Wetterkunde - Sag mir wo die Wahrheit ist
Medien, Meteorologie und wirksamer Bevölkerungsschutz

  • Foto: Gewitter über dem Ruhrtal bei Essen - Archivfoto/Copyright: Gottfried Czepluch
  • hochgeladen von Gottfried Czepluch

Es gab einmal eine Zeit, wo der Spruch „Der Mörder ist immer der Gärtner“ in aller Munde war. Das hat sich geändert. Heute heißt es „Der Meteorologe ist immer der Dumme“. Warum ist das so? Das hat sehr viel mit der Berichterstattung zum Thema Wetter zu tun und mit den Erwartungshaltungen, die sich daraus ergeben. Es gibt nun eine Fülle unterschiedlicher „Wetter-Apps“. Sie sind schnell installiert und bieten eine scheinbare Sicherheit für die Anwender. Wenn man sich zum Beispiel die Apps einiger Privatanbieter ansieht, so kann man den Eindruck erlangen, sich beim Download geirrt zu haben und auf die Seite der Abteilung „Science-Fiction“ geklickt zu haben.

Sind Prognosen immer richtig ?

Plötzlich stolpert man über „Prognosen“, die sogar Vororte einer Stadt im Angebot haben und deren Aussagen in den Augen der Anwender „immer richtig“ sind. Immer? Die für das Wochenende geplante Grillfete im heimischen Garten scheint also gesichert zu sein, denn über dem Ort der Wahl wird die Sonne strahlen. 30 Grad im Schatten. Mindestens. Die Gäste treffen ein, das Fleisch nähert sich dem Garpunkt und da nähert sich noch etwas anderes. Ein Gewitter! Dumm gelaufen, denn das war nicht vorgesehen. Woran mag das liegen? Nicht genug „Saft“ auf dem Akku? Spinnt Android oder iOs? Nein! So eng begrenzte, regionale Prognosen sind einfach nicht machbar!

Ein beliebtes Mittel zur Kundenbindung sind die Langzeitprognosen. 14 Tage und mehr. Sind das Prognosen? Nein, es ist ein Wettertrend – also eine Aussage, wie sich das Wetter verhalten wird, wenn keine Änderungen eintreten und somit oft mit Unsicherheiten behaftet. In vielen Fällen münden diese fragwürdigen Prognosen zum Blick in die berühmte Glaskugel, oder in die Kaffeesatzleserei.

Egal wie man es nun nennen möchte. Einen Trend als Prognose anzubieten, ist ein sehr fragwürdiges Geschäftsmodell. Wo gerade das Wort Modell gefallen ist, so sei an dieser Stelle der Hinweis gegeben, das in der Meteorologie Wettermodelle ein wichtiges Mittel für Prognosen sind. Sie berechnen ständig und ohne Unterlass jede mögliche Wetterentwicklung. Oftmals sind die Unterschiede in den Ergebnissen so groß, dass das Thema 14 Tage und mehr schlichtweg vom Tisch ist.

Die Schwierigkeiten beim Unwetter

Bei bevorstehenden Unwettern wird eine Prognose teils sehr kompliziert, weil viele Faktoren die erstrebenswerte Sicherheit – insofern man dieses Wort benutzen möchte – für eine Vorhersage kaum möglich machen. Die Vorhersage, das Unwetter entstehen werden, ist eine Sache, aber zu sagen, wo sie die schwersten Schäden hinterlassen werden, kaum zu machen. Eine punktgenaue Aussage, wo ein Gewitter Unheil bringt ist wegen der Möglichkeit kurzfristiger Entwicklungen, die also von jetzt auf gleich entstehen können, kaum – in vielen Fällen gar nicht – zu machen. Obwohl die Meteorologie in diesem Punkt schon viel weiter ist, als es in der Vergangenheit der Fall war, gehört das Thema Gewitter weiterhin zu einer großen Herausforderung, mit der ein Warnmeteorologe konfrontiert ist.

Daher gibt es Vorabinformationen für Gebiete, wo das Risiko am größten ist. Wenn ein Unwetter „vor der Türe steht“ erfolgen erste Warnungen, die dem Bürger ein gewisses Zeitfenster für Maßnahmen zum Schutz geben. Die Warnungen, die man zumeist auf Karten sehen kann und die eine bestimmte Region zeigen, befinden sich entsprechend der Ereignisse in einem steten Wandel. Der Nutzer sollte diese Informationen im Auge behalten. Des weiteren gibt es im Vorfeld zu möglichen Unwettern Warnlageberichte. Diese Maßnahmen dienen dem Schutz der Bevölkerung.

