Nach kontroversen Diskussionen passt Stadtverwaltung ihre Pläne an
Fahrradstraße auf der Rü kommt - doch modaler Filter erst nach einem Jahr

Kompromiss gefunden? Der modale Filter mit seinen Abbiegeverboten für den Durchgangsverkehr kommt zunächst einmal nicht.
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  • Kompromiss gefunden? Der modale Filter mit seinen Abbiegeverboten für den Durchgangsverkehr kommt zunächst einmal nicht.
  • Foto: Foto: Patrick Opierzynski, Stadt Essen
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Der Handel hat ein Veto eingelegt und auch bei Terminen mit Interessenverbänden, in den interfraktionellen Arbeitskreisen und nicht zuletzt bei der Öffentlichkeitsveranstaltung im Ratssaal wurden Bedenken laut. Doch die Fahrradstraße auf der Rü kommt, nur nicht in der Form, wie ursprünglich geplant.

Fest steht: Auf der Rüttenscheider Straße soll eine Fahrradstraße entstehen, die sich künftig im Abschnitt zwischen der Baumstraße im Norden und der Einigkeitstraße im Süden erstrecken soll.
Doch es gibt eine gravierende Planänderung: Demnach soll der zunächst geplante modale Filter an der Martin- beziehungsweise Klarastraße zunächst hintenangestellt werden. Ursprünglich hatten die Planungen vorgesehen, den Durchgangsverkehr auf der Rüttenscheider Straße im Abschnitt zwischen der Martinstraße und dem Rüttenscheider Stern mit einem Abbiegegebot zu regulieren. Demzufolge hätte der aus Süden kommende Autoverkehr an der Martinstraße sowie aus Norden kommende Autos am Rüttenscheider Stern durch diese Regelung nicht mehr geradeaus in den besagten Bereich einfahren können.

Durchgangsverkehr soll weniger werden

Jetzt wird mit der Errichtung der Fahrradstraße auf der Rüttenscheider Straße begonnen, der modale Filter wird erst nach einer Evaluation nach einem Jahr umgesetzt -  sofern es zu keiner Verringerung des Durchgangsverkehrs kommt.

Was genau ist geplant?

Planungsbestandteile im Überblick:  Nach aktuellem Stand sehen die Planungen für die Fahrradstraße auf der Rü vor, die aktuelle Fahrbahn zu erhalten und vom nördlichen Punkt ausgehend ab der Kreuzung Baumstraße in Richtung Süden eine Fahrradstraße einzurichten. An unsignalisierten Kreuzungen erhalten die Verkehrsteilnehmer auf der Fahrradstraße Vorfahrt, was durch eine entsprechende Beschilderung kenntlich gemacht werden soll.

An bestimmten Ampelkreuzungen sehen die Planungen gesonderte Aufstellflächen für den Radverkehr vor. Die ermöglichen es den Radfahrern, sich vor dem Autoverkehr aufzustellen und bei Grün zuerst losfahren zu können. Diese Aufstellflächen sind sowohl am Knotenpunkt Klarastraße/Zweigertstraße sowie Martinstraße/Franziskastraße als auch an der Kreuzung Kahrstraße/Witteringstraße vorgesehen.

Was passiert mit den Parkplätzen?

Im Zuge der Umsetzung der Fahrradstraße werden laut Planungen etwa 3 Prozent der Kfz-Stellplätzen entfallen - insgesamt 13 von 377. Darüber hinaus soll der aktuell bestehende Bordsteinradweg im Zuge der Realisierung der Fahrradstraße entfallen, was eine Verbreiterung des Fußgängerweges auf beiden Seiten der Rüttenscheider Straße bedeutet.

Rahmenbedingungen und Verkehrsbelastung auf der Rü: Täglich fahren rund 6.000 Autos auf der Rüttenscheider Straße, im Kernbereich zwischen Martin- und Klarastraße liegt der Anteil des reinen Durchgangsverkehrs bei rund 40 Prozent in Nord-Süd-Richtung und etwa 50 Prozent in Süd-Nord-Richtung. Zudem verkehren auf der Rü die Buslinie 142 sowie der Nachtbus NE 8. Der aktuelle Anteil des Radverkehrs liegt zwischen 25 und 30 Prozent.

Was sagen die Nutzergruppen?

Eine Befragung, welche Ende August 2019 durchgeführt wurde, gewährte Einblicke aus der Perspektive verschiedener Nutzergruppen. Demnach wurde die Qualität der Rüttenscheider Straße von 66 Prozent der Radfahrenden als ausreichend oder mangelhaft bewertet, 70 Prozent der Autofahrenden bewerteten genauso schlecht. Als Gründe hierfür wurden von Autofahrern vor allem zu viel Verkehr (37 Prozent) und bei Radfahrern besonders zu schmale Radwege (22 Prozent) genannt.
Darüber hinaus gaben aber auch 64 Prozent der Autofahrenden, 68 Prozent der Radfahrenden als auch 50 Prozent der Fußgänger an, häufiger das Rad nutzen zu wollen, wenn es mehr Fahrradstraße im Essener Stadtgebiet geben würde.
Insgesamt handelt es sich bei der Befragung um keine repräsentative Umfrage. Pro Gruppe, sprich Auto- und Radfahrenden sowie Fußgängerinnen und Fußgänger, wurden jeweils 50 Personen befragt.

Was kostet das Ganze?

Die Kosten für die Straßenbau-, Markierungs- sowie Beschilderungsmaßnahmen für die Umsetzung der Fahrradachse B in der Rüttenscheider Straße betragen voraussichtlich 324.000 Euro. Gedeckt werden diese aus Mitteln des Bundesförderungsprogramms "Saubere Luft" (Lead City) in Höhe von 107.000 Euro sowie Mitteln aus den städtischen, eigenfinanzierten Töpfen für "Radwege an Hauptverkehrsstraße" sowie "Erneuerung von Nebenstraßen" in Höhe von 120.000 Euro bzw. 97.000 Euro.

Wann wird entschieden?

Die Entscheidung über die beschriebenen Planungen fällt nach Anhörung der Bezirksvertretungen für die Stadtbezirke I und II am 26. März im Bau- und Verkehrsausschuss. Es ist vorgesehen, die Fahrradstraße auf der Rüttenscheider Straße im September/ Oktober 2020 in Betrieb zu nehmen.

Kompromiss gefunden? Der modale Filter mit seinen Abbiegeverboten für den Durchgangsverkehr kommt zunächst einmal nicht.
Die Fahrradstraße in Rüttenscheid kommt. Allerdings wurden die Pläne jetzt noch einmal verändert.
Autor:

Christa Herlinger aus Essen-Borbeck

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