Zweite Altenessen-Konferenz: Nicht nur reden, sondern handeln

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Ein wenig nervös waren sie schon, die Organisatoren der Altenessen-Konferenz. Ob die Aufbruchsstimmung der ersten Auflage vor einem halben Jahr nicht doch abgeklungen ist? Am Sonntag blickte man in erleichterte Gesichter. Mit 200 Teilnehmern war die zweite Runde gut besucht. Doch letztlich ist es unerheblich, ob die Kaue auf Carl halbvoll oder -leer erscheint. Wichtig ist, was unterm Strich herauskommt.

Die Bestandsaufnahme im März brachte eines zum Vorschein: Das Thema Sauberkeit brannte vielen Premierenteilnehmern unter den Nägeln. Der Kampf gegen die Vermüllung des Stadtteils drängte sich als Anknüpfungspunkt für die zweite Sitzung geradezu auf. Vertreter von Jugendamt, Grün & Gruga und den Entsorgunsbetrieben bezogen Stellung. Der Tenor zwischen den Zeilen: Die Stadt bemüht sich nach Leibeskräften, doch zwischen Karnap und Kettwig fällt viel wilder Müll an. Jede Idee, jede helfende Hand ist daher willkommen.
Moderator Klaus Wermker gab daher folgende Marschrichtung für die Gruppenarbeit vor: „Wir wollen kein flammendes Manifest an die Stadt formulieren. Es geht um unsere Verantwortung.“

Wie Bürger anpacken können, das zeigt ein Beispiel aus Altendorf. Dort wurde schnell klar: Eine schöne, neue Grünanlage wie der Krupp-Park birgt ihre Schattenseiten. „Überall lag Müll herum, der Zustand war innerhalb kürzester Zeit katastrophal“, erinnert sich Friedrich Stahlhut. Als die Negativberichterstattung nicht enden wollte, ergriffen er und andere engagierte Altendorfer die Initiative: Jeden Samstag nehmen sie Zange und Müll-Wägelchen zur Hand und befreien den Park vom gröbsten Unrat. Die Resonanz sei durchweg positiv, berichtet Stahlhut. „Natürlich kommt manchmal die Frage: ‚Wie? Ist deine Rente so schmal?‘ Insgesamt aber wissen die Leute unsere Arbeit zu schätzen. Wir gehen auf die Menschen im Park zu und bitten sie, ihren Müll nachher im dafür vorgesehenen Behälter zu entsorgen. Meistens klappt das auch!“

Weitere Anregungen im Umgang mit aufmüpfigen und/oder allzu sorglosen Jugendlichen hielt Comedian Moses W. parat: „Die Einzigen, die noch zu ihnen durchdringen, das sind doch Mütter. Kennen Sie noch diese Polizei-Aufsteller? Die auf ein Stopp-Schild hinweisen? Wie wär‘s diesmal mit ‚Muttis im öffentlichen Raum‘? Der Slogan dazu: ‚Räum‘ deinen Scheiß‘ weg!‘.“ Eine Idee, die natürlich nicht bierernst gemeint ist, aber sicher eine originelle Image-Kampagne abgäbe. Sollte es Probleme beim Casting geben, Moses W. steht bereit: „Notfalls stelle ich mich mit Lockenwicklern und Kittel zur Verfügung!“

Nach dieser inspirierenden Einleitung ging es für die Teilnehmer an die Arbeit: In Gruppen nach Wohngebieten eingeteilt, waren kreative Lösungen für das facettenreiche Müllproblem gefragt. Einige Gruppen präsentierten innerhalb kurzer Zeit erstaunlich reife Vorschläge. So wollen sich die Bürger im äußersten Norden Altenessens einmal im Quartal zum großen Reinemachen verabreden.
Die Gruppe aus dem Bereich Heßler- und Kuhlhoffstraße ist noch ein Stückchen weiter. Mit Willi Overbeck, langjähriger Pfarrer in Altenessen, weiß sie einen erprobten „Macher“ an ihrer Seite.

„Wir wollen Straßenpaten installieren, die sich um die Sauberkeit kümmern. Gleichzeitig fragen wir bei Grün & Gruga nach, welche Grünflächen sich im Pflegeplan befinden und wo noch Bedarf besteht. Vielleicht können wir hier die Jugendgruppen aus dem Umfeld einbeziehen“, so Overbeck. Die Interessengemeinschaft Altenessen (IGA) will die Aktionen künftig dokumentieren - und zwar auf ihrer Homepage www.igaltenessen.de.

Am Ende war selbst der ehemalige Leiter der Stadtentwicklung, Klaus Wermker, baff: „Das ist wirklich ein beeindruckendes Ergebnis. Die Menschen in Altenessen werden aktiv.“ Und das nach bereits zwei Konferenzen.

Damit der Schwung tatsächlich nicht verebbt, soll die nächste Stadtteilsitzung noch in diesem Jahr, spätestens aber im Januar 2014 einberufen werden, kündigt Peter-Arndt Wülfing, Vorsitzender der IGA, gegenüber dem Nord Anzeiger an. Thema könnte die Sicherheit im Stadtteil sein. Wülfing: „Das ist der zweite große Themenkomplex, der von den Teilnehmern ins Spiel gebracht wird. Hier müssen wir aber zusätzlich die lokale Politik einbinden.“

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