Wieder nichts passiert

Tja und dann ist ja wieder nichts passiert und die Meteorologen haben ihren Job nicht im Griff. Ist das so? Nein, denn die Prognosen haben sich als korrekt erwiesen. Wieso das denn jetzt? Die Antwort findet man dann in den Nachrichten, im Internet oder im schlimmsten Fall durch einen Freund aus dem Nachbarort, der dringend Hilfe benötigt. „Der wohnt doch keine 10 Kilometer von mir weg“. Das reicht aber völlig aus. Wenn sämtliche Zutaten in der Wetterküche für die Bildung von schweren Gewittern gegeben sind, dann ist soviel Energie in der Atmosphäre, das die somit vorhandene Dynamik immer wieder für teils sehr unangenehme und oftmals unerwartete Überraschungen sorgen kann.

Um noch ein Wort zur öffentlichen Berichterstattung zu verlieren: Die Angaben sind oftmals sehr diffus und die Tendenz gerne etwas zu viel „Gas“ zu geben, ist in vielen Fällen offensichtlich. Da haben wir im Sommer gerne mal 40 Grad im Schatten, teils sogar mehr. Der normale mitteleuropäische Frost wird oft auch mit sibirischen Verhältnissen auf eine Stufe gestellt. Kommt es zu einem Sturmtief, so greift man gerne auf die Messergebnisse zurück, die in exponierten Lagen, also zum Beispiel dem Brocken, ermittelt wurden und überträgt diese auf andere Regionen, die deutlich unter den Topwerten liegen. Die möglichen Folgen könnte man so beschreiben:

Verantwortung und Seriosität

Auf dem Brocken wurden 140 km/h ermittelt und der genaue Wert der Herkunft (Brocken) fällt gerne mal unter dem Tisch. Dann denkt der Bürger im Ruhrgebiet, wo es vielleicht nur Böen mit 90 km/h gegeben hat wieder „es war doch alles halb so schlimm“. 140 km/h im Ruhrgebiet wären eine furchtbare Katastrophe. Somit werden teils gefährlich falsche Bilder gezeichnet, die sich in den Köpfen der Menschen schnell manifestieren. Die Seriosität steht und fällt also mit den Berichtern. Es besteht bei Warnungen kein Anlass in Panik zu verfallen und sein Haus in eine Art Bunker zu verwandeln. Aufmerksamkeit reicht aus und man kann auch einen Tag auf Jogging im Wald verzichten. Wenn in der Berichterstattung Ängste zum Beispiel durch drastische Bilder geschürt werden, so kann man insbesondere Personen die unter Gewitterangst (Astraphobie / Astrophobie) leiden, bis tief ins Mark treffen. Die Wahl der Mittel ist also auch an Verantwortung gekoppelt.

Sag´mir wo die Wahrheit ist

Neben fragwürdigen Informationen steht auch noch das sehr facettenreiche, subjektive Empfinden des Menschen als Problem im Raum. Die Meteorologie ist eine sehr komplexe Wissenschaft, die zugegeben für viele schwer zu greifen ist. Die Berufsbezeichnung Meteorologe ist zudem nicht geschützt. Somit ist für viele Möchtegernexperten Tür und Tor geöffnet. Das Diplom ist geschützt und hier trennt sich schnell die Spreu vom Weizen, wenn Laien versuchen „verbindlich“ zu werden.

In Zeiten des Klimawandels rückt das Thema Wetter – insbesondere Extremwetterereignisse – stark in den Fokus der Öffentlichkeit. Diese Diskussion wird sehr kontrovers geführt und beinhaltet teils latente und sogar offensichtliche Formen der Aggression. Um Sicherheit bei der Suche nach Informationen zu erlangen, hilft die sorgfältige Wahl der Quelle. Dieser Text erfüllt natürlich nicht den Anspruch der Vollständigkeit. Er soll lediglich darauf hinweisen, auf Vorverurteilungen zu verzichten und sich an geeigneter Stelle etwas schlauer zu machen, wobei sich der Autor nicht als „geeignete Stelle“ definiert. Einigen wir uns darauf, sich an der Quelle zu informieren und nicht da, wo nur abgefüllt wird.

Bevölkerungsschutz

Zuletzt stellt sich die Frage, ob die hoheitliche Aufgabe zum Schutz der Bevölkerung den wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen untergeordnet sein darf. Wer zahlt bekommt den „Full-Service“ und wer nicht zahlen kann oder will hat keinen Anspruch auf Sicherheit? Die Basisinformationen zum Schutz des Menschenlebens müssen sachlich, mit dem erforderlichen Fachwissen, seriös und für jeden zugänglich und kostenfrei sein. Für Konkurrenzgedanken ist das menschliche Leben immer noch zu wertvoll.

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