Kettwiger wollen nach Essen wechseln

Wenn jemand fragt: Ist jemand da, der nicht aus Essen ist? Dann zeigen Kettwiger gern auf... Kein Zweifel also, dass beim Ansinnen der ev. Gemeinde Kettwig vom Kirchenkreis An der Ruhr zum Kirchenkreis Essen zu wechseln, Diskussionsbedarf besteht.

Das Interesse an der Versammlung war durchaus groß: Rund 70 Gemeindeglieder kamen, um sich die Argumente der Wechsel-Befürworter anzuhören.
Und die sind zahlreich, denn natürlich haben sich die Verantwortlichen der Gemeinde allen voran die Mitglieder des Presbyteriums diese Entscheidung nicht leicht gemacht. „Aber dadurch, dass Kettwig seit 1975 zu Essen gehört, sind ganz viele strukturellen Bezüge unserer täglichen Arbeit nach Essen ausgerichtet“, erklärt Pfarrerin Silke Althaus. „Deshalb haben wir ja auch die Gemeinde-Verwaltung nach Essen gegeben.“ Schon als damals diese Entscheidung fiel, habe es vom Landeskirchenamt die Empfehlung gegeben: „Denkt über einen Wechsel nach!“
Das hat die Gemeinde getan und dabei festgestellt, dass im Bereich Kindergarten alle Ansprechpartner im Jugendamt in Essen sitzen. Auch das Jugendzentrum bekommt Zuschüsse aus Essen. Die Seniorenarbeit gehört in den Bereich Pflegekonferenz Essen. „So gut wie alle Anträge, alles, was man organisatorisch abwickelt, läuft bereits über Essen“, erklärt die Pfarrerin. „Das heißt, das wir zurzeit oft doppelte Wege gehen müssen, da wir ja zum Kirchenkreis An der Ruhr gehören, aber unsere Ansprechpartner eigentlich in Essen sitzen.“
Bleibt das Damokles-Schwert „Kirchensteuer-Verlust“. „Man hat uns immer erzählt, dass wir einen großen Verlust bei den Steuern einfahren würden, weil Essen so viel ärmer ist als Mülheim und Umgebung“, erinnert sich Silke Althaus. „Jetzt haben wir rechnen lassen: Fakt ist, dass wir 15.000 Euro weniger bekommen würden, das erscheint uns vertretbar, wenn es um die Gesamtlösung geht.“ Jetzt könnte man denken, dass 15.000 Euro ja doch viel Geld sind... „Es gibt noch eine entscheidende Entwicklung auf der Kirchenkreisebene. Diese wird nämlich immer stärker, das hat sich erst in den letzten zwei bis drei Jahren gezeigt. Die Landessynode stärkt zurzeit die Kirchenkreise in ihrer Verantwortung, lässt nicht mehr jede Gemeinde allein vor sich hin puzzlen“, berichtet Silke Althaus. „Damit wird es täglich wichtiger, zu welchem Kirchenkreis man gehört. Außerdem wird es wohl in Zukunft weitere Kirchenkreis-Fusionen - wie Essen, die aus Nord und Süd Essen-Gesamt gemacht haben - geben. Das heißt: Auch der Kirchenkreis An der Ruhr wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in irgendeine Richtung orientieren müssen. Das würde aber die Position des kleinen Anhängsels Kettwig weiter schwächen...“
Viele, gute Argumente, denen sich auch die engagiert diskutierenden Gemeindemitglieder auf der Versammlung nicht verschließen konnten und wollten. „Das Stimmungsbild am Ende zeigte, dass die Gemeinde den Wechsel zu Essen befürwortet. Zum Schluss gab es eigentlich nur noch eine Gegenstimme“, sagt Silke Althaus. „Dabei kamen genauso die Eingemeindungs-Emotionen zum Tragen wie aber auch die Verantwortung, die man als Stadtteil Kettwig in einer Stadt wie Essen - Beispiel Nord-Süd-Gefälle - habe.“
Das weitere Prozedere: Die Anträge für den Kirchenkreiswechsel der ev. Kirchengemeinde Kettwig, deren Grenzen sich dadurch natürlich nicht ändern - also Mintarder und Isenbügeler bleiben Kettwiger - werden Ende Oktober/ Anfang November gestellt. „Wenn beide Kirchenkreise zustimmen, dann können wir sofort wechseln“, erklärt die Pfarrerin. Aus Essen gebe es da eindeutig positive Signale, wie der Kirchenkreis An der Ruhr die Lage beurteilt, sei noch nicht klar. „Gibt es kein grünes Licht von beiden Kirchenkreisen, dann müssten wir Anfang 2013 einen weiteren Antrag an die Landessynode stellen.“ So oder so: Über kurz oder lang wird auch die ev. Gemeinde Kettwig zu Essen gehören...

Autor:

Silke Heidenblut aus Essen

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