Bürgerinitiative gegen den wilden Automarkt in der Schusslinie

Am wilden Autohandel nehmen Bürger und Politiker im Essener Norden Anstoß. Ein gemeinsames Vorgehen rückt vor der Kommunalwahl im Mai aber in die Ferne. Foto: Gohl
  • Am wilden Autohandel nehmen Bürger und Politiker im Essener Norden Anstoß. Ein gemeinsames Vorgehen rückt vor der Kommunalwahl im Mai aber in die Ferne. Foto: Gohl
  • hochgeladen von Patrick Torma

Wer kann schon etwas gegen den Kampf gegen die ausufernden Triebe des Gebrauchtwagenhandels in Bergeborbeck einwenden? Da sitzen Bürger und Politiker doch im selben Boot, oder etwa nicht? Tatsächlich bläst der Bürgerinitiative gegen den wilden Automarkt (Bigwam) Wind entgegen. Gründe sind ein missglückter Auftritt des zweiten Vorsitzenden auf der Altenessen-Konferenz – und die bevorstehende Kommunalwahl.

Viele Besucher der Altenessen-Konferenz trauen ihren Ohren nicht. Hat der zweite Bigwam-Vorsitzende, Klaus Barkhofen, wirklich gerade gefordert, den Milchhof am Palmbuschweg für einen gemäßigten Autohandel zu reservieren? In der Hoffnung, das wilde Treiben rund ums Autokino in geordnete Bahnen zu lenken? Das muss ein Versprecher sein, oder? Der verhaltene Applaus unter den 320 Zuhörern ist verräterisch: Barkhofen scheint etwas auszusprechen, womit der Großteil nicht einverstanden ist.

Die Empörung lässt nicht lange warten: „Da versuchen wir seit Jahren um den Altenessener Bahnhof eine Perspektive zu entwickeln und da kommen diese Bigwams daher und schlagen vor, das Areal jetzt als Fläche für einen Autohandel zu nutzen“, poltert Ratsherr Uwe Kutzner (CDU) beispielsweise.

„Der Redebeitrag von Herrn Barkhofen war missverständlich“, gibt Uwe Splitt, der erste Vorsitzende der Bigwam, im Gespräch mit dem Nord Anzeiger zu. „Jeder hat mal einen schlechten Tag“. Seiner Initiative liege es völlig fern, die Problematik aus Bergeborbeck in andere Stadtteile hinein zu verlagern. „Wir sind extra nach Altenessen gekommen, um unsere Solidarität auszudrücken. Wir wollten vor der Ansiedlung eines Autohandels – und sei es nur ein gemäßigter – warnen. Wir wissen aus Erfahrung, wie schwer die Auswüchse einzudämmen sind“, fährt Splitt fort.

Allerdings: Diese Erfahrungen haben auch die Altenessener machen müssen. Weshalb eine solche Warnung im Kontext Palmbuschweg deplatziert wirkt. Kaum jemand in der Turnhalle der Zeche Carl wäre auf die Idee gekommen, den Milchhof mit einer Ansiedlung von Gebrauchtwagenhandel in Verbindung zu bringen. Planungsamtschef Ronald Graf, der mit seinem Vortrag durch die Veranstaltung führte, sprach sich für eine Wohnbebauung aus; würde das Gewerbe gerne aus dem Bebauungsplan verbannen.

[Update 4.2.2014]

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Klaus Barkhofen selbst fühlt sich grob missverstanden: "Vielleicht habe ich mich verklausuliert geäußert, aber diejenigen, die ich im meinem Umfeld gefragt habe, haben mich nicht als Fürsprecher des Autohandels wahrgenommen. Eine solche Forderung von mir wäre auch widersinnig - ich bin selbst Altenessener."

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Ob Versprecher oder nicht – bei einigen Politikern ist die Bigwam nicht erst seit ihrem Auftritt in Altenessen unten durch. Für Verstimmung sorgt auch die Ankündigung der Initiative, bei der Kommunalwahl als Partei anzutreten. So hatten sich Mitglieder der Bezirksvertretungen IV und V am Dienstag (14. Januar) vor der Altenessen-Konferenz im Schloss Borbeck getroffen, um ein „gemeinsames Vorgehen“ mit der Bigwam auszuloten. „Mir schwebte ein Runder Tisch vor“, sagt Friedel Frentrop. Der Altenessener Bezirksvertreter des Essener Bürger Bündnisses ist überzeugt: „Die Bigwam kann nur im Verbund mit der Politik Erfolge erzielen.“

Eine Bigwam-Partei ist der Politik ein Dorn im Auge

Nun drängt die Bigwam selbst in die Politik. „Meine Mitgliedschaft, die ich erst vor vier Wochen unterzeichnet habe, kann ich wieder kündigen“, weiß Frentrop. Ebenso wie Karl-Heinz Kirchner (SPD). „Soll die Bigwam diesen Schritt ruhig gehen – nachvollziehen kann ich ihn nicht“, bekundet der Vorsitzende des Vogelheimer Ortsvereines. Beide Politiker, ganz sicher keine Weggefährten, bestätigen unisono: Die Bigwam habe die Unterstützung der lokalen Politik vehement abgelehnt, ihr sogar vorgeworfen, sie kümmere sich nicht wirklich um die Probleme in Bergeborbeck und Vogelheim. Ein Schlag ins Gesicht für die Vorortpolitiker, die sich permanent mit dem wilden Autohandel auseinandersetzen.

Uwe Splitt entschärft diese Aussage. Die Bigwam erkenne das Engagement der Bezirksvertreter zwar an. „Aber die Bezirksvertretungen sind in diesem Fall zahnlose Tiger. Uns fehlt die Unterstützung der Ratsherren, ein Mittelsmann beispielsweise, der unsere Belange im Ausschuss für öffentliche Ordnung, Personal und Organisation vertritt“, sagt das ehemalige SPD-Mitglied aus der mittlerweile gesprengten Ortsfiliale BergeBochold. „Im Übrigen würden wir uns diese Arbeit liebend gern sparen“, beteuert Uwe Splitt. Er bestätigt, dass es Versuche gebe, die Initiative mit ihren „rund über 100 Mitgliedern“ gezielt zu instrumentalisieren. „Wir wollen aber kein Zugpferd für die Kommunalwahl sein.“

Zumindest nicht für andere Parteien. Dass die Bigwam im Mai in Bergeborbeck und Vogelheim antritt, ist intern eine ausgemachte Sache. „Der Vorstandsbeschluss ist einstimmig. Jetzt gilt es, die Voraussetzungen für das Wahlamt zu erfüllen“, berichtet Splitt.

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