Dritte Altenessen-Konferenz ein voller Erfolg

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Die dritte Altenessen-Konferenz auf Carl war für die Organisatoren ein voller Erfolg: 320 Bürger nahmen die Einladung an. Da hätte sich der notgedrungene Umzug von der Kaue zurück in die alte Turnhalle fast gerächt.

Bei der Premiere vor einem Jahr machten etliche Bürger vor der Menschentraube an der Eingangstür kehrt: Zu voll war die Turnhalle. Damals allerdings war sie mit Tischen für die Gruppenarbeit bestückt worden, weshalb viele Interessierte die Konferenz nur von draußen verfolgen konnten. Diesmal gab es von Moderator Klaus Wermker aber keinen Arbeitsauftrag an die Hand - da reichte eine einfache Bestuhlung aus.

Vier Interessenten für den Schweinemarkt

Thema war die Stadtteilentwicklung: Der neue Leiter des Stadtplanungsamtes, Ronald Graf, hatte sich die Zeit genommen, über Fortschritt und Stillstand an sieben Standorten in Altenessen zu referieren. Damit dessen Vortrag nicht zum Frontalunterricht verkam, ließen die Organisatoren nach jedem Punkt eine Fragerunde zu. Nicht immer förderte die Neues zu Tage. Ein paar Überraschungen hielt die Altenessen-Konferenz aber doch parat (siehe auch Meldung rechts).

Altenessen-Süd Karree: Der ehemalige Schweinemarkt östlich vom Bahnhof wird seit Sommer 2013 vermarktet. Nachdem sich in der Vergangenheit prominente Lösungen (u.a. Kaufland) zerschlugen, überarbeitete die Verwaltung den alten Bebauungsplan von 1997. Zentrale Änderung ist eine Ausnahmeregelung für großflächigen Handel. „Ausnahmsweise kann jedoch [...] ein Vollsortimenter, bei standortgerechter Dimensionierung, zugelassen werden“, heißt es in den Verwaltungsvorgaben. So wäre ein Lebensmittel-Vollsortimenter mit einer Fläche von 2.000 Quadratmetern denkbar. Fünf Investoren haben ihr Interesse hinterlegt. Einer fiel raus, die anderen vier durften ihr Konzept aus Wohnen und Handel überarbeiten. „Bisher waren wir nicht 100 Prozent zufrieden“, gibt Ronald Graf einen Einblick. „Aber es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn wir aus diesen vier Interessenten nicht einen fänden, der baut und kauft.“

Wickingstraße: Die Stadt hat ein Vorkaufsrecht in Anspruch genommen, in ihrem Besitz befinden sich nun 49 Prozent des ehemaligen Baustoffhandels Westhoff + Frie. Die dahinter befindliche Gleisharfe hatte sie sich schon vor einiger Zeit gesichert. Die Verwaltung arbeitet nun auf einen Bebauungsplan hin, der eine Wohnbebauung ermöglicht. Noch sind auf dem alten Baustoffgelände zwei Autohändler ansässig. „Dieser Handel wird dort nicht dauerhaft zu halten sein “, kündigt Ronald Graf an. Nicht zuletzt, weil das aktuelle Geschäft nicht genehmigt sei. „Wir gehen zivilrechtlich gegen diese Nutzung vor“, so Graf. Des Weiteren konnte die Stadt eine Veränderungssperre erwirken, so dass gewerbliche Vorhaben zurückgestellt sind. Die Betroffenen nutzten die Altenessen-Konferenz wiederum, um die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Stadt zu kritisieren. „Alle unsere Versuche sind blockiert worden“, betont der Inhaber des Gitte Autohandels.

Milchhof: Das ehemalige Kutel-Grundstück am Palmbuschweg ist eines der größten Sorgenkinder. „Seit 2003 gab es immer wieder Ansätze“, erinnert sich Graf. Das Gelände gilt als schwer vermittelbar, die Nähe zur Köln-Mindener Bahn erfordert zusätzliche Baumaßnahmen gegen Lärm und Erschütterungen. Der alte Gebäudebestand und die Kaufpreisforderungen des Eigentümers hätten dazu geführt, dass „keiner, der sich bei uns nach diesem Grundstück erkundigt hat, wieder bei uns vorstellig wurde“. Ein neuer Interessent signalisiere jedoch Bewegung. Laut B-Plan ist der Milchhof ein Gewerbestandort. „Wir hätten aber gerne ein Wohngebiet“, erklärt der Planungschef.

