Russisch lernen bei Katharina der Großen

Die Schülerinnen durften auch Sylvia Löhrmann (r.), Ministerin für Schule und Weiterbildung, begrüßen.
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  • Die Schülerinnen durften auch Sylvia Löhrmann (r.), Ministerin für Schule und Weiterbildung, begrüßen.
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Mehr als zwei Jahre haben sich die Schülerinnen am Mädchengymnasium Borbeck beim Projekt Frauenzimmer mit den Lebensgeschichten außergewöhnlicher Frauen beschäftigt. Nun präsentierten die Schülerinnen die Ergebnisse ihrer Arbeit. Mit Hilfe von Sponsoren sollen die Räume bald auch künstlerisch umgestaltet werden.

In welchem Raum haben wir noch gleich Unterricht? Generationen von Schülern bewegte diese Frage beim täglichen Betreten des Schulhauses. Glücklicherweise fand sich immer schnell ein Mitschüler, der mit einer oft sperrigen Raumnummer wie 259c aushalf. Am Mädchengymnasium Borbeck (MGB) tragen einige Fachräume jedoch nun statt Nummern die Namen 31 berühmter Frauen, die auf dem entsprechenden Fachgebiet gewirkt haben. Außerdem erinnern Urkunden neben den Raumtüren an deren Lebensleistungen. So ist man im Kunstunterricht auf den Spuren der Essener Malerin und Grafikerin Ilse Straeter unterwegs, oder lernt Russisch bei niemand Geringerem als Zarin Katharina der Großen.

Bei der feierlichen Präsentation in der Aula zeigte sich Schulleiterin Katy Wenning beeindruckt vom Engagement und der Eigeninitiative ihrer Schülerinnen. Diese seien seit zwei Jahren Mittelpunkt und Vorantreiber des Projekts. „Die Schilder neben den Türen sollen auch bei den Mitschülern Neugier auf die Biographien der 31 Persönlichkeiten wecken“, berichtet Katy Wenning. Deswegen gebe es auch auf jeder Urkunde eine kurze Zusammenfassung der Lebensgeschichte der entsprechenden Frau, die meist auch Bezugspunkte zu Essen hätte. Angebracht wurden die Steckbriefe von Bekannten der Namensgeberin oder Vertretern aus Politik, Kultur sowie der Schulgemeinschaft.

"Dann schaffen wir das doch auch"

„Das Projekt ist ein wichtiger praktischer Schritt, denn Frauen brauchen Vorbilder“ lobte Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung sowie stellvertretende Ministerpräsidentin in NRW, die Frauenzimmer. Das Land brauche mehr Frauen in der ersten Reihe, forderte die Landespolitikerin, die sich freute, die Urkunde der Schauspielerin und Journalistin Anneliese Uhlig, einer gebürtigen Essenerin, vor der Aula anzubringen. Auch Oberbürgermeister Reinhard Paß weihte einen Raum unter neuem Namen ein: Seine Wahl fiel auf die 1977 verstorbene Mathematikerin Ruth Moufang. „Unsere Stadtgeschichte ist mit vielen willensstarken Frauen verknüpft“, erinnerte er an die Äbtissinnen des Frauenstifts Essen. Das Projekt Frauenzimmer am einzigen öffentlichen Mädchengymnasium in NRW verdiene große Anerkennung, so Reinard Paß.

Anschließend gaben die Schülerinnen auf der Bühne einen kurzen Überblick über die Geschichten hinter den 31 Frauenzimmern. So steht der Erdkunde- und Geschichtsraum nun im Zeichen der Durchsetzungskraft der Essener Pilotin Thea Rasche, die in den Zwanziger Jahren mit Kunstflugfiguren sogar rund um die New Yorker Freiheitsstatue für Furore sorgte – trotz des Widerstandes ihres Vaters. „Wenn die anderen Frauen es geschafft haben, so viele Hindernisse zu überwinden, dann schaffen wir das doch auch“, zeigen sich die Schülerinnen selbstbewusst. Auch Ulrich Görtz, Dekan der Fakultät für Mathematik an der Universität Duisburg-Essen, unterstützte das Projekt, indem er einen Raum nach der Mathematikerin Emmy Noether, bereits Namensgeberin vieler mathematischer Sätze, umbenannte. „Die Grundlagen ihrer Arbeit kommen auch in meinen Vorlesungen noch vor.“

Das Projekt ist noch nicht zu Ende

Auch die Schülerinnen hatten Spaß bei der Recherche der Lebensgeschichten, die sie bis ins Stadtarchiv führte. „Wir haben vor zwei Jahren begonnen, im Unterricht Referate über die Lebensgeschichte interessanter Frauen zu halten“, berichtet Zehntklässlerin Dana Rudis. Anschließend haben man sich dann gemeinsam aus jeweils drei Präsentationen für eine Persönlichkeit entschieden. Man habe die ausgewählten Frauen auch um Einverständnis für die Namensgebung gebeten. „Die Resonanz der Frauen war durchweg positiv und überwältigend, eine tolle Erfahrung für die Mädchen.“, sagt Politiklehrerin und Leiterin des Projekts Gabriele Rüken-Hennes. So antwortete die seit 1948 in den USA lebende Schauspielerin und Journalistin Anneliese Uhlig, dass es eine große Ehre sei, Namensgeberin einer Aula in ihrer Heimatstadt zu sein.

Doch das Projekt ist noch nicht ganz zu Ende: „Wir suchen weitere Sponsoren, um die Räume, entsprechend den verschiedenen Persönlichkeiten, umzugestalten“, eröffnet Gabriele Rüken-Hennes. Dazu hätten die Schülerinnen schon kleine Modelle in Schuhkartons erstellt, um zu zeigen wie ein Melinda-Gates-Informatikraum oder der Chemieraum von Hildegard Hamm-Brücher konkret aussehen könnte. Die Turnhalle mit der Fußball-Nationalspielerin Linda Bresonik als Namensgeberin soll, so ein Vorschlag, an der Decke als grün-weißes Fußballfeld angestrichen werden. Auch die ehemalige Schulleiterin Elisabeth Gemein unterstützt das Projekt weiterhin als Schirmherrin. „Frauenzimmer hilft, ein Vorbild für die eigene Entwicklung zu finden“, glaubt Elisabeth Gemein.

Autor:

Johannes Gläser aus Essen-Nord

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