Das ‚richtige’ Verhalten eines Mobbing-Opfers – Lektion 3

Was kann ein Mobbing-Opfer tun, um seine Situation zu verbessern? Die ersten zwei Lektionen haben erläutert, dass weder das schweigende Opfer noch jenes, das ein Gespräch – eine Klärung – mit dem Täter sucht, in diesem Bemühen sonderlich erfolgreich wären. Die sicher bessere Variante der Kommunikation wählt der ‚Hilfe suchende’ Typ. Er spricht sein direktes Umfeld auf die zunehmenden Attacken des Mobbers an, erwartet Unterstützung.

Glück für das Opfer bedeutet es bereits, wenn überhaupt jemand zuhört, denn im Normalfall wendet sich der Angesprochene schnellstmöglich uninteressiert ab. Ein solch ‚hässliches’ Thema passt nicht in eine Gesellschaft, die bevorzugt über das neue Auto oder den exklusiven Urlaub kommuniziert.
Findet sich tatsächlich ein offenes Ohr, beginnt der zurückhaltende Opfer-Typ gewöhnlich zaghaft über die Anfänge des Mobbings zu berichten. Diese sind in der Regel eher harmlos zu nennen – schleichende, kontinuierliche Steigerung ist bei Mobbing Programm.

Mit folgenden Reaktionen muss dieser Opfer-Typ rechnen:

Variante 1: mit wohlwollendem Lächeln rät der leichtfertige Zuhörer: „Da steht man doch wohl drüber. Das musst du einfach ignorieren!“
Einfach ignorieren, nichts tun…
…upps: wurde nicht gerade das in Lektion 1 als Fehler definiert? Ein Kreis schließt sich.

Variante 2: sehr beliebt ist auch der gute Rat: „Da musst du einfach besonders freundlich sein. Lächle den Mobber an, dann ärgert er sich und hört auf...“.

In Mobbing-Studien – in erster Linie bei Schülern – hat man festgestellt, dass viele Opfer ‚mitspielten’, sprich: ‚gute Miene zum bösen Spiel’ machten, um die eigene Verletztheit nicht preiszugeben und sich dadurch womöglich weiterem Spott auszusetzen. Sie gaben vor, sich zu amüsieren, lachten...
Hörte das Mobbing dann auf? Eher nicht: wie schon erwähnt: schleichende, kontinuierliche Steigerung ist bei Mobbing Programm. Irgendwann schließlich ist das Opfer jedoch mit den ständigen Attacken überfordert, die Situation eskaliert…
…und jetzt ‚wissen’ alle ganz genau: das Opfer hätte doch nur mal etwas sagen müssen…

Variante 3: etwas zerknautscht reagiert der Zuhörer, der durchaus die Situation begreift und – statt einzuschreiten – ruck zuck mit dem Ausdruck tiefsten Mitgefühls sein Gewissen beruhigt: „Es tut mir ja alles so leid für dich!" – Hilfe erfolgt auch durch diesen ‚Unbeteiligten’ nicht…

...und das Mobbing geht weiter: endlose, kontinuierliche Steigerung irgendwelcher Schikanen…

…und später sind sich alle, die diesen Psychoterror seelenruhig und untätig von außen beobachtet haben, unter zustimmendem Nicken irgendwelcher ‚Fachleute’, einig: „Zum Mobbing gehören immer zwei!" Ganz sicher ist das Opfer selbst schuld. Irgendeinen Grund wird es dem Täter geliefert haben.
Zwar ist dieser imaginäre Grund nicht bekannt – es fragt auch niemand so genau danach –, aber es muss ihn geben, denn sonst wäre sicher nichts passiert...

Möglicherweise gerät nun der eine oder andere ‚Ratgeber’ ins Nachdenken. Wie es dem Mobbing-Opfer ergeht, das, im Gegensatz zum hier beschriebenen – zurückhaltenden – Typ, dem zumeist unfreiwilligen Zuhörer mit klaren Worten seine quälenden Erlebnisse deutlich schildert – quasi ‚mit der Tür ins Haus fällt’ –, das folgt in Lektion 4.

...in Kürze hier an gleicher Stelle...

Autor:

Ilia Faye aus Essen-Ruhr

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