Gruppe 3+ hat sich mit Edelgard Stryzewski-Dullien und Ines Gauchel zwei spannende Gäste eingeladen
Kunst im Kotten: Ab Sonntag im Steenkamp Hof am Reuenberg

Herbert Oettgen, Manfred Boting und Wilfried Rothmann sind die festen Mitglieder der Künstlergruppe 3+
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  • Herbert Oettgen, Manfred Boting und Wilfried Rothmann sind die festen Mitglieder der Künstlergruppe 3+
  • Foto: Debus-Gohl
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Wundertüten - beziehungsweise ihr Inhalt - sind immer für eine Überraschung gut. Darin unterscheidet sie nichts von den Ausstellungskonzepten der Borbecker Künstlergruppe 3+. Alle zwei Jahre zeigen Manfred Boiting, Herbert Oettgen und Wilfried Rothmann eine Auswahl ihrer Werke im Steenkamp Hof am Reuenberg. Und laden sich getreu ihres Gruppennamens ausgewählte Mitaussteller ein. In diesem Jahr sind dies Ines Gauchel und Edelgard Stryzewski-Dullien. Eröffnet wird die Wundertüte voll mit Kunst am Sonntag, 11. August.

Es ist nicht nur die unterschiedliche Herangehensweise der beteiligten Künstler, die für Spannung sorgt. "Wir haben in diesem Jahr kein Motto", verrät Wilfried Rothmann. Dennoch zieht sich das Thema Teilhabe wie ein roter Faden durch die gesamte Präsentation.

"Flüchtlingsthema hat mich bewegt"

Bei Ines Gauchel ist das durchaus mit einem Appell für mehr Mitmenschlichkeit verbunden. "Das Flüchtlingsthema hat mich bewegt", verrät die Autodidaktin, die sich komplett der geometrischen Abstraktion verschrieben hat. Es ist der Kreis, den Gauchel als Symbol für Teilhabe bearbeitet: Geschlossen, indem er Anderes ausgrenzt, geöffnet, als Zeichen für Toleranz und die Bereitschaft, etwas von dem Vorhandenen abzugeben.  Die Gelsenkirchenerin spielt mit der Spannung zwischen Begrenzung und Durchlässigkeit, setzt auf klare Strukturen und reduzierte Farbe: Außer Schwarz, Weiß und Grau gibt es in ihren Werken einzig ein kräftiges Rot. 

"Ich liebe diesen Raum einfach"

Edelgard Stryzewski-Dullien ist keine Unbekannte im Steenkamp Hof. "Ich liebe diesen Raum einfach", verrät die in Steele lebende Künstlerin. Zum nunmehr dritten Mal ist sie eines der Plus-Mitglieder, das Boting, Oettgen und Rothmann zum Mitmachen eingeladen haben. Für ihre Rauminstallationen findet Stryzewski-Dullien in der Scheune der historischen Hofanlage beste Bedingungen. "Die sind oftmals so noch nicht einmal in Kirchen gegeben." 
Diesmal ist sie mit drei Engeln zu Gast am Steenkamp Hof.

Drei von dreizehn sind schon fertig

Die Fotografien sind auf 1.60 mal 1.20 große Stücke  Fahnenstoff gezogenen. Sie stammen aus Dänemark, zeigen drei der 13 Engel, die die Künstlerin vor Jahren in die Balken eines Denkmal geschützten Bauernhofs geritzt, gekratzt und gemalt hat. "Ich war mit Freunden dort, der Hof wurde gerade restauriert. Die Balken sollten eigentlich noch geschwärzt werden. Deshalb durfte ich Hand anlegen." Dem Besitzer haben die Engel aber wohl so gut gefallen, "dass Freunde sie fünf Jahre später noch immer angetroffen und bei dieser Gelegenheit fotografiert haben." Die ersten drei Engel sind auf Fahnenstoff gebannt. "Die anderen sollen folgen", verspricht Stryzewski-Dullien. 

Geburtstagsbild mit Paniermehlkruste

Etwas von Wundertüte haben auch die festen Mitglieder der Gruppe 3+. Stillstand - so scheint es - ist ein Begriff, mit dem keiner der Drei sich identifizieren kann. Manfred Boiting zeigt sich in seinen Arbeiten gewohnt emotional. Wie das eigene Leben, so verändert sich auch seine Kunst. Der Borbecker hat in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert und dieses Ereignis zum Thema eines seiner Werke gemacht. Der Künstler, der gerne mit Sand, Salz oder Asche arbeitet, hat diesmal Paniermehl als Werkstoff gewählt. Entstanden ist eine offenporige Oberfläche, die an eine Brotkruste erinnert. Ganz bewusst. "Als Kind habe ich erfahren, wie wichtig Brot ist. Wir hatten keins und wären fast verhungert." Starke Inhalte, minimalistisch umgesetzt. Die Sprache, die Boiting in seinen Werken spricht, ist kraftvoll und klar. Die Inhalte sind immer wieder neu.

Expressive Landschaften

Wilfried Rothmann mag es expressiv. In Punkto Farbe und Form. "Obwohl es bei meinen aktuellen Arbeiten eher die Farbe ist, die den Ausschlag gibt." Der gebürtige Eisenacher hat sein Geld als Grafik-Designer verdient. Davon zeugen seine abstrakten Landschaften. Die suggerieren dem Auge des Betrachters Tiefe und Strukturen, die Rothmann allerdings einzig durch das Zusammenspiel der Farben erzeugt.

Monochrome Stärke

Welch ein Kraftpotenzial ein monochromes Rot oder Gelb besitzt, das weiß auch Herbert Oettgen zu demonstrieren. Dem Borbecker ist die Fläche aber nicht genug, er liebt Ausflüge ins Dreidimensionale. Auch bei der Wahl der Materialien durchbricht er gerne Grenzen. "Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler. Vieles von dem, was ich zusammengetragen habe, findet sich in veränderter Form später in meinen Collagen und Objekten wieder."

Herbert Oettgen, Manfred Boting und Wilfried Rothmann sind die festen Mitglieder der Künstlergruppe 3+
Engelfahnen und streng geometrische Formen - das bringen die diesjährigen Gastkünstlerinnen Ines Gauchel (l.) und Edelgard Stryzewski-Dullien mit in das Ausstellungskonzept ein.
Autor:

Christa Herlinger aus Essen-Borbeck

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