Mehr als ein "Zwischenfall"
Gefährlicher Störfall im Müllheizkraftwerk Karnap

Durch einen Defekt am Aktivkohlefilter des Müllheizkraftwerks Karnap wurde eine unbekannte Menge des Aktivkohle-Granulats in benachbarte Straßen geschleudert. Ein Spielplatz und weitere öffentliche Flächen wurden gereinigt und einige Warnungen ausgesprochen (nicht in den Mund nehmen, Hautkontakt vermeiden, Gemüse aus umliegenden Gärten gründlich reinigen usw.).

Warum diese Warnungen? Mit Formulierungen in verschiedenen Medien wie „Zwischenfall“ wird die Gefährlichkeit dieses Störfalls heruntergespielt, um eine Diskussion über die generelle Gefährlichkeit der Müllverbrennung möglichst zu verhindern. Asche und Schlacken aus der Rauchgasreinigung gehören zu den giftigsten Abfallprodukten, die es gibt. Darin sind hoch konzentriert giftige Schwermetalle und verschiedenste hochgiftige organische Verbindungen enthalten.

Üblicherweise ist der Aktivkohlefilter in Müllverbrennungsanlagen der Rauchgasreinigung nachgelagert, um vor allem hochgiftige Dioxine und Furane herauszufiltern. Die Aktivkohle ist also hochgradig mit diesen Ultragiften beladen. Ist die Aktivkohle voll beladen, wird sie teilweise verbrannt, teilweise regeneriert. Beide Verfahren bergen die Gefahr, dass die an die Aktivkohle angehafteten Giftstoffe in die Umwelt freigesetzt werden.

In den 1980er und 1990er Jahren hat die Ruhrkohle AG (RAG) mit behördlicher Genehmigung große Mengen dieser Filterstäube und Aschen in stillgelegten Zechenschächten eingelagert und daran gut verdient. Bis heute wird dieser hochgiftige Abfall u.a. in stillgelegten Salzstöcken deponiert.
Nach der Stilllegung der letzten Steinkohlezechen will die RAG um Kosten zu sparen überall das Grubenwasser ansteigen lassen – und nimmt damit bewusst in Kauf, dass der eingelagerte Giftmüll ausgespült wird und irgendwann in unserem Trinkwasser landet.

Neben der Forderung nach einer sofortigen umfassenden Information der Bevölkerung über Menge und Beladung der ausgetretenen Aktivkohle, fordern wir von RWE Aufklärung darüber, wo und in welchem Umfang die giftigen Filterstäube deponiert werden und was mit der verbrauchten Aktivkohle passiert.

Vor allem aber ist die Frage nach dem Sinn der Müllverbrennung aufgeworfen. „Essen steht AUF“ fordert schon lange den Ausstieg aus der Müllverbrennung, weil sie eine Quelle der chronischen Vergiftung von Mensch und Umwelt mit hochgiftigen chlororganischen Stoffen und Schwermetallen ist. Statt auf Müllvermeidung und Recycling zu setzen, wurden in den 1990er Jahren im großen Stil Müllverbrennungsanlagen gebaut, was ein gutes Geschäft für Anlagenbauer und Energiekonzerne war und ist. Dabei wurden solche Überkapazitäten aufgebaut, dass ein regelrechter internationaler Mülltourismus einsetzte. Um die Anlagen auszulasten wurde in z.B. Karnap zeitweise Hausmüll aus Italien verbrannt.

Der gefährliche Irrweg der Müllverbrennung muss beendet werden. Ebenso muss verhindert werden, dass die RAG durch den Anstieg des Grubenwassers unser Trinkwasser gefährdet.

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