Nationale Kohlereserve: Auf dem Filetstück an der B 224 in Vogelheim gilt noch das Bergrecht. „Daher ist uns das Planungsrecht entzogen“, so Graf. Allerdings gebe es Gespräche zwischen der RAG Montan Immobilien sowie den Städten Bottrop und Essen über eine gemeinsame Planung nach Ablauf der Fristen. „Es ist die letzte große Potenzialfläche im Essener Norden, deshalb hätten wir hier gerne etwas Höherwertiges“, bekennt der Referent. „Die Fläche wäre zu schade für Logistik, wo 20 Arbeiter und 300 Gabelstapler unterwegs sind.“ Was nicht zur Sprache kommt: Genau solche Pläne sollen im Hause RAG kursieren. Wie das Gelände auch entwickelt wird - eine Erschließung schürt die Hoffnung auf ein Verkehrskonzept für den Essener Norden.

„Marina? Die ist sehr realistisch“

Möbelbahnhof: „Die Deutsche Reihenhaus ist interessiert“, weiß Graf. Dieses Interesse wurde aber bereits im Sommer 2012 bekannt, als die Stadt das Gelände am Kaiser-Park in die Bauleitplanung aufnahm. Doch sei das Unternehmen - dem Vernehmen nach - nun auch mit den Eigentümern handelseinig.

Marina: Trotz aller Verzögerung bewertet Graf das Projekt am Kanal als „sehr realistisch“. Obwohl die Stadt drohte, das Vorhaben aus der Bauleitplanung zu streichen. „Das war für die Investoren ein Schuss vor den Bug“, erklärt Ronald Graf, der die Ereignisse im Herbst 2012 als Verwaltungsfinte entlarvt. „Nun sind da recht weit“, so Graf weiter. Letzter planungsrechtlicher Knackpunkt ist die Frage, inwieweit der geplante Waldpark auf dem Karnaper Schlammfeld als Deponie oder als Landschaftsbauwerk einzuordnen ist. Je nachdem ergeben sich andere Verwaltungszuständigkeiten. Und die Gruppe um Investor Derwald? „Die ist noch nicht so weit, dass sie das Projekt anschieben könnte“, räumt Graf ein. Am Rande der Konferenz hieß es, das Wohl der Marina hänge weiter von der Beteiligung des Baukonzerns Strabag ab.

Wird die Bauruine am Bahnhof zum Studentenwohnheim umgebaut?

Heßlerstraße:
Hier kommt am ehesten Bewegung in den Stadtteil. Es entsteht neuer Wohnraum, die endgültige Aufgabe des Kulturhauses steht kurz bevor. Die Vermarktung könnte noch vor den Sommerferien beginnen.

Altenessen Bahnhof:
Die Überraschung der Sitzung war die Ankündigung von Christian Niewerth, der die Eigentümergemeinschaft der Bauruine am Bahnhof vertritt: „Wir wollen ein Studentenwohnheim auf Basis der Bauruine errichten.“ Noch in diesem Jahr könnten erste Arbeiten erfolgen. „Obwohl ich angesichts der Vorgeschichte eigentlich keine Prognose tätigen möchte.“

Bigwam will Autohandel in Altenessen

Für offene Münder sorgte auf der Altenessen-Konferenz Klaus Barkhofen, Mitstreiter der Bürgerinitiative gegen den wilden Automarkt aus dem Essener Norden, kurz Bigwam. Barkhofen schlug vor, den alten Milchhof für „einen gemäßigten Autohandel“ zu reservieren. So könne man die wilden Auswüchse rund ums Autokino in geordnete Bahnen lenken. „Ich traute meinen Ohren nicht - da versuchen wir seit Jahren für den Bereich um den Bahnhof Altenessen eine Perspektive zu entwickeln und dann kommen da diese Bigwams, die sich ja auch für die Kommunalwahl bewerben wollen, daher, und schlagen vor, dieses Areal als legale Fläche für einen Autohandel zu nutzen“, ärgert sich CDU-Ratsherr Uwe Kutzner.

Autor:

Patrick Torma aus Essen-Nord

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