Voerde, durch Rüggeberg und mit dem Fahrrad zu den vier Talsperren in und um Ennepetal. Nach weiteren Terminen im Jubiläumsjahr sollten 2020 erneut Führungen stattfinden, doch wegen der Coronapandemie mussten einige ausfallen.

Blick hinter die Kulissen per Video

Gestoppt hat Kruzycki dies aber nicht. Er sattelte auf Videos um, die er selbst dreht und auf YouTube publiziert. Er ließ sich im Impfzentrum in Ennepetal herumführen, blickte etwa hinter die Kulissen der Kaffeerösterei Max Bean und der Reha-Klinik Königsfeld und beschäftigt sich in seinem neuesten Film mit der Produktion des Klutertkäses. "Für die Videos kann ich Bereiche besuchen, in die man mit einer Gruppenführung nicht hinein kann", erklärt der 67-Jährige. Aufgeben wird er die Stadtführungen deswegen aber nicht, auch wenn er beschlossen hat, wegen der Pandemie in diesem Jahr keine anzubieten. "Ich habe noch Ideen."
Auch die Sammlung in seinem Museum will er vergrößern, so umfangreich sie auch schon ist umfangreich. Und was mit seinen Ausstellungsstücken passiert, falls er sich einmal nicht mehr darum kümmern kann, hat Roman Kruzycki auch schon geregelt. "Wenn meine beiden Töchter das nicht übernehmen möchten, kommt alles dem Stadtarchiv zugute."

mimuse-EN

- Wer Roman Kruzycki im Museum mimuse-EN an der Mittelstraße 12 in Ennepetal besuchen möchte, kann einen Termin vereinbaren.
- Auch wer Ausstellungsstücke für seine Sammlung beisteuern möchte, kann sich gern melden.
- Die Kontaktdaten finden sich auf Roman Kruzyckis Website unter www.doc-fuchs-team.de.

"Ennepetal first!", sagt Roman Kruzycki. Das bezieht der 67-Jährige Heimatfreund auf sein kleines Museum sowie auf seine Führungen und Videos. Mit Monokel guckt "Doc Fuchs" ganz genau auf die Stadtgeschichte.
Oben thront der Löwe der gleichnamigen Apotheke; im Schrank darunter präsentiert Roman Kruzycki Kappen, Teller und Fuchs-Modelle.
Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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