Gaza und der EN-Kreis ... - Der Krieg im Gazastreifen betrifft auch Menschen in unserem Südkreis

Diese Karte zeigt den Gazastreifen (auch im Vergleich zu Israel). Kleiner als der EN-Kreis wurden schon in den ersten vier Wochen mehr als 1.400 Ziele mit Raketen und Bomben beschossen, über 1.000 Tote sind zu beklagen. | Foto: Maki1
  • Diese Karte zeigt den Gazastreifen (auch im Vergleich zu Israel). Kleiner als der EN-Kreis wurden schon in den ersten vier Wochen mehr als 1.400 Ziele mit Raketen und Bomben beschossen, über 1.000 Tote sind zu beklagen.
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Ali K. wohnt schon seit ewiger Zeit in Gevelsberg, hat hier eine Familie gegründet, arbeitet und sorgt für seine Kinder. Doch in jüngster Zeit denkt er viel häufiger an seine Mutter und Geschwister, an seine Landsleute: Es ist Krieg.

Von Monika Schwarz.

„Gaza“ ist auch in unserem Kreis. So leben hier im Dreieck von Schwelm, Gevelsberg und Ennepetal mehrere Israeli wie auch Menschen mit palästinensischem Pass. Ali ist jemand von ihnen - und sieht die Verzweiflung seiner im Gazastreifen gefangenen Landsleute mit Sorge.

„Seit Jahrzehnten wurden die Palästinenser dort unterdrückt. Nicht nur durch die Israelis, sondern selbst im Libanon durften sie nur im Lager leben, sich die monatliche Ration an Lebensmitteln abholen und sonst nichts. Sie durften nie arbeiten, kein Taxi fahren, geschweige denn offiziell Handel treiben, um sich und den Menschen dort ein Auskommen zu gewährleisten,“ so Ali.
„Es muss doch möglich sein, dass endlich zwischen den Völkern Frieden herrschen kann - ohne Unterdrückung, ohne dieses Zusammenpferchen von so vielen Menschen auf einem so kleinen Flecken, wie es nun mal der Gazastreifen ist.“

Es ist wahrscheinlich für die meisten von uns Nicht-Betroffenen sehr schwierig, sich in die Lage der Palästinenser im Gazastreifen hinein zu versetzen. Daher zunächst ein paar Zahlen:
* Im Gazastreifen leben auf knapp 360 km² über 1,8 Millionen Menschen, 5.045 Einwohner pro km².
* Im Vergleich dazu: Der gesamte EN-Kreis hat eine Fläche von 408 km² - und nur 324.000 Einwohner - das sind nur 794 Einwohner pro km².

Der gesamte Gazastreifen ist also kleiner als unser gesamte EN-Kreis, mit fast sechs Mal so viel Menschen - und es müssen weitere 50 km² abgerechnet werden nur alleine durch die Errichtung der Sperranlagen und der nicht zu betretenden Sicherheitsstreifen. Ausgerechnet fruchtbares Land, was die Palästinenser dringend für die eigene Lebensmittelherstellung benötigten.

„Dann stellen wir uns ‘mal jannz dumm ...“

Sind Sie bereit, dazu mit mir ein kleines Gedankenspiel durchzuführen?

Wir im EN-Kreis leben eingepfercht durch hohe Mauern, dürfen nicht ‘raus, nicht „mal eben“ in Nachbarorte, um dort „shoppen“ oder arbeiten zu gehen, überall Grenzen. Schießbefehl.
Wir müssen Alles, was wir zum Leben benötigen, auf unserem kleinen Raum anbauen. Nicht zu vergessen, dass über zwei Drittel unseres Landes aus Sand, Dünen und Steinen bestehen, auf denen wir nichts anpflanzen können ...
Wir dürfen keine Auswärtigen heiraten (wie denn auch, wenn wir nicht ‘raus können), haben nur sechs Stunden lang Strom, dürfen kein Taxi fahren, keine offizielle Arbeiten ausführen, eigentlich „nur leben“, aber dies möglichst still und ruhig.

Wer von uns würde dies über Jahrzehnte schaffen ohne auch nur einmal „aufzumucken“ und ein paar heimliche Tunnel zur Nachbarstadt zu graben, um dort wenigstens an andere Dinge des täglichen Lebens heran zu kommen? - Wer von uns wäre zufrieden damit, von dem zu leben, was ihm andere überlassen? - Wer von uns würde nicht irgendwann ausbrechen wollen?

„Es gibt so viele Menschen in Deutschland, die für die eingesperrten Tiere auf die Straße gehen,“ meint Ali traurig, „doch das Leben von eingesperrten Menschen im Gazastreifen ist den meisten egal - weil dieser Konflikt ja schon seit Jahrzehnten besteht und einfach nur noch stört, dabei sind wir gar nicht gegen Israel, sondern wir möchten einfach nur Frieden und keine Mauern mehr um uns herum ertragen müssen.“

Autor:

Monika Schwarz aus Ennepetal

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