Vor 90 Jahren fand die erste Messe in der Frillendorfer Schutzengel-Kirche statt

Die Schutzengel-Kirche in Frillendorf heute.
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Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert begann die Einwohnerzahl Frillendorfs stark zu wachsen, parallel verlief rege Bautätigkeit. Die Gründung eines Kirchbauvereins 1902 zeigt, dass man in Frillendorf, das zur St. Nikolaus-Pfarrei in Stoppenberg gehörte, an den Bau einer katholischen Kirche dachte.

Aber erst am 6. Januar 1918 kam es zur Gründung eines Seelsorgebezirkes mit Notkirche in der Gaststätte Bein (Elisabethstraße). Die ersten Jahre waren von Planungsarbeiten geprägt, bis es am 7. Oktober 1923 zur Grundsteinlegung der Kirche Hl. Schutzengel kam.

Berühmter Baumeister: Edmund Körner

Als Architekt wurde Baumeister Professor Edmund Körner (1878 - 1940) gewonnen, der sich auch in Essen einen Namen gemacht hatte (großen Synagoge 1911-1913), Staatliche Baugewerbeschule und Börse (heute Haus der Technik).
Die Schutzengelkirche ist der erste Kirchenneubau im damaligen Erzbistum Köln, der nicht im neugotischen oder neuromanischen Stil errichtet worden ist. Sein ungewöhnlicher Stil hat schon vor der Vollendung des Bauwerkes ganze Scharen von Besuchern angezogen. Die Kirche wird stilistisch heute gerne dem ‚Ziegelsteinexpressionismus‘ zugerechnet.

Fortschrittliche Gestaltung der Gesamtanlage

Konzipiert war die Kirche als eine ‚christozentrische Gesamtanlage‘, der eine seelsorglich sehr fortschrittliche Auffassung zugrunde lag. Mittelpunkt sollte das Tabernakel auf dem Hochaltar sein. Das als erstes fertiggestellte Pfarrhaus markiert das Ende eines Armes, der an der jetzigen Sakristei beginnt. Darin sollten die Kaplanei und Wohnungen für Küster und Organist untergebracht werden. Auf der nördlichen Seite des Altarraumes sollte es eine Entsprechung geben mit einer Wohnung für Schwestern und Räumlichkeiten für eine Nähschule, einen Kindergarten und Katechesegruppen.
Als Weihnachten 1924 die erste heilige Messe gefeiert wurde, war noch nicht einmal der Rohbau ganz fertig: die Seitenkapellen waren durch Sackleinen abgetrennt, der Kirchenvorraum war noch eingeschossig, die Sakristei fehlte - aber die Frillendorfer Katholiken waren froh und dankbar.
Der weitere Auf- und Ausbau der Kirche ging aus Geldmangel nur sehr zögerlich vonstatten. Noch bevor der Kirchbau fertig war, traten erste Bergschäden auf, später kamen Kriegsschäden dazu und dann immer wieder Bergschäden: Von der äußersten rechten bis zur äußerstes linken Wand hat die ganze Kirche eine Schräglage von ca. 60 cm. Erst 1957/58 wurde nach den Plänen von Prof. Körner der Turm vollendet, um die neuen Glocken aufnehmen zu können.

Seitenkapellen mit Sackleinen

Der ovale etwa 30 m lange und 23 m breite Raum wird von einer 15 m hohen Kuppel überspannt, die auf acht Pfeilerpaaren ruht. Die jetzige Farbgestaltung stammt aus der Renovierung 1988/89 unter Pfarrer Karl Zurnieden mit dem Architekten Schampers. Bis dahin ist die Kuppel immer nur schlicht weiß gewesen.
Sechs hohe, spitz auslaufende Doppelfenster in der Kuppel spenden spärlich indirektes Licht, da sie sich unter hausgiebelähnlichen Ausbauten befinden. Engelskulpturen im Jugendstil vor den Mittelträgern der Fenster wirken wie Wächter über dem Versammlungsraum der Gemeinde, in der kein Pfeiler den Blick zu den Orten des gottesdienstlichen Geschehens verstellt. Diese Engel sind nach Entwürfen von E. Körner gefertigt, ansonsten ist seine Handschrift beim Auf- und Ausbau der Kirche nicht mehr zu spüren.

Und immer wieder Bergschäden

Im Zuge der Behebung großer Bergschäden im Jahre 1961 und einer nachkonziliaren Innenraumrenovierung im Jahre 1968 wurden der wuchtige Hochaltar und vier Seitenaltäre abgebrochen.
Um günstigere akustische Verhältnisse zu schaffen, wurden 1963 im Altarraum und über der Orgelempore je eine Kassettendecke eingezogen (dies berichtet die Kolpingsfamilie mit Bezug auf die Homepage der Pfarrei St. Nikolaus).
Am zweiten Weihnachtstag werden Mitglieder der Kolpingsfamilie im Festakt nach der 10 Uhr Messe an den 90. Jahrestag erinnern. Eine Bilderausstellung wird präsentiert. Vor der Kirche gibt es Punsch und Gebäck.

Autor:

Lokalkompass Essen-Nord aus Essen-Nord

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