RWE: Unentschieden zum Abschied - "Wettpaten" entschuldigen sich

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„Für ein letztes Saisonspiel war es gar nicht so schlecht“, urteilte RWE-Trainer Waldemar Wrobel nach dem Schlusspfiff. Als neutraler Beobachter mochte man ihm da zustimmen. Doch auch wenn die Partie zwischen Rot-Weiss Essen und Fortuna Köln als letztes Pflichtspiel im alten Georg-Melches-Stadion ihre Erwähnung in den Geschichtsbüchern finden wird, das 1:1-Unentschieden war an diesem Nachmittag bestenfalls zweitrangig.

Denn da war doch was: Am Freitagabend verkündete der DFB, dass er gegen drei Essener Spieler ermittelt. Das Trio hatte vor dem Heimspiel gegen Dortmund II (5. Mai) Wetteinsätze gegen die eigene Mannschaft platziert. „Ein Vorgang, der moralisch wie arbeitsrechtlich nicht akzeptabel ist“, wie RWE-Geschäftsführer Michael Welling heute betonte. Allerdings liegt zum jetzigen Zeitpunkt weder der Verdacht des Wettbetruges, noch der der Spielmanipulation vor.

Die drei „Wettpaten“ haben sich inzwischen via Pressemitteilung zu erkennen gegeben. Dabei handelt es sich um die Spieler Dirk Jasmund, Güngör Kaya und Kevin Lehmann. Eine Entschuldigung ist bereits erfolgt: „Wir möchten uns […] bei allen Fußballfans, den Fans, Freunden und Partner von Rot-Weiss Essen, den Mitarbeitern und Gremienmitgliedern des Vereins sowie bei unseren Mannnschaftskollegen in aller Form entschuldigen. Wir sind uns im Klaren, dass wir einen Riesenfehler begangen und einen riesigen Imageschaden herbeigeführt haben und werden den DFB sowie den Verein in jeder Form bei der Aufklärung unterstützen.“

Ihr Verbleib an der Hafenstraße ist offen. Zurzeit sind die drei vom Spiel- und Trainingsbetrieb suspendiert, verabschiedet wurden die Spieler vor dem Köln-Spiel allerdings noch nicht. Was in Erwartung negativer Fanreaktionen auch nicht zu verantworten gewesen wäre. „Wir warten das Ermittlungsverfahren ab“, verkündete der Übungsleiter.

Wie schwer Wrobel von der Nachricht des DFB getroffen wurde, lässt sich nur erahnen. Mannschaft und Fans erwiesen dem 42-Jährigen am heutigen Samstag eine Menge Wertschätzung, die eine oder andere Träne dürfte da bei ihm geflossen sein. Auf der anschließenden Pressekonferenz präsentierte sich Wrobel allerdings gewohnt gefasst: „Wir reden seit zwei Jahren immer von Vertrauen, Charakter, Transparenz – natürlich bin ich da enttäuscht. Aber es geht hier nicht um mich. Die Spieler, das Funktionsteam, alle sind angepisst.“ Den Rücktrittsgerüchten erteilte er jedoch eine Absage: „Nur weil drei Spieler ein Fehlverhalten an den Tag gelegt haben, darf man nicht alles umschmeißen. Wir sind hier noch nicht fertig. Ich bin heiß auf diesen Verein.“

Vielmehr gab es zum Aufreger vom Freitag nicht zu sagen. „Wir haben die richtige Antwort auf dem Platz gegeben“, meinte Angreifer Benedikt Koep nicht zu Unrecht. Nach dem kräftezehrenden Pokalerfolg über Hönnepel-Niedermörmter (3:2) am Mittwoch wäre durchaus ein anderer Spielverlauf denkbar gewesen. Doch die Bergeborbecker steckten den durch Maurice Kühn erlittenen Rückstand (7.) gut weg. Kerim Avci hatte in der 23. Minute mit einem strammen Schuss aus neunzehn Metern die passende Antwort parat. „In den ersten zwanzig Minuten waren wir das dominantere Team. Danach haben wir unerklärlicherweise das Heft aus der Hand gelassen“, befand Fortuna-Coach Uwe Koschinat. Die Rheinländer waren jedoch nicht bereit, sich zum Stadionabschied abschießen zu lassen, weshalb es beim leistungsgerechten 1:1 blieb.

Den 10.907 Zuschauern war es recht, sie wollten, ungeachtet von der Wettaffäre, einfach nur feiern. Und das taten sie gebührend: Die Ultras hatten für eine ansprechende Choreografie gesorgt (Kostenpunkt 9.000 Euro), Laola-Wellen, Fahnenflitzer und der „Schreck vom Niederrhein“ sorgten für Spaß auf den Rängen, von „Adiolé“ über „Opa Luscheskowski“ bis „An der Hafenstraße – RWE“ wurde alles angestimmt, was das Textbuch auf der Ost-Tribüne hergab. Für Wehmut sorgte allenfalls der Wechsel von Timo Brauer, der den Verein in Richtung Aachen verlässt. Der Mittelfeldantreiber wurde angemessen vom Anhang verabschiedet, seine Meinung über Brauers neuen Arbeitgeber hielt er aber auch nicht zurück. „Sch… Alemannia“ halte es durchs Dreiviertel-Stadion. Ralf Aussem, Chef-Trainer der Aachener und sowohl den Essener als auch den Fortunen aus Köln (193 Zweitliga-Spiele) verbunden, hatte kurz danach genug gesehen. Nicht ohne Witz war auch die Verabschiedung von Leon Enzmann, der in die Nachbarschaft zur SG Wattenscheid wechselt. „Heute wird gesoffen, bis der Enzmann trifft.“ Gut, dass der Angreifer nach seiner Einwechselung glücklos blieb. So wird jetzt noch gefeiert.

Morgen fällt dann wirklich der allerletzte Vorhang im „GMS“. Um 17.30 Uhr ist Anstoß des Legendenspiels (Einlass 16 Uhr), das um 19.07 Uhr abgepfiffen wird. Danach dürfen die Fans den heiligen Rasen erobern. Am Montag fällt bereits die erste Treppe im Stadion: Wo heute noch RWE auflief, wird in wenigen Tagen eine Baustraße errichtet. Bilder folgen.

Autor:

Patrick Torma aus Essen-Nord

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