Land unter! Im Mühlengrund fürchten Anwohner um ihre Fundamente

Gefahr Grundwasser: Die Anwohner Jürgen Schmidt und Irina Gerdes sorgen sich um weitere Schäden. Fotos: Müller
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  • Gefahr Grundwasser: Die Anwohner Jürgen Schmidt und Irina Gerdes sorgen sich um weitere Schäden. Fotos: Müller
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Zu Beginn zogen sich die Risse nur von der Baustelle zum Straßenrand, jetzt kippt hier ein ganzes Stück Garten ab, springt dort eine vollbetonierte Treppe auf. Anfang des Jahres starteten die Stadtwerke Essen in der Mühlenaue 16/18 ihre auf 28 Monate ausgelegte Kanalbaumaßnahme bis zur Bocholder Straße. Durch den hohen Grundwasserspiegel drohen jetzt die Fundamente der Häuser abzusacken.

„Der Boden hier ist wie Pudding“, kennt Jürgen Schmidt, Hauseigentümer im Mühlengrund, die Problematik. So gut wie alle Anwohner von Mühlengrund und Mühlenaue hatten bereits mit dem hohen Grundwasser in der Gegend zu kämpfen, Schmidts Nachbar beispielsweise musste eine Bodenwanne unters Fundament ziehen, damit der Keller trocken bleibt. Bemerkbar machte sich dieser Umstand wieder Anfang 2017, als die Stadtwerke Essen ihre Kanalbauarbeiten begannen.

Furcht vor Rissen im Fundament

Im Zuge der Maßnahme werden die bisherigen Rohre mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern durch neue im Umfang von 1,20 Metern ersetzt. Schon in ihrem Antrag an die Bezirksvertretung IV aus dem August 2015 rechneten die Stadtwerke mit „schwierigen Baugrundverhältnissen“ – die Sorge hat sich bestätigt. Das Grundwasser findet sich bereits nach zwei Metern, das Versorgungsunternehmen stößt aber bis auf sechs Meter runter: „Nach Auskunft der Bauarbeiter ist das Erdreich in dieser Tiefe butterweich und unterläuft die Abstützmaßnahmen“, berichtet Anwohnerin Irina Gerdes. Die konkrete Angst: „Wir befürchten, dass Risse im Fundament der Häuser entstehen.“ Nur in einem Fall hinterlassen die Arbeiten bisher Spuren im Haus, doch entlang der Straße gibt’s unzählige Schäden. An einigen Stellen sind beispielsweise Teile der Gärten abgesackt, eine Treppe ist ebenfalls aufgesprungen. Schlimmere Folgen könnte der Kanalbau im Mühlengrund haben, dort ist die Bebauung enger: „Das Problem hat hier in der Mühlenaue auch erst an Stellen angefangen, an denen die Häuser näher an der Straße sind“, so Gerdes.

Bis auf den Millimeter

„Von den Platzverhältnissen her ist die Mühlenaue eigentlich der schwierigste Teil“, betont dagegen Boris Keppel, Bauleiter der Maßnahme Mühlenaue/Mühlengrund/Bocholder Straße. Im Anfangsbereich habe es kaum Probleme gegeben, erst in den letzten zwei Wochen sei eine nicht absehbare Baugrundsituation entstanden: „Hier hatten wir einen entsprechend hohen Grundwasserandrang und Schäden an Gehwegen, Mauern und im Vorgartenbereich“, erläutert Bauleiter Keppel. Seitdem installieren die Stadtwerke Höhen- und Lagerpunkte an den Häusern, mit denen sich bis auf Millimeter feststellen lässt, ob Schäden entstehen.
Gleichzeitig wird das Grundwasser nun kontinuierlich abgepumpt. Es bestehe keine Gefahr, dass zusätzliche Verschiebungen im Erdreich die Folge sind: „Davon ist nicht auszugehen, weil wir das Grundwasser nicht längerfristig abziehen“, weiß Christin Nottenbohm, Pressesprecherin der Stadtwerke Essen. Weitere Schäden seien ebenfalls nicht zu erwarten. Zwar komme es im Mühlengrund zu einer neuerlichen Verengung der Straße, doch hier sei nicht mit einem so starken Grundwasserandrang zu rechnen.
Zusätzlich haben die Stadtwerke gestern eine Antwort auf ein Beschwerdeschreiben von über 50 Familien in Mühlengrund und -aue verschickt: „Dann sind die Anwohner etwas beruhigt“, erläutert Stadtwerke-Pressesprecherin Nottenbohm.

Autor:

Alexander Müller aus Essen-Borbeck

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