„Löwes Lunch“: Wer hat Angst vorm „Großen Weißen“!

Ein Zahnarztbesuch steht an. Schon seit Tagen verfolgt mich tinitus-artig das schrille „Siiirrrr“ des Ultraschall und das dumpfe „Grrr“ des Bohrers. Dabei läuft ein Besuch beim „Großen Weißen“ unter den Medizinmännern eigentlich immer nach dem gleichen Schema ab.
Ahnungslos tun. Arzt: Und? Was machen wir denn heute? Ich: Ja, Junge, wenn Du das nicht weißt, dann...
In Sicherheit wiegen. Arzt, nachdem er mit kleinen Spiegeln und Fondue-Piekern hantiert hat: Ach, das ist ja fast gar nichts. Ich: Okay, dann hau’ ich jetzt ab. Doch nachdem ein einzelner Zahn aus nächster Nähe mit eisigem Sturm oder Wasser aus dem Polarmeer (Wie kriegen die das nur so kalt?) getrietzt wurde, folgt über den Mundschutz hinweg der mitleidsvolle Seitenblick zur Schwester. Arzt: Naja, richtig gut sieht das hier oben links aber auch nicht aus. Ich: Mist.
Jetzt, vor der eigentlichen Behandlung, kommt der wichtigste und gemeinste Kniff des „Großen Weißen“ – er übernimmt mit perfiden Tricks die Kommunikations-Hoheit. Nachdem mir die Assistentin gefühlte zehn Tamponaden in den Schlund geschoben hat, fragt der Arzt nach dem nächsten Urlaub, dem Championsleague-Einzug von Werder Bremen usw. Ich kann natürlich nur nicken (was mit einem „Kopf-ruhig-halten“ getadelt wird) und irgendwelche Grumpf- und Gurgellaute von mir geben. Im Plauderton wird nun erwähnt, dass „wir“ (Was heißt hier wir?) das jetzt erst einmal ohne Betäubung angehen lassen. Arzt: Wenn’s wirklich schmerzen sollte, einfach Bescheid sagen. Ich: Wie denn - mit der Baumwollplantage im Mund? (Allerdings verstehe ich meine Wortlaute schon selbst nicht.) Arzt: Jetzt mal groß aufmachen und ruhig sein. Ich: Aber mir wäre eine Spritz..., grumpf, gurgel. Arzt: Na also, geht doch, tapfer, gleich fertig. (Das ist meist geschwindelt.) Und ich? Habe mal wieder aufgegeben...
Kennen Sie auch so oder so ähnlich, stimmt’s? Ja, aber ausgerechnet meine Frau ist beim „Großen Weißen“ Prophylaxe-Expertin. Mitleid mit mir? Nein, stattdessen: Aber Schatz, das ist doch wirklich nichts. Stell’ Dir vor, wir müssten bei Dir dies und das machen und dabei alles betäuben und – und – und – ich will dann schnell nichts mehr hören.
Toll übrigens auch die Kolleginnen meiner Frau: Wenn ich dran bin, bringen sie auf diesen niedlichen CSI-Obduktions-Tabletts schon mal Kombizange, Hammer und alles an Instrumenten, was Angst macht, rein. Motto: Wer weiß, was wir bei Dir brauchen?
Ich weiß, was ich nach dem „Großen Weißen“ brauche – einen großen Schnaps!

Autor:

Detlef Leweux aus Essen-Steele

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

25 folgen diesem Profil

2 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen