In die eigenen vier Wände: Barrierefreies Wohnen in Bochold

Vorher Pfarrhaus, bald integratives Wohnen: Vor Kurzem wurde der Abriss an der Theodor-Hartz-Straße fertiggestellt, jetzt naht der erste Spatenstich. Foto: Debus-Gohl
  • Vorher Pfarrhaus, bald integratives Wohnen: Vor Kurzem wurde der Abriss an der Theodor-Hartz-Straße fertiggestellt, jetzt naht der erste Spatenstich. Foto: Debus-Gohl
  • hochgeladen von Alexander Müller

Den Sprung in die Selbstständigkeit und den ersten Schritt in die eigenen vier Wände wagen im kommenden Jahr zwölf junge Menschen aus Borbeck mit geistigen und körperlichen Behinderungen. An die Stelle des leerstehenden Pfarrhauses der Kirche St. Johannes Bosco kommt eine Doppelhaushälfte für betreutes, barrierefreies Wohnen. Auf den Abriss folgt in der kommenden Woche der erste Spatenstich, Anfang Mai ist zur Grundsteinlegung ein Fest geplant.

„Jeder Mensch hat ein Recht auf Eigenständigkeit“, findet Angelika Steinfurth, Geschäftsführerin des Integrationsmodells Essen (IM) e.V. Gegründet wurde der Verein 1971 unter dem Motto „miteinander leben lernen“, Initiator Hartmut Bartsch bringt die Idee vier Jahre später nach Essen. Hier steht integratives Wohnen im Mittelpunkt. Neben Einzel- und Paarwohnungen hat das Integrationsmodell inzwischen 17 Standorte. Ein neuer soll im nächsten Jahr an der Theodor-Hartz-Straße in Bochold hinzukommen.

Snoozelraum oder Disko?

Bis vor Kurzem stand dort noch das nicht genutzte Pfarrhaus der Kirche St. Johannes Bosco, das Integrationsmodell hat das Grundstück am 1. Dezember 2015 durch Unterstützung der Stiftung Wohlfahrtspflege, der Stiftung Alten-, Behinderten- und Jugendförderung der Sparkasse Essen sowie der Aktion Mensch übernommen. „Objekte werden dort gesucht, wo sich interessierte Menschen finden“, erklärt IM-Geschäftsführerin Steinfurth. So besuchen beispielsweise einige der zukünftigen Bewohner regelmäßig den Freizeittreff der Tanzgruppe „Flotte Socken“.
„Die Menschen werden sich zwar einen gemeinsamen Wohnbereich teilen, aber jeder hat für sich ein eigenes Appartement mit Bad“, berichtet Steinfurth. Das Gebäude ist wie eine Doppelhaushälfte angelegt, im Erdgeschoss werden die beiden Wohngruppen aber nur durch eine Schiebetür getrennt, so dass der Raum für etwaige Großveranstaltungen erweitert werden kann. Gleichzeitig hat jede der Gruppen eine eigene Küche. Im Keller gibt’s Wasch- und Hobbyraum: „Der kann beispielsweise für eine Fete oder gemeinsame Bastelaktionen genutzt werden – was gewollt und gewünscht ist!“ Heißer Kandidat ist ein Snoozelraum zur Entspannung, andere Standorte haben hier sogar eine kleine Disko. Terrasse und Garten schließlich laden im Sommer zur gemeinsamen Nutzung ein.

Hoffnung auf Borbecker Bürger

Während zwei der zukünftigen Bewohner bereits die 30 überschritten haben, ist der Rest erst Anfang 20. „Die meisten kommen aus ihrem Elternhaus direkt in die eigene Wohnung“, weiß Steinfurth. „Die Ablösung ist für die Eltern oft viel schwieriger als für die Kinder.“ Aktuell befinden sich die zwölf jungen Menschen in Wohntrainings, werden auf den Alltag in den eigenen vier Wänden vorbereitet: „Wir gucken gezielt: Was wird anders? Was muss ich lernen?“, erklärt die Integrationsmodell-Geschäftsführerin. Wie dann die Betreuung vor Ort aussieht, wird einfach ausprobiert und im Einzelfall geklärt: „Das ist sehr unterschiedlich.“
Zwar richten die Bewohner ihre Wohnung selbst ein, für Ausstattung und Möblierung der Gemeinschaftsräume und Küche braucht das Integrationsmodell aber noch Spenden und setzt deshalb seine Hoffnungen auf die Borbecker Bürger. Zusätzliche Infos gibt’s entweder unter 8 10 53 50 oder auf im-essen.de.

Autor:

Alexander Müller aus Essen-Borbeck

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