Stell dir vor, es ist Krieg…

Stell dir vor, du bist langjähriges Mitglied eines Vereins. Stell dir vor, du bist dort allseits sehr beliebt und fühlst dich sauwohl – dein zweites Zuhause. Stell dir vor, du lässt dich zur Übernahme eines Ehrenamtes überreden: des Vertrauenspostens ‚Kassenwart’.

Stell dir vor, du engagierst dich auch dabei – wie schon jahrelang zuvor – sehr erfolgreich für deinen Verein. Stell dir vor, dein Erfolg ist einem weniger gesegneten Vereinsmitglied ein Dorn im Auge. Stell dir vor, dieses Mitglied sinnt nach einer Möglichkeit, dich zu ‚beseitigen’.

Stell dir vor, dieses Vereinsmitglied bringt unerkannt den heimlichen Diktator des Vereines in Misskredit, der nun dafür einen Schuldigen sucht, um Rache zu üben. Stell dir vor, du bist beiden im Wege – nicht obwohl, sondern WEIL du deinen Vertrauensposten im Sinne der Mitglieder erfüllst. Stell dir vor, die beiden schließen sich zusammen und zwingen dich zum Rücktritt – zum ‚Wohle des Vereins’!

Stell dir vor, dein Rücktritt reicht beiden nicht und sie starten eine Hetzkampagne gegen dich. Stell dir vor, du wirst wieder und wieder gepiesackt und schikaniert. Stell dir vor, nach und nach wenden sich immer mehr ‚Kameraden’ von dir ab. Stell dir vor, du musst wehrlos mit ansehen, wie sogar deine Kinder immer weiter schamlos ins Geschehen hineingezogen werden.

Und jetzt stell dir vor, du widerstehst diesen zahllosen hinterhältigen Attacken und erringst allen Widerständen zum Trotze die Vereinsmeisterschaft. Stell dir vor, du freust dich so sehr über deine Leistung, dass du es schaffst, selbst deinen Widersachern fröhlich ins Gesicht zu lächeln. Stell dir vor: Genau DAS ist dein Todesurteil!

Stell dir vor: Jetzt ist endgültig Krieg und alle machen mit – obwohl keiner weiß, warum…

„Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen…“ war – im übertragenen Sinne – die Botschaft der Aggressoren an das ‚Volk’ – und alles schrie „Hurra!“. So geschehen im Jahre 2009 in einem Kanuklub an der Ruhr. Das Ganze nennt sich ‚Mobbing’ und ist kein Einzelfall.

Die hohe Gewaltbereitschaft der Täter offenbarte sich ein weiteres mal, als aus diesem Kreise nach Veröffentlichung der Geschehnisse in einem Buch Droh-Emails verschickt wurden, was wiederum Staatsanwaltschaft und Kripo auf den Plan rief.
Dabei sollte dieses Buch doch nur schildern, wie es sich anfühlt, von so genannten ‚Kameraden’ Stück für Stück gnadenlos fertiggemacht zu werden – und keiner hilft. Eine Botschaft an all jene, die monatelang untätig zusahen – die Möglichmacher. Bei Mobbing gibt es keine Unbeteiligten.

Was bis dato landläufig unter dem harmlosen Begriff der Vereinsmeierei bekannt war, hat längst begonnen einer perfiden Form von Gewalt zu weichen: dem Mobbing. Und da gibt es doch immer noch die zahllosen offenbar Blinden oder Gehörlosen, die Schultern zuckend sagen: „Ach ja, solche Konflikte gibt’s doch überall.“

Konflikte: ja, die gibt’s – aber solche und überall: nein. Noch nicht! Gott sei Dank! Aber es nimmt zu. Schleichend. Wie sollte es anders sein, da doch dieses unbequeme Thema am liebsten totgeschwiegen wird.

Noch immer scheint es einfacher, den Boten zu töten, als dem Aggressor wirksam entgegen zu treten. Selbst die zuständigen Sportverbände unterstützten diese Täter, indem sie wider besseren Wissens diesen Verein als besonders empfehlenswert auszeichneten. Was soll man dazu noch sagen?

„Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen…“ – und die Gesellschaft hat nichts dazugelernt.

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