„Karl Marx – was bleibt und warum?“
Ein unvergesslicher Abend mit Rolf Becker

Mit stehendem Applaus verabschiedeten rund 120 Besucherinnen und Besucher Rolf Becker im Kultursaal Horster Mitte. Eingeladen wurde er zu seiner Lesung „Karl Marx – was bleibt und warum?“

Der einem breiten Publikum in Deutschland bekannte Schauspieler und Rezitator konnte das Publikum mit Texten von Karl Marx und Friedrich Engels in seinen Bann ziehen. Ausgangspunkt seiner sprachlich und in Gestik ausdrucksstarken Rezitation war die historisch bekannte Rede von Friedrich Engels aus dem Jahr 1883, die er auf dem Londoner Friedhof Highgate am Grabe von Karl Marx, dem größten deutschen Philosophen, Wissenschaftler, Revolutionär, unbeugsamen Kämpfer und Freund des internationalen Proletariats gehalten hat. Alle von Engels gewürdigten Verdienste von Marx wurden dann durch Zitate aus Reden, Briefen und Schriften belegt.

Die Fülle der Themen ließ die gewaltige Schöpferkraft von Karl Marx nur erahnen: Beginnend mit der materialistischen Geschichtsauffassung und der Kritik am Idealismus, der sich die Welt als das Produkt von Ideen erklärt; über die Religionskritik; und weiter zur Rolle der Arbeit in der menschlichen Geschichte; den Wert der Arbeitskraft und die Entdeckung des Mehrwerts als die Quelle der kapitalistischen Ausbeutung und dann als Synthese; die Bewegungsgesetze der kapitalistischen Produktionsweise und Gesellschaft. Selbst für viele Marx-Kenner war überraschend, als Rolf Becker den Dichter Heinrich Heine als einen der Revolutionäre vorstellte, der bereits vor Marx und Engels eine visionäre Vorahnung der kühnen Gedanken der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus hatte.

Im zweiten Teil spannte er einen weiten Bogen von der Zeit nach Marx und Engels bis heute. Die Arbeiterbewegung hat große Siege errungen, musste aber auch viele Rückschläge hinnehmen. Becker sieht diese heute vor dem Hintergrund eines „entfesselten Kapitalismus“ in einem tiefen Tal. Er verwies auf ein Zitat von Marx über den Klassenkampf, der unweigerlich zum Sieg einer der beiden kämpfenden Klassen führe, oder sonst den Untergang von beiden zur Folge habe. Trotz einer zuweilen durchschimmernden Weltsicht, die hauptsächliche die Probleme, Niederlagen und Stärke des Gegners sieht, betonte Becker den täglichen politischen Kampf vor Ort als das entscheidende Kriterium für die Zukunft.
„Eine Partei, die nicht an den unmittelbaren Interessen der Arbeiterklasse anknüpft, geht kaputt.“ In dem Zusammenhang machte er kleine Seitenhiebe gegen die Grünen Habeck und Baerbock und auch gegen die Linkspartei und die rechten Gewerkschaftsführungen. Er betonte, dass es „kein Nachgeben gegen Antideutsche und Kreuz- und Querdenker“ geben darf.

So beendete er seine Ausführungen mit der ermutigenden Aussicht, dass das „stark erschreckende Gesicht der Herrschenden“ uns nicht einschüchtern darf und gab die Botschaft mit: „Es gibt keine Antwort, als die, die wir geben..!“

Umrahmt wurde die zweiteilige Lesung durch einfühlsam vorgetragene Lieder von Mikis Theodorakis und Bertolt Brecht, vorgetragen von Niko und Nina. Monika Gärtner-Engel begrüßte Rolf Becker im Namen des Vereins Kultursaal Horster Mitte und stellte ihn als einen seit 63 Jahren engagierten Gewerkschafter vor. Darüber hinaus setzt er sich als Internationalist und Förderer der Völkerfreundschaft seit 2012 für Solidaritätsprojekte in Griechenland ein - wie die Unterstützung der Kollegen im Hafen von Piräus. oder im Einsatz für den Erhalt der Gedenkstätten an die Massaker der deutschen Wehrmacht. Der gemeinsame Gesang der Hymne der Arbeiterbewegung, „Die Internationale“, beendete den eindrucksvollen Abend. Erstaunlich, was der rüstige 86-jährige Antifaschist, Revolutionär und Schauspieler bis heute für ein gewaltiges Pensum leistet, um seiner Sehnsucht und Vorstellung nach einer befreiten Welt näherzukommen. Besonders erfreut waren die Veranstalterinnen und Veranstalter des Kultursaals Horster Mitte über Denkanstöße für weitere gemeinsame Veranstaltungen, wie zum Beispiel einen Abend mit Texten von Erich Fried.

Autor:

Bodo Urbat (Essen steht AUF) aus Essen-Nord

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