Burgaltendorf: An die 100 Jahre alte "Alarmanlage" fürs künftige Heimatmuseum
Achtung, Äppelklauer!

Wie weiland seine Mutter schlug Jupp Tiemann die Eisenglocke mit der Suppenkelle an. Klingt gar nicht so übel.
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  • Wie weiland seine Mutter schlug Jupp Tiemann die Eisenglocke mit der Suppenkelle an. Klingt gar nicht so übel.
  • Foto: Heimat- und Burgverein
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Burgaltendorf sucht nach einem Plätzchen für sein Heimatmuseum. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die Ausstellungsräume möglichst großzügig dimensioniert sein sollten. Denn beim Heimat- und Burgverein treffen immer neue, alte Exponate ein. Ein besonders geschichtsträchtiges Stück lieferte jetzt Josef Tiemann beim HBV-Vorsitzenden Rolf Siepmann ab.

Um die "Plünderer-Glocke von Altendorf/Ruhr" ranken sich derart viele Anekdoten, dass ein schnödes Inventarkärtchen bei weitem nicht ausreicht. Das beginnt schon beim Namen. "Die Glocke wurde als Alarm für die Nachbarn geläutet, wenn Plünderer durch die Obstgärten zogen", weiß Tiemann. Das übernahm seine Mutter mit einer Suppenkelle. Geschulten Ohren entgeht nicht, dass dabei ein durchaus angenehmes helles gestrichenes C zu hören ist. Naja, fast.

Mit der Suppenkelle anschlagen

Der reine Klang nimmt Wunder, denn die Glocke ist eigentlich eine überdimensionierte Bimmel ohne Klöppel. Sie entstand in den zwanziger oder dreißiger Jahren aus Resten: Ein leider unbekannter Meister (oder Geselle oder Stift) hat zwei Eisenrohre und einen Deckel bei den „Ruhrtaler Apparatebau- und Schweißwerken Willi Bach" zusammengefügt. Die "Alarmanlage" hing im Garten des Tiemann'schen Hofes am dicken Ast einer „großen Traueresche mit tollem Schirm“, wie der Stifter zu berichten weiß.

Rotznasen und Zwangsarbeiter

Bei allem Flachs beschäftigen den 81-jährigen Jupp Tiemann, der an der heutigen Burgstraße aufwuchs und bis 2003 als Konrektor der Grundschule Burgaltendorf wirkte, ernste Erlebnisse aus Kriegs- und Nachkriegszeit. Zum Äppelklauen durchstreiften nämlich nicht nur die Rotznasen aus der Gegend die Grundstücke. Rund um den Altendorfer Bahnhof waren in alten Reichsbahn- und Zechenlagerhallen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter interniert. Später dienten die Baracken Ausgebombten und Flüchtlingen als Unterkunft. Sie alle müssen entsetzlichen Hunger gelitten haben.

Schätze aus dem Bauschutt gezergelt

"Ich erinnere mich an zwei Bombenabwürfe in direkter Nähe meines Elternhauses. Die galten wohl dem Verschiebebahnhof in Dahlhausen." Vielleicht aber auch den Flakstellungen an den Ruhrhängen. Die Fliegerangriffe könnten auch die Schäden an einem Metallzaun verursacht haben den der HBV aus dem Bauschutt des abgerissenen Hauses an der Burgstraße 55 gezergelt und so fürs künftige Museum gesichert hat. Darüber berichtete der Ruhr-Kurier im September, was Tiemann veranlasste, sich bei den Geschichtsfreunden zu melden.

Grüggel spukt im Keller

Wenn zwei aufeinanderprallen, deren Herzen so leidenschaftlich für Burgaltendorf schlagen, wäre es ja gelacht, wenn sich bei all den Vertellekes keine Gemeinsamkeiten finden würden. Der Mann vom HBV sollte demnächst mal im Keller nachsehen. Sein Haus steht nämlich auf dem ehemaligen Tiemann'schen Hofgelände. Und da spukt der "Grüggel". Vor dem Kinderschreck, auch Bullemann genannt, hatte Mutter Tiemann ihren Sohn immer gewarnt, wenn sie ihn treppab ans Regal mit dem Eingemachten schickte. Siepmann ist angemessen eingeschüchtert. Sein Büro liegt im Untergeschoss.

Hinweise erbeten

  • Der HBV interessiert sich sehr für weitere Hinweise auf die Flakstellung und den großen Scheinwerfer beim Bauernhof Genuit in Dumberg.
  • Noch ist der genaue Standort unklar.
  • Vielleicht finden sich sogar alte Fotos?
  • Kontakt per E-Mail an siepmann@hbv-burgaltendorf.de.
Wie weiland seine Mutter schlug Jupp Tiemann die Eisenglocke mit der Suppenkelle an. Klingt gar nicht so übel.
Die Schäden an diesem Metallzaun geben Rolf Siepmann Rätsel auf. Der Ruhr-Kurier berichtete im September 2020.
Autor:

Henrik Stan aus Essen

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