DFB-Pokal RWE gegen Union Berlin: Der KO kommt kurz vor dem Elfmeterschießen

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Das war die bisher bitterste Niederlage für die Wrobel-Elf: 119 Minuten steht die Null, alles richtet sich auf eine Entscheidung im Elfmeterschießen ein, der Viertligist ist kurz davor, den Zweitligisten Union Berlin zu Fall bringen – und das zum zweiten Mal in Folge. Doch der Last-Minute-KO von Simon Terodde macht eine äußerst couragierte Leistung in der ersten Runde des DFB-Pokals zunichte.

Dementsprechend groß ist die Enttäuschung. Innenverteidiger Vincent Wagner, der den Vorzug vor Michael Laletin erhielt und es dem Trainer dankte, indem er alles weggrätschte, was ihm auch vor die Füße kam, ist restlos bedient. Weder der Zuspruch der Fans, die diese herbe 0:1-Pleite wie einen Sieg feiern, noch die wohlwollenden Worte der Journalistenschar in der Mixed-Zone vermögen zu trösten. „Ganz ehrlich? Ich hätte lieber 120 Minuten schlecht gespielt und im Elfmeterschießen gewonnen“. Einmal in Rage geredet, bedachte er auch Schiedsrichter Martin Petersen mit deutlichen Worten: „Das ist eine Frechheit, jedes taktische Foul von uns zieht eine gelbe Karte nach sich. Der Piro (Kevin Pires-Rodriguez, Anm. d. Red.) wird dreimal gelegt, sein Schienbein ist ganz geschwollen. Wir müssen sechsmal spielen, damit wir im DFB-Pokal antreten dürfen. Und dann wird uns so die Chance auf ein Weiterkommen genommen.“ Zumal der Siegtreffer aus einer Abseitsposition heraus gefallen sei. Trainer Waldemar Wrobel erlaubt während der Pressekonferenz einen Einblick in sein Innenleben, indem er sich – im Gegensatz zu Wagner - wortkarg gibt: „In meinen Augen war heute kein Klassenunterschied zu sehen.“

Der Stachel sitzt tief. Doch wenn die Rot-Weißen den Pokalabend einmal verdaut haben, werden sie sich eingestehen: Die gelungene Revanche aus Sicht der Eisernen ist glücklich, schlussendlich aber verdient. Zumindest Wrobel wusste die Bewertung seines Kollegen Uwe Neuhaus in weiten Teilen zu „unterstreichen.“ Der Terodde-Treffer ist regulär und in der Verlängerung kommt Union mit der zweiten Luft einer Profimannschaft zum Erfolg. Keine Frage - rühmen darf sich das Team von der Alten Försterei mit diesem Arbeitsnachweis nicht.

Allerdings wirken die Berliner bei ihrem zweiten DFB-Pokalgastspiel an der Hafenstraße besser vorbereitet. Im vergangenen Jahr traten sie pomadig auf, erst spät realisierten sie, was ihnen blühte. Diesmal lassen sie sich nicht überrumpeln. Trotzdem bleiben die Hauptstädter hinter den Erwartungen zurück- weil die Bergeborbecker abermals ein enormes Pensum abspulen. Durch geschicktes Verschieben unterbinden die Essener das Flügelspiel der Gäste, mit Leidenschaft werfen sie sich in die Zweikämpfe. Selbst Sturmspitze Benedikt Koep geht weite Wege zurück, um die Kollegen in ihrer Defensivarbeit zu unterstützen. So bleiben Torchancen auf beiden Seiten Mangelware.

Und dennoch: Der Pokalabend hätte durchaus schon nach 90 Minuten beendet sein können. Die Einwechslungen des gebürtigen Hattingers Uwe Neuhaus bringen in der zweiten Hälfte etwas Belebung ins Angriffspiel der Eisernen. Der chilenische U20-Nationalspieler Luis Gallegos trifft nur den Innenpfosten, Christoph Menz zwingt RWE-Keeper Dennis Lamczyk zu einer Glanztat. Lange Bälle und Distanzschüsse zeugen zwar nicht von spielerischer Raffinesse, zumal der Underdog phasenweise ganz gefällig den Ball zirkulieren lässt (vor allem auf der linken Seite, wo Kevin Grund und Roberto Guirino wirbeln), aber im Pokal zählt eben nur die nächste Runde. Das Chancenplus spricht nach Ablauf der regulären Spielzeit für Union.

Nach 105 Minuten ist der Klassenunterschied dann offensichtlich: Waren die Berliner 2011 konditionell unterlegen, so sind sie diesmal auf eine Extraschicht eingestellt. Bei den Essenern hingegen machen sich Wadenkrämpfe und vereinzelt Kreislaufprobleme (Holger Lemke) bemerkbar. Die Rot-Weißen sind nicht mehr ganz so eng am Mann, Union kommt zu guten Gelegenheiten (Gallegos erneut an den Pfosten, Adam Nemec freistehend vor Lamczyk). Doch der Ball trudelt nicht ins Netz. Für die Essener gilt: Letzte Hoffnung Elfmeterschießen.

Darin liegt vielleicht der Unterschied zur Vorjahrespartie begründet: Damals hätte es die Entscheidung vom Punkt für einen Sieg über Union nicht unbedingt bedurft, am Abend des 20. August 2012 taumeln die Essener wie angeschlagene Boxer auf die Punktevergabe zu. Doch dann setzt Simon Terodde zum letzten Schlag an – der Knockout.

Nichtsdestotrotz: Nach der Überraschung 2011 folgt 2012 mit der knappen 0:1-Niederlage ein Achtungserfolg. Nur davon möchten die Rot-Weißen heute wohl noch nichts wissen.

Fotos: Michael Gohl

Autor:

Patrick Torma aus Essen-Nord

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