Auch Pächter sind überrascht von der Entwicklung - Grund eine Gesetzesänderung?
Autofahrer müssen für Biokraftstoff tiefer in die Tasche greifen

Warum, wieso, weshalb der E10 Kraftstoff seit Tagen nahezu überall zum gleichen Preis wie E5 zu bekommen ist - diese Frage konnten uns auch Tankstellenbetreiber nicht beantworten.
  • Warum, wieso, weshalb der E10 Kraftstoff seit Tagen nahezu überall zum gleichen Preis wie E5 zu bekommen ist - diese Frage konnten uns auch Tankstellenbetreiber nicht beantworten.
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Die Frage nach E10 oder herkömmlichem Super (E5) hat sich oftmals mit Blick auf die Preistafel an der Tankstelle entschieden. Denn viele Jahre war es normal, dass der Bio-Kraftstoff einige Cent günstiger zu tanken war als der gängige Super-Kraftstoff. Doch die Zeiten scheinen vorbei. Seit Tagen sind die Preise an vielen Tankstellen völlig identisch.

von Christa Herlinger

Die Verunsicherung bei den Verbrauchern ist groß, vielen Autofahrern stößt die unerwartete „Preisangleichung“ sauer auf. Aber auch die Tankstellenbetreiber verstehen die Welt nicht mehr. „Wir wissen nichts“ - so die immer gleiche Antwort, die wir auf unsere Nachfrage erhalten.
In Borbeck ist es seit Mitte vergangener Woche egal, an welcher (Super)Zapfsäule man hält. Ob freie Tankstelle oder eine der Markenanbieter: es kostet zumeist das Gleiche.

Preise ändern sich oft mehrfach am Tag

Auf die Preisgestaltung haben die Betreiber vor Ort keinerlei Einfluss: „Die Preise werden online eingespielt“, erklärt ein Pächter. „Ich kann gerade ehrlicherweise gar nicht sagen, welcher Kraftstoff aktuell was kostet.“ Mehrfache Preisänderungen im Laufe der Öffnungszeiten sind für Kunden wie Tankstellenbetreiber an der Tagesordnung.
Die Nachfrage nach dem seit 2011 erhältlichen Bio-Sprit, der durch den Anteil von bis zu zehn Prozent einen geringeren Energiegehalt als der E5 Kraftstoff hat, ist im Jahr 2018 nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) zwar um drei Prozent gestiegen.

E10 soll umweltverträglicher sein

„Doch an den Zapfsäulen greifen immer noch deutlich mehr Autofahrer zum gängigen Sprit“, verrät ein Tankstellenbetreiber. Auf mehr als drei Prozent komme er an seiner Station in Sachen E10 meist nicht hinaus. Dabei soll der Bio-Sprit umweltverträglicher sein. Eine flächendeckende E10-Nutzung, so argumentiert die Bioethanol-Lobby, könne rund 3,1 Millionen Tonnen pro Jahr an CO2-Emissionen einsparen. Das entspreche im Effekt dem Einsatz einer Million Elektroautos.

Bei guten Preisen kommen mehr Kunden

Doch ob bei den Verbrauchern bei gleichen Preisen der Umweltaspekt den Ausschlag gibt und sie zum E10-Zapfhahn greifen lässt, bleibt abzuwarten. „Grundsätzlich folgt die Preisentwicklung an Tankstellen den Gesetzen des Marktes: Wenn man Kraftstoff günstiger anbietet, kommen mehr Kunden und man kann höhere Umsätze erzielen“, versucht Niels Wick, Pressereferent der Jet Tankstellen Deutschland GmbH, sich an einer Erklärung für die aktuelle Preisentwicklung.
Aus diesem Grund befänden sich die Tankstellen in Deutschland ständig in einem harten Wettbewerb um günstigere Preise für die einzelnen Kraftstoffsorten. Zugleich geben die aktuellen Beschaffungs- und Einstandspreise die Grenzen für diesen Wettbewerb vor.

Neue Preise aufgrund neuer Gesetze?

Ein weiterer Grund für die Preissteigerung bei E10 kann eine Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sein. Darin ist festgeschrieben, dass nun sechs Prozent der Treibhausemissionen im Verkehr durch Biokraftstoffe und andere Erfüllungsoptionen (§ 37a BImSchG, 38. BImSchV) eingespart werden sollen.
Für die Mineralölkonzerne bedeutet dies: Es ist mehr Umsatz bei den Biokraftstoffen gefordert. Mehr Verkaufen bedeutet aber nicht unbedingt, dass sich die Verbraucher freuen dürfen, die neue Verordnung automatisch zu einer Preissenkung oder -stabilisierung bei den E10-Kraftstoffen führen muss. Leider ist auch hier ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ausschlaggebend: Je größer die Nachfrage nach Bioethanol desto höher klettern auch die Preise für den daraus produzierten Biokraftstoff. Und nicht nur der deutsche Markt benötigt mehr. Auch europäische Nachbarländer wie die Niederlande, Luxemburg oder Frankreich legen nach.

Preisunterschiede wird es wieder geben

Was mit den Preisen passiert, ist bislang nur Kaffeesatzleserei. Experten vermuten allerdings, dass schon bald wieder Unterschiede an den Zapfsäulen gelten werden Das geht ganz einfach: Bei E5 wird preislich aufgesattelt, dann wird das als weniger umweltschädlich geltende E10 automatisch wieder attraktiver.

Autor:

Lokalkompass Borbeck aus Essen-Borbeck

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