Inbetriebnahme und Erweiterung der Bergeborbecker Abfallanlage erhitzt Gemüter
Schlamm soll verbrannt werden

Fragwürdiger Verkehr: Die LKW-Situation auf der sowieso belasteten Hafenstraße würde sich weiter verschlimmern. Symbolfoto: Bütefür
  • Fragwürdiger Verkehr: Die LKW-Situation auf der sowieso belasteten Hafenstraße würde sich weiter verschlimmern. Symbolfoto: Bütefür
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Die Gerüchteküche brodelt: Auf dem Gelände Am Stadthafen 33 könnte eine stillgelegte Abfallentsorgungsanlage wieder in Betrieb genommen werden, gleich noch die doppelte Menge an Immissionen ausstoßen und bald Stoffe wie Klär- und Industrieschlamm verbrennen. Die Fraktionen SPD und B90/Die Grünen in der Bezirksvertretung IV lehnen den Vorstoß strikt ab und fordern klare Kante von Rat und Stadtverwaltung.

„Wir werden ziemlich im Regen stehen gelassen“, spielt Ulrich Schulte-Wieschen, SPD-Fraktionsvorsitzender in der BV IV, auf die mageren Informationen zum Thema Wiederinbetriebnahme an. Zurzeit liegt als offizielles Dokument lediglich eine Vorlage der Verwaltung vor, die sich wiederum auf ein einzelnes Untersuchungsformular der Bezirksregierung Düsseldorf bezieht.

Schwermetall neben dem Umweltboulevard

Die EVA GmbH & Co KG – ein Unternehmen von Harmuth Entsorgung und Lobbe Entsorgung West – beabsichtigt, die vorübergehend vom Netz genommene Abfallverbrennungsanlage am Standort Am Stadthafen 33 in Bergeborbeck wieder in Betrieb zu nehmen. Bis 2014 wurden dort von Harmuth eigene Restabfälle, wie Holz, Papier, Kunststoff und Textilien, verheizt. Das damalige Jahreslimit von gedeckelten 27.000 Tonnen soll jetzt auf gut 50.000 hochgeschraubt werden, stündlich von knapp 4.000 Kilogramm auf circa 8.600. Zusätzlich ist geplant, unter anderem Abfälle aus der Altöl- und Ölabscheiderrückstandsaufbereitung sowie Klärschlämme anzunehmen und zu verbrennen.
„Jeder weiß, dass Klärschlämme nicht unbelastet sind“, ist SPD-Fraktionsvorsitzender Schulte-Wieschen dem Vorhaben gegenüber skeptisch. Zum Teil könnten die Schlämme mit Schwermetall belastet sein. Ein weiteres Problem sei, dass die Anlage der Firma Hartmuth für Stoffe wie Altölrückstände gar nicht geeignet sei. Schon das nur wenige Kilometer Luftlinie entfernte Heizwerk in Karnap habe viel bessere Filtersysteme. Zudem würde sich die sowieso schon angespannte Situation des Schwerlastverkehrs auf der Hafenstraße mit der Anlieferung von weiteren 50.000 Tonnen pro Jahr erheblich verschlimmern. Gerade in Zeiten von Dieselfahrverboten sei eine solche Ausweitung des Verkehrs mehr als fragwürdig, genauso wie die Nähe zum Modellprojekt „Freiheit Emscher“: „Da wird von einem Umweltboulevard erzählt, auf dem nur noch Fahrräder und Elektrofahrzeuge unterwegs sein dürfen, und ein Stückchen weiter soll die Kapazität erweitert werden“, fasst Schulte-Wieschen einige der Bedenken zusammen.

Forderung an Rat und Verwaltung

Bisher gibt es keinen Zeitplan für die Maßnahme. Im Juni letzten Jahres gab es einen ersten Untersuchungstermin mit der Verwaltung, Anfang November wurde im Umweltausschuss mündlich über das Vorhaben informiert. Wann der nächste Schritt, der Eingang des immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsantrages, folgt, steht nicht fest. Danach sind die Bezirksvertretungen und die Öffentlichkeit gefragt: „Wir können das nicht entscheiden“, macht der SPD-Fraktionschef Gegnern der Reaktivierung keine falschen Hoffnungen, „aber wir fordern Rat, Verwaltung und Umweltamt auf, dass die an dieser Stelle sagen: Wir wollen das nicht.“
Wie sich die übrigen Fraktionen in dieser frühen Phase positionieren, zeigt sich kommenden Dienstag, 12. Februar, ab 17 Uhr im Residenzsaal von Schloß Borbeck, Schloßstraße 101 bis 103, auf der 37. Sitzung der Bezirksvertretung IV. Gesprächsbedarf gibt‘s garantiert.

Autor:

Alexander Müller aus Essen-Borbeck

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