THG-Schüler von Walküre überwältigt

Murmeln und Rascheln erfüllen den vollbesetzten Zuschauerraum. Minuten verstreichen, bis der Dirigent sein Pult betritt. Ein Mann guckt sichtlich genervt in die hinteren Reihen - findet er sich doch von Schülern umgeben, die "gezwungenermaßen" die Oper besuchen. Werden die die "Walküre" überhaupt zu schätzen wissen? Es ist ein mutiges Unterfangen von Musikpädagoge Dr. Goswin Stübe: Fünfunddreißig 15- bis 16-jährige besuchen verpflichtend die Oper, und dann auch noch ein solches Monumentalwerk.

Spätestens nach dem ersten Akt dürften sich alle Befürchtungen gelegt haben. Das Verhalten der Jugendlichen ist angemessen - ruhig und fasziniert. Zehn Doppelstunden lang waren sie im Musikunterricht vorbereitet worden. Jetzt konnten alle der Handlung gespannt folgen, verstanden die Zusammenhänge, erkannten musikalische Motive. Ein Zugeständnis war den Zehntklässlern allerdings gemacht worden: Um die Aufmerksamkeit nicht zu sehr zu strapazieren, durften sie einen der drei Akte auslassen. Angesichts der fünfstündigen Aufführung eine Möglichkeit, die die meisten nutzten - wenn auch nicht alle.

„Ich freue mich sehr auf das Stück und habe große Erwartungen“, so Katharina, eine der Leistungsträgerinnen im Musik-Grundkurs. Am Ende des Ausflugs gegen 23:00 Uhr resümiert sie: „Ich bin positiv überrascht und ich würde gerne wieder in die Oper gehen - meine Erwartungen wurden erfüllt. Der Höhepunkt war für mich der Walkürenritt des dritten Aktes. Er hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen“. Dazu beigetragen hat natürlich das Orchester. Laut Saskia hat es an diesem Abend „eine wahre Glanzleistung erbracht. Ebenfalls herausgestochen sind die Verkörperung des Hunding (Tijl Faveyts, Bass) und die Solistin (Rebecca Teem), welche an diesem Abend die Brünnhilde spielte."

Der äußere Rahmen trägt natürlich auch dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler beeindruckt sind: Essens grandioser Opernbau, das offensichtlich gutsituierte Publikum, die festliche Kleidung von Musikern und Besuchern. Nicht zuletzt: die Atmosphäre während der Pausen. Da schauen die Jugendlichen doch etwas unsicher aus, in ihren schicken Kleidern und geliehenen Anzügen. Natürlich fällt ein solcher Pulk junger Leute auf, gibt zu manchem - meist wohlwollendem - Kommentar Anlass. Aber nicht für alle Gymnasisten ist das Terrain der klassischen Musik Neuland. Ines ist eine ausgezeichnete Tuba-Spielerin, selbst Mitglied zweier Orchester. Auf die Frage eines älteren Ehepaars, was sie denn hier mache, gibt sie gelassen zurück: „Na - wir gehen in die Oper."

Wie erwartet fällt das Fazit der Zehntklässler unterschiedlich aus. Während für Ayscha die Oper offensichtlich das Richtige war („Das ist alles so aufregend, die Lebendigkeit des Stückes hat mich echt begeistert und inspiriert und die Atmosphäre war super.") fällt Leonards Stellungnahme deutlich nüchterner aus: "Man sollte mit Sicherheit einmal eine Oper gesehen haben. Schon um nachvollziehen zu können, woran sich die Menschen vor der Zeit von Fernsehen, Computer und Smartphone erfreut haben." Auch Jana weiß, wie sie ihre Ersterfahrung mit dieser musikalischen Gattung einzuschätzen hat: „Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich nicht zum Operngänger werde. Jedoch kann ich auch sagen, dass ich aus diesem Opernbesuche einiges mitgenommen habe. Einen Operngang im Leben kann ich nur empfehlen."

Musikkurse 10 des Theodor-Heuss-Gymnasiums

Autor:

Goswin Stuebe aus Essen-Kettwig

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