Fototipps für Fans
Der sichere Weg zu guten Eisenbahnfotos

  • Foto: RE1 nach Aachen in Bochum-Ehrenfeld - Foto/Copyright: Gottfried Czepluch
  • hochgeladen von Gottfried Czepluch

Es mag viele Menschen geben, die sich fragen, warum die Eisenbahn eine so große Faszination auf ihre Fans ausübt. Die Frage lässt sich problemlos auf viele andere Themen ausweiten, aber bleiben wir bei der Eisenbahn.

Leider kommt es unter den „Trainspottern“, wie sich der harte Kern der Bahnfotografen nennt, immer wieder zu schlimmen, ja teils tödlichen Unfällen. Dieser Beitrag soll als Leitfaden für die richtige und sichere Vorgehensweise dienen, erhebt aber nicht den Anspruch der Vollständigkeit.

Vorbereitung und Standortsuche

Zunächst sollte man sich die Frage stellen, was genau fotografiert werden soll. Neben „alles was kommt“, gibt es ja noch einzelne Bereiche wie zum Beispiel Nahverkehr, Fern- oder Güterverkehr, Sonderfahrten oder der alltägliche Bahnbetrieb. Weitere Aufgabenstellungen sind ebenfalls möglich. Doch wie macht man es nun richtig, ohne sich und andere zu gefährden?

Nachdem man sich die oben genannten Fragen beantwortet hat, stellt sich die nächste Frage, wo man „zum Zuge“ kommt. Der richtige Standort. Hier kann „Google Earth“ bei der Vorbereitung helfen. Dort kann man herausfinden, wo was fährt. Ein Vorteil ist auch die Möglichkeit zu sehen, wo man „stehen“ kann. Privat- oder Firmeneigentum scheidet natürlich aus. Der Wanderweg parallel zum Gleis könnte eine Möglichkeit sein. Er sollte auf gleicher Höhe mit der Bahnlinie sein und möglichst frei von Vegetation, um freie Sicht zu haben. Das macht es wesentlich leichter zu guten Ergebnissen zu kommen, weil man den Zug schon aus einiger Entfernung sehen kann. Die allgegenwärtige Regel lautet genug Abstand zu den Gleisanlagen. Man steht zudem niemals mit dem Rücken zu möglichen Fahrten, konzentriert sich auf seine Tätigkeit und lässt sich nicht ablenken!

Klare Verhaltensregeln sind ein Muss

Bahnübergänge können auch ein gutes Ziel sein, aber wenn sich die Schranken schließen, ist es verpflichtend, den Bahnübergang niemals – ich betone niemals – zu betreten. Man lehnt sich auch keinesfalls über bereits geschlossene Schranken! Im Regelfall besteht auch keinerlei Bedarf für lebensgefährliche „Experimente“ dieser Art. Ein guter Eisenbahnfotograf hält sich an die gesetzlichen Vorgaben! Leider gibt es im Internet immer wieder „Trainspotter“, die bewusst Regeln ablehnen und sich mit diesem Unsinn auch noch öffentlich in Szene setzen. Die besten Ergebnisse guter Eisenbahnfotografen sind nur deshalb entstanden, weil im Vorfeld der Verstand benutzt wurde. Für dummes Geschwätz gibt es keinen Spielraum.

Alle für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereiche sollten den Vorzug erhalten. So kann auch ein Bahnhof ein gutes Ziel sein. Stative oder gar Leitern sind grundsätzlich untersagt. Es geht hier um die eigene Sicherheit, sowie auch um die Sicherheit der Fahrgäste, die Vorrang gegenüber Fotos hat. Man hat auf die weißen Markierungen auf den Bahnsteigen zu achten, damit man bei schnellen Vorbeifahrten einen sicheren Stand hat. Weisungen des Bahnpersonals sind Folge zu leisten. Wenn man sich danach richtet, hat man sogar die Möglichkeit ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern der Bahn zu entwickeln, wo der ein oder andere Tipp einen Zusatzerfolg sichert. Vertrauen gegen Vertrauen! Wer sich renitent verhält, kann sogar Hausverbot erhalten.

Welche Kamera benötige ich für Bahnfotos?

Was benötigt man eigentlich für eine Ausrüstung? Ob man eine kleine Kompaktkamera benutzt, eine Bridge-Kamera oder eine DSLR (Digitale Spiegelreflexkamera) spielt gar nicht so die große Rolle. In der heutigen Zeit ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Von der Nutzung eines Smartphones sollte man allerdings Abstand nehmen. Es gibt leistungsstärkere Alternativen zu günstigen Preisen. Die „längere Brennweite“ ist natürlich immer hilfreich, weil man dicht dran, aber dennoch weit weg vom Zug ist. Der 200mm Klassiker ist ob neu oder gebraucht, immer erschwinglich. Profi Equipment ist nicht erforderlich, denn es geht nicht darum mit einem Supertele "eine gute Figur" zu machen, sondern um gute Eisenbahnfotos. Hier kann man sich im Fachhandel beraten lassen.

Falls man die Möglichkeit hat, sollte man beim „ersten Mal“ auf einen Alleingang verzichten und eine erfahrene Person an seiner Seite haben. Falls diese Möglichkeit nicht besteht, übt man zunächst auf sicherer Distanz, die auch später immer wieder Pflicht ist und bleiben wird.

Was geht gar nicht?

Wenn man „auf Strecke“ fotografiert, so ist es schlichtweg Wahnsinn, sich durch Gebüsch der Bahnlinie zu nähern. Ein solches Verhalten steht auf der „Hitliste“ der tödlichen Unfälle ganz oben. Lokführer, die sich dann natürlich mächtig erschrecken können, hassen ein solches Verhalten. Die schlimmsten Sprüche lauten: „Ich sehe den Zug doch kommen“, oder „ich höre den Zug doch kommen“. Beides ist definitiv falsch. Das Gebüsch verdeckt die Sicht und dahinter ist man bereits so dicht am Gleis, das eine Zugfahrt, zum Beispiel wegen der Sogwirkung, kein Überleben mehr möglich macht. Jeder Fotograf, der über Verstand verfügt und einen gewissen Anspruch pflegt, meidet solche Standorte.

Hören wir den Zug kommen? Nein! Wenn wir den Zug hören, ist es bereits zu spät. Die modernen Fahrzeuge sind sehr leise geworden, fahren mit hohen Geschwindigkeiten und selbst der scheinbar langsam fahrende Zug ist schneller da, als man es vermutet. Hinzu kommen die Nebengeräusche, wie Wind im Geäst, Straßenverkehr und ähnliche Dinge aus dem Alltag. Sie überlagern die Geräusche herannahender Züge! Das Motto lautet also „freie Sicht“ und ausreichend Abstand (siehe Vorbereitungen).

Wer die Signalbilder kennt, hat einen gewissen Vorteil, aber auch hier keine Sicherheit, denn niemand sitzt im Kopf des Fahrdienstleiters, der die Entscheidungen über den Fahrweg trifft. Vorsicht! Es gibt Zeitgenossen, die meinen ganz besonders schlau zu sein, in dem sie sich „tarnen“ und hierzu entsprechende Kleidung nutzen, damit man bei fragwürdigen Experimenten nicht gesehen und also nicht erwischt wird. Das ist ganz klar eine Straftat. Kommt es zu einem Nothalt landet man – insofern man überlebt – wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr (§315 StGB) vor Gericht.

Vorsicht vor gefährlicher Hochspannung!

Immer wieder gibt es Trainspotter, die ihr Leben aufs Spiel setzen und auf Signalmasten klettern, damit ein „besseres“ Foto möglich wird. Die Nähe zur Fahrleitung, die permanent eine Spannung von 15.000 Volt führt ist im höchsten Maße gefährlich. Der direkte Kontakt ist gar nicht nötig, um einen Stromschlag zu bekommen. Je nach Witterung ist es ganz besonders gefährlich, denn es kann zu einem Überschlag kommen, der tödliche Verletzungen zur Folge hat. Immer wieder kommt man zu der Kernaussage zurück, die sich jeder Fotograf, der etwas auf sich hält, stellt. Die Vorbereitung! Mit etwas Erfahrung entwickeln sich die fotografischen Ergebnisse immer weiter, bis hin zu „Topschüssen“, ohne auch nur einen Moment lang in Gefahr gewesen zu sein und genau darum geht es hier. Nicht jeder Unfall ist zwangsläufig tödlich. Manche Unfallopfer hatten das Glück zu überleben. Sofort stellt sich die recht brutale Frage, ob man noch von Glück reden kann, wenn man die Lebenszeit, die noch verbleibt, in einem verkrüppelten Zustand zu verbringen hat? Kein Foto dieser Welt rechtfertigt ein so hohes Risiko! Fast alle Unfälle lassen sich ohne großen Aufwand vermeiden, teils sogar gänzlich ausschließen, so man sich an die wichtigsten Regeln hält.

Höflichkeit hilft weiter!

Abschließend sei noch erwähnt, das viele Lokführer nicht unbedingt erfreut darüber sind, sich bei Facebook oder in Foren zu sehen. Hier ist Entgegenkommen gefragt und jedes Bildbearbeitungsprogramm lässt es mühelos zu, Gesichter unkenntlich zu machen. Fair ist fair. Auch wenn man sich – wie beschrieben – abseits der Gleisanlagen aufhält, so ist die leuchtende Warnweste eine weitere Hilfe für den Lokführer. Die schwarze Jacke kann zu unangenehmen Irritationen führen.

Es geht darum, sein Hobby leben und überleben zu können. Es ist auch kein „Verrat“, wenn man in Fällen von Uneinsichtigkeit und Selbstüberschätzung einer Person, die Polizei informiert und um Hilfe bittet. Wer den zugegeben langen Beitrag bis zu dieser Stelle gelesen hat, sollte nicht verunsichert sein. Die wichtigsten Regeln gehen früher oder später „in Fleisch und Blut“ über und sichern Erfolge. Wer sich den Regeln und Gesetzen gegenüber widersetzt, ist nicht nur aus fotografischer Sicht ein Verlierer!

Autor:

Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr

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