"Essen packt an" organisiert Anlaufstelle für Obdachlose in der I. Weberstraße
Einsatz nach Orkantief "Sabine": Hilfe diesmal ohne Kettensäge und Schutzhelm

Nach Ela waren die Teams von "Essen packt an" viele Wochen lang mit Kettensägen im Einsatz, unterstützten Feuerwehr und THW.
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  • Nach Ela waren die Teams von "Essen packt an" viele Wochen lang mit Kettensägen im Einsatz, unterstützten Feuerwehr und THW.
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Nach dem Durchzug von Sturmtief Ela standen die Aktionsteams von "Essen packt an" wochenlang mit ihren Kettensägen bereit, um Feuerwehr und THW bei den Aufräumarbeiten zu unterstützen. Am Sonntag fegte "Sabine" über Essen hinweg. Sportveranstaltungen wurden abgesagt, der Bahnverkehr stand still, die Feuerwehr und auch Straßen. NRW hatten alle Hände voll zu tun, die Schäden zeitnah zu beseitigen. Baugerüste mussten gesichert werden, Fahrzeuge und Dächer wurden beschädigt. Am Tag danach wird Bilanz gezogen. "Sturmtief Sabine hat bislang keinen großen Schaden angerichtet", so Mike Filzen, Sprecher der Essener Feuerwehr.

von Christa Herlinger

Die Warnungen vor dem heraufziehenden Sturmtief kamen schon frühzeitig. Schon am Freitag war die aufziehende Wetterlage ein Thema. Über alle Kanäle wurde die Bevölkerung informiert. Am Sonntag weht es kräftig, schon am Vormittag. Doch erst für den Nachmittag und die Nacht waren Orkanböen vorhergesagt.

530 Einsatzkräfte einsatzbereit

In Essen war man vorbereitet: Ab 15 Uhr waren die Freiwilligen Feuerwehren einsatzbereit in den Gerätehäusern, ebenso standen Hilfsorganisationen und THW bereit. Insgesamt 530 Einsatzkräfte stemmten sich gegen 'Sabine'. Vor allem bei wettertypischen Ereignissen waren sie gefordert. "Aber auch mit Kuriositäten mussten wir zurecht kommen", so Filzen. Dazu zählten plötzlich mobil gewordene Baustellentoiletten, ein Pavillon oder Trampoline, die das Sturmtief auf seinem Weg mitnahm. Bereits am Mittag wurde eine 47 Jahre alte Frau aus Heisingen durch eine herabstürzende Schieferplatte verletzt. Insgesamt waren es 155 Einsätze mit dem Stichwort "Sturm", die gefahren wurden. Bei Ela waren es mehr als 4.000.  Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich das Wetter in den nächsten Tagen entwickelt, so Filzen. "Die Prognosen des DWD zeigen weiterhin Unwetterszenarien auf." 

Kettensägen und Schutzhelme konnten im Keller bleiben

Ihre Kettensägen und Schutzhelme konnten die Unterstützer von "Essen packt an" nach dem Durchzug von "Sabine" in ihren Kellern lassen. Doch die Idee der gesellschaftlichen Hilfe nach Naturkatastrophen wie Stürmen etc. zündet in Essen noch immer.
Bei Markus Pajonk, der Borbecker war neben Gruppengründer Tobias Becker einer der ersten, die 2014 bei "Essen packt an" mit dabei waren, liefen die Telefone bereits ab Freitag heiß. Auch über die Sozialen Netzwerke wollten viele Unterstützer wissen: "Was sollen wir tun?" Gott sei Dank wütetete Sabine - wie ihre Vorgängerin Friederike 2018 -  weniger schlimm als befürchtet. "Zudem hat die Feuerwehr nach 2014 deutlich aufgerüstet", weiß Markus Pajonk. "Die Einsätze kriegen die Profis super hin." 

Die Helfer möchten der Gesellschaft etwas zurückgeben - so funktioniert Spontanhilfe

Dennoch sieht sich "Essen packt an" weiter gefordert. Dass es bislang aber noch immer keine offizielle Stelle für Spontanhilfe in der Stadt gibt, ärgert den engagierten Ehrenamtler Pajonk. "Zumal der Ordnungsdezernent diese bereits vor zwei Jahren angekündigt hat. Irgendwie hat man das Gefühl, dass wir von vielen in der Verwaltung nicht ganz ernst genommen werden. Dabei möchten unsere Helfer vor allen Dingen eines: Der Gesellschaft, in der sie leben, etwas zurückgeben. Von ihrer Zeit und ihrer Arbeitsleistung. Wie die aussieht, hängt von jedem einzelnen ab."  
Die Idee von "Essen packt an" verfügt in Sachen Spontanhilfe über ein Riesenpotenzial. Das ist inzwischen weit über die Grenzen der Stadt Essen hinaus bekannt. "Wir können Leute mobilisieren und sensibilisieren", bringt es Pajonk auf den Punkt, für Einsätze in verschiedenen Bereichen. Einer davon ist die Obdachlosennothilfe mit dem Projekt "Warm durch die Nacht".

Binnen einer Stunde stand Notfallplan für  Obdachlosen-Anlaufstelle

Pajonk ist seit Jahren viel unterwegs, wird von Städten wie Passau oder Dresden als Experte eingeladen und befragt. In der nächsten Woche wird der Borbecker auf einem Oberbürgermeister-Kongress in Wien sprechen, einem internationalen Publikum über die Arbeit der Freiwilligen berichten. Und er hat ein konkretes Beispiel im Gepäck, wie effizient diese funktioniert: "Ich werden die spontan organisierte Anlaufstelle für Wohnungslose in Essen in den Mittelpunkt meiner Ausführungen stellen", verriet er.
Die war am Sonntag ein neues Erfolgsmodell in der Geschichte von "Essen packt an". Binnen einer Stunde stand der Notfallplan. "Denn die Warnungen, sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten, galt natürlich auch für die Obdachlosen in Essen", so Pajonk. Ab Nachmittag sollten die Böen Orkanstärke aufnehmen. Ein Problem für die Menschen ohne festen Wohnsitz: "Denn die Notschlafstelle öffnet es erst am Abend und Bahnhofsmission war am Sonntag geschlossen." Hilfe war also notwendig.

Abseits-Restaurant liefert das Essen 

Kurzerhand wurde das Gebäude an der I. Weberstraße 15, in dem sich die Büroräume von "Essen packt an" befinden, umfunktioniert. "Der Vermieter gab sofort sein Okay und uns grünes Licht zur Umsetzung unserer Idee. Innerhalb einer Stunde standen auch die Teams bereit." Die Helfer informierten die Wohnungslosen im Stadtgebiet, sammelten sie mit ihren Fahrzeugen direkt ein. "Natürlich gab es immer auch einige, die trotz Sabine lieber im Freien bleiben wollten", berichtet Pajonk.
Doch das Angebot in der I. Weberstraße kam an. Es war zwischenzeitlich richtig voll in der spontan eingerichteten Sammelstelle. Dort gab es dank Unterstützung des Abseits-Restaurants in Kray auch Essen und Trinken für die Menschen. "Und viele von ihnen konnten trotz des Sturms ein paar Stunden Schlaf finden."

Nach Ela waren die Teams von "Essen packt an" viele Wochen lang mit Kettensägen im Einsatz, unterstützten Feuerwehr und THW.
Nach Ela sah es so in den Straße aus.
Autor:

Christa Herlinger aus Essen-Borbeck

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