Noch besser, schöner, größer - das "wunderbare Schullokal" an der Comenius-Schule erreicht neue Dimensionen

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„Heute ist hier ein ganz schönes Gewusel, aber ich mag das, wenn etwas los ist“, spricht Rektorin Bea Küpperfahrenberg und entschwindet zur nächsten „Baustelle“. Los ist eine ganze Menge an diesem Tag in der Comenius-Schule in Burgaltendorf. Essens erste Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung feiert 40. Geburtstag und heute, für diesen einzigen Tag, öffnet das „wunderbare Schullokal“.

62 geladene Gäste kommen am Abend in den Genuss eines gehobenen Drei-Gänge-Menüs - soviel Ehre muss sein. Die Speisenfolge sieht Petersilienwurzelcremesuppe mit Lachsrose als Vorspeise, Maispoulardenbrust auf karamellisiertem grünem Spargel und Limonen-Pilzrisotto als Hauptgang sowie „Rheinische Götterspeise“ zum Dessert vor. Außerdem soll es als Amuse gueule Tomaten-Mozzarella Spieße und Pumpernickel mit Kirschgrütze geben und vor dem Dinner wird hausgebackenes Brot mit Kräuterbutter gereicht.
In der Küche sitzt morgens um zehn schon die Crew in den Startlöchern, die dieses Menü auf die Teller zaubern wird. Die Comenius-Schülerinnen Sabrin (17), Jennifer (17), und Sonja (18) sehen dem, was kommt ganz gelassen entgegen. Die drei sind Schülerinnen der Ober- bzw. Berufspraxisstufe 1 und verfügen schon um einige Erfahrung in diesem Metier. „Jennifer ist hier an der Schule im Brötchenservice-Team, das jeden Donnerstag Brötchen mit den verschiedensten Belägen auf Bestellung liefert“, erläutert Eveline Neuhaus, Physio-Therapeutin an der Comenius-Schule und an diesem Tag Mitglied des integrativen Schullokal-Kochteams. „Diese Schüler machen alles selbstständig, - von der Planung über den Einkauf bis zur Auslieferung.“ Auch für Sabrin ist die (Schul-)Küche kein fremder Ort und Sonja bereitet regelmäßig montags und freitags den Kuchen zu, den es an diesen Tagen am Nachmittag gibt. Auch heute wird sie zu Backschüssel und Quirl greifen und einen Schoko-Nuss-Kuchen machen, der später zum Espresso serviert werden soll. Die jüngste im Kochteam ist Kati Witzler (14), Tagespraktikantin, Schülerin der Albert-Einstein-Realschule und Tochter von Nicole und Fabian Witzler, die die Idee vom „wunderbaren Schullokal“ vor zwei Jahren als Benefiz-Aktion an die Comenius-Schule gebracht haben. Die Eltern sind heute auch wieder mit von der Partie. Für die Kupferdreher war es selbstverständlich zuzusagen, als die Anfrage von der Schule kam, die Aktion zu deren 40-jährigen Bestehen zu wiederholen.

Wiederholungstäter ist auch Spitzenkoch Marc Weltmann, Küchenchef im Arcadia Hotel „Schloss Goldschmieding“ in Castrop Rauxel. 2010 entstanden unter seiner Ägide in der Küche der Comenius-Schule Kokos-Chilli-Suppe, gebeizter Lachs an Bandnudeln und zartes Schweinefilet. Koch-Novize ist Mark Bühler, ein Freund von Fabian Witzler, der sich gleich entschieden hatte mitzuhelfen, als er von der Aktion erfahren hatte. „Ich finde gut, dass solche Dinge ins Leben gerufen werden“, lobt Bühler die Benefiz-Aktion. Denn auch diesmal dient das herrliche Mahl dem guten Zweck: Jeder der Gäste gibt am Ende des Dinner so viel es ihm wert war. Der Erlös kommt den Schülern zugute. 2010 kamen auf diese Weise 1.255 Euro zusammen, die der Förderverein in die Anschaffung neuer Geräte für den Bewegungsgarten auf dem Schulgelände investiert hat. Diesmal soll mit dem Geld das Bällchenbad erneuert werden.

Erlös für ein
neues Bällchenbad

In der Küche geht es zu wie in einem Profi-Lokal. Das Kochteam teilt sich selbst in mehrere Gruppen ein, die die verschiedenen Koch-Stationen bedienen. Nicole Witzler und Sabrin machen das Brot, Eveline Neuhaus und Jennifer widmen sich den Petersilienwurzeln und Marc Weltmann und Sonja bereiten die Poularden vor. Parallel beginnt der Profi-Koch damit, die Kirschgrütze zu kochen. „Die muss am längsten durchziehen. Dann können sich die Aromen von Kirschen und Vanille gut miteinander verbinden.“
Während es in der Küche weiter geschäftig zugeht, liegt die zum „wunderbaren Schullokal“ verwandelte Mehrzweckhalle der Comenius-Schule ganz still da. Hier ist schon alles vorbereitet für den großen Event am Abend, die Wände sind geschmückt. „Es wird sehr sehr festlich werden“, freut sich Lehrerin Judith Labus, die die Tische bereits am Vorabend zusammen mit ihren Kolleginnen Froese und Schirmer-Heeb eindeckt hat. Acht Tische für jeweils acht Gäste stehen bereit. Am Abend werden 16 Schüler hier als Service-Team im Einsatz sein, durch die Gästeschar lavieren und Amuse geules servieren, an den Tischen Getränkebestellungen entgegennehmen und nachschenken und nicht zuletzt das Drei-Gänge-Menü servieren. „Das haben wir natürlich alles geübt“, berichtet Anne Froese. „Die Schüler haben das sehr gut hinbekommen. Einige waren vor zwei Jahren schon im Service-Team, andere sind neu. Aber alle finden es toll, heute dabei zu sein und freuen sich darauf, mal was anderes zu machen.“
In den Klassenräumen herrscht unterdessen business as usual. „Der Unterricht findet ganz normal statt“, erklärt Anne Froese. „Darum können wir auch ab 15.30 Uhr erst damit beginnen, die Stehtische für den Sektempfang auszustellen, die Deko-Laternen und den Schmuck im Flur anzubringen. Mit der Wahl der Örtlichkeit, der Mehrzweckhalle, hat sich das „Schullkoal“-Team die zweite neue Herausforderung gestellt - neben der Tatsache, dass heute Abend 62 Gäste zu bewirten sind statt 40 wie im Jahr 2010. „Vor zwei Jahren hat das Dinner in einem umfunktionierten Klassenzimmer stattgefunden, das direkt neben der Schulküche liegt“, erläutert Eveline Neuhaus. 62 Gäste hier unterzubringen war aber unmöglich, man hätte die Tische auf zwei Klassenräume aufteilen müssen. „Da fanden wir die Lösung mit der Mehrzweckhalle schöner, hier können alle zusammen sitzen“, so Neuhaus. Das bedeutet aber für das Küchen- und das Service-Team: Speisen hinein in den Aufzug und unfallfrei ins Erdgeschoss geschafft (die Schulküche liegt im ersten Stock), dann alles rüber ins Nebengebäude, wo sich die Mehrzweckhalle befindet. Eveline Neuhaus: „Zum Glück haben wir dort eine Ausgabeküche, wo die Speisen dann angerichtet werden können.“
Um kurz vor 19 Uhr trudeln dann die ersten Gäste des „wunderbaren Schullokals“ ein. Die Fotoausstellung „40 Jahre Comenius-Schule“ ist aufgebaut, ebenso wie ausgewählte Bilder des neuesten Comenius-Art-Kalenderprojekts. Dass neben Gaumenfreuden auch etwas für den Geist dargeboten wird, gefällt auch den RUHR KURIER-Gewinnern Sigrid und Hans Groos, die auch schon beim ersten „wunderbaren Schullokal“ dabei waren. Auch die Gewinnerinnen Renate Peters und Ursula Berson aus Überruhr ließen es sich schmecken, Peters, ehemalige Leiterin eines Sonderkindergartens meint: „Behindertenarbeit ist wichtig, so eine Schule in der Umgebung zu haben, ist ein Gewinn!“
Während der zweite Gang serviert wird, lauschen die Gäste der musikalischen Begleitung durch geladene Künstler. Auch die Marilyn Monroe vom vorletzten Jahr- Sängerin Scarlett Andrews - ist mit dabei, diesmal ohne Perücke.

Noch bevor das Dessert gereicht wird, erklärt Fabian Witzler gemeinsam mit Bühler sein Ziel für die Zukunft: „Wir haben uns vorgenommen, in jedem Jahr 20 Gäste mehr zu bekochen. Und in ein paar Jahren machen wir dann die Grugahalle voll!“, lacht der Kupferdreher. Ein erneutes „Schullokal“ würde auch Bea Küpperfahrenberg begrüßen. „Wenn die Witzlers wieder dazu bereit wären, warum nicht“, sagt die Rektorin und sieht glücklich aus. Mit diesem Abend möchte sie Freunden und Förderen der Comenius-Schule danken.
Das scheint gelungen, die Gäste blicken satt und munter drein, noch mitten im Rausch dieses schönen Abends. Auch das Küchenteam macht nach dem letzten Gang einen zufriedenen Eindruck. „Es war stressig, aber trotzdem hat es wieder einmal sehr viel Spaß gemacht,“ beschließt Fabian Witzler den Abend. Wer mag, kann noch zu ihm und Frau Nicole auf ein Glas Wein vorbei. „Danach ist aber endgültig Schluss, dann heißt es nur noch: Ab ins Bett!“

Autor:

Melanie Stan aus Essen-Ruhr